Jules Verne Trophy
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Knapp 100 Seemeilen trennen die beiden großen Trimarane auf dem Weg zum Kap Hoorn. Doch jetzt ändert "Idec Sport" radikal den Kurs

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 21.12.2015

J.-M. Liot / DPPI / Idec "Idec"

An Bord von "Idec Sport" scheint ein riskanter Wetter-Poker durchgespielt worden zu sein: Heute Morgen drehte das Team mit Boris Herrmann an Bord radikal auf Nordkurs um 90 Grad vom direkten Weg zum Kap Hoorn ab. Anscheinend ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass das Hoch, das unmittelbar südlich des Kaps liegt, zu gefährlich ist, um direkt hineinzusegeln. "Spindrift 2" segelt derweil unbeirrt weiter Richtung Kap. Einen anderen Grund für die radikale Kurskorrektur scheint nicht erkennbar, "Idec Sport" segelt noch immer mit über 30 Knoten Speed, technische Probleme sind es wohl nicht. Könnte also sein, dass man auf einen radikalen Schachzug setzt, um vielleicht am Rivalen vorbeizuziehen, sollte dieser im schwachen Wind hängenbleiben. 

Und auch eine weitere Nachricht von Bord der "Idec Sport" sorgt für ein Rätsel. In einer Mail schrieb Boris Herrmann der YACHT in einer kurzen Nachricht den etwas kryptischen Hinweis "Spindrift gehandicapt". Damit beginnt das Mutmaßen, ob das beschädigte Backbord-Schwert des 141-Fuß-Tris vielleicht Probleme bereitet oder er aber vielleicht nur auf die bevorstehende Flautenzone hinweist.

Navionics/Volodiaja Blinker links: "Idec Sport" (rot) biegt nach Norden ab, "Spindrift 2" (gold) segelt weiter und führt vor dem Rekord (blau)

Zurzeit sind beide Boote auf Backbord-Bug unterwegs, die See ist relativ hoch, der Wind wehte zuletzt mit 20 bis 30 Knoten. In solchen Bedingungen ist das sichelförmige Schwert von "Spindrift 2" wichtig, um die Nase des Lee-Schwimmers aus dem Wasser zu drücken. Ansonsten unterschneidet der Bug eher in großen Wellen. Leider sind die Kontakte zu Boris Herrmann an Bord nur sporadisch, die mit nur sechs Mann enorm knapp besetzte Crew findet kaum Zeit zum Verschnaufen und schließlich will man im Moment unbedingt am Gegner dranbleiben. Kurz vor der Kursänderung von "Idec Sport" segelte der Tri immer deutlich schneller, um die 30 Knoten, während "Spindrift 2" nur mit 22,23 Knoten unterwegs war. Da er auf dem Bug mit dem beschädigten Schwert segelte, könnte es womöglich Probleme geben.

Gemeinsam ist beiden Booten, dass sie einen Super-Sonntag hatten und nach Rückständen von über 600 Meilen auf den Rekord von Loïck Peyron mächtig Boden gutgemacht haben. Heute Mittag liegen beide 300 beziehungsweise über 400 Meilen vor der Bestmarke.


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Themen: Boris HerrmannIdec SportJules Verne TrophyKap HoornSpindrift 2

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