Route du Rhum
Angriff im Atlantik: Herrmann verdrängt Riou von Rang drei

Boris Herrmanns westliche Platzierung zahlt sich aus: Der "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco"-Skipper rückt vor. Ebenso "Iskareen"-Steuermann Arnt Bruhns

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 08.11.2018
Boris Herrmanns "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" im Training in der Bretagne Boris Herrmanns "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" im Training in der Bretagne Boris Herrmanns "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" im Training in der Bretagne

Jean-Marie Liot Boris Herrmanns "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" im Training in der Bretagne

Arnaud Pilpré Boris Herrmann

Sein Schlag nach Westen zahlt sich aus: In der Nacht zu Donnerstag hat Boris Herrmann auf seiner Imoca "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" Solo-Ass Vincent Riou auf "PRB" in der Imoca-Wertung von Rang drei verdrängt. Trotz eines Bruchs des Fock-Vorstags, das Herrmann gestern reparieren konnte, schob sich der gebürtige Oldenburger am französischen Solo-Star vorbei, hat sich rechnerisch sogar fünf Seemeilen Vorsprung erarbeitet. Was die wert sein werden, müssen die kommenden Tage zeigen, denn die Separation zwischen Herrmann – westlich und näher der Rumbline – und den anderen Top-Imoca-Seglern im Süden ist beträchtlich. Während Herrmann auf Kurs Azoren in der Nähe der beiden Führenden der Multi-50-Wertungsgruppe (Thibault Vauchel Camus und Erwan Le Roux) segelt, suchen Imoca-Spitzenreiter Alex Thomson auf "Hugo Boss", Paul Meilhat auf "SMA", Vincent Riou auf "PRB" und auch der fünftplatzierte Yann Eliès auf "Ucar – Saint-Michel" im Süden bei der Annäherung an Madeira ihr Glück. Ein spannendes Szenario, das in den kommenden Tagen seine Auflösung erfahren wird. Die Gruppe im Süden macht reichlich Druck. Am Mittwoch hatte Alex Thomson auf "Hugo Boss" eine neue Spitzengeschwindigkeit von 38,5 Knoten erreicht. Sein Kommentar: "Wir fliegen!"

Screenshot/Route du Rhum Die Positionen am Donnerstagmorgen – Tag 4 der 11. Auflage des französischen Transatlantik-Klassikers von Saint-Malo nach Guadeloupe. Die Separation zwischen Herrmann (nördlich, aber näher "Rumbline") und den anderen Top-Seglern der Imoca-Klasse (deutlich weiter südlich) ist klar zu erkennen

In der größten Wertungsgruppe der Class-40-Yachten beeindruckt auch der Hamburger Amateursegler Arnt Bruhns, der sich seit dem Start zum 3500 Seemeilen langen Transat-Klassiker täglich um ein paar Ränge vorgearbeitet hat. Gestern noch mit Rang 29 unterwegs, rückte Bruhns über Nacht im Ranking auf Platz 22 vor. Von See hatte der "Iskareen"-Steuermann am späten Mittwochabend noch einen kurzen Lagebericht geschickt.

MDroege / Team Iskareen Arnt Bruhns am Steuer der "Iskareen"

"Der gestrige Tag begann mal wieder mit Leichtwind – um die 7 Knoten. Ich hatte meine liebe Mühe, das Segelprogramm wieder auseinanderzubasteln, bis Groß und Solent erneut draußen waren. Der Wind kam dann wieder mittags, und die Aktion wurde über Tag und Nacht stückchenweise rückabgewickelt. Dabei ging es in flotter Fahrt Richtung SSW. Nachmittags ging der Wind dann bis in die Dreißiger, wir machten mittlerweile 14-16 Knoten, als es mir zu bunt wurde und ich abfiel, um Druck herauszunehmen. Das der mir bekannte Steuergeschwindigkeitsrekord für dieses Boot jetzt nicht von einer Maschine gehalten wird, war knapp, es ging um Zehntelknoten. Immerhin schaffte ich es, ein weiteres Reff einzubinden. Eine ähnliche Situation gab es dann nachts, als es bei weiteren fünf Knoten mehr darum ging, die wild schlagende Trinquettte zu bändigen und durch Stormy Daniels zu ersetzen. Dazu ein drittes Reff, und fertig war die Laube – dabei graute dann auch schon der Morgen. Ein Kontrollblick ins achtere Lazarett – das ist der hinterste Raum unter dem Cockpit, wo die Ruderquadranten und die Rams (das sind die Autopilotenantriebe) untergebracht sind – brachte ziemlich viel Wasser zum Vorschein. Also Lenzen und Analysieren: Es scheint durch die fehlerhafte Dichtung des achteren Ausstiegsluks einzudringen. Zum Glück haben wir eine große Dose Leckwunder an Bord (das ist eine Mischung aus Öl und Wachs, die für provisorische Abdichtungen gedacht ist). Damit lässt sich das Problem in den Griff bekommen. Nun muss ich nur noch mein latentes (Nicht-) Schlafproblem in den Griff bekommen, dann wird es gemütlich."

Für die Route-du-Rhum-Flotte geht heute am frühen Nachmittag der vierte Tag auf See seit dem Start am vergangenen Sonntag um 14 Uhr zu Ende. Während der Gesamtführende François Gabart auf "Macif" bereits mit den Passatwinden dem karibischen Ziel Guadeloupe entgegenrast, müssen vor allem die Class-40-Gruppe und der gesamte hintere Teil des Feldes heute noch einmal mit einer heftigen Front rechnen – was die ohnehin schon müden und abgekämpften Solisten erneut vor große Bewährungsproben stellen wird. Für viele sollen die fordernden Bedingungen bis ins Wochenende hinein andauern, bevor auch sie Erlösung in Form milderer Umstände und in der Folge von den Passatwinden erfahren werden.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Arnt BruhnsAtlantikBoris HerrmannImocaRoute du Rhum

Anzeige