Mini-Transat
Alexandre Scrizzi mit Kurs auf die Antarktis

Der Franzose bereitete der Rennleitung große Sorgen, weil er über das Ziel hinausgeschossen war

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 28.10.2009

transat650.org Scrizzis "Phoenix" in der Atlantikdünung

Seit Sonntag war auf dem Satellitentracker keine signifikante Kursänderung mehr aufgefallen. Flugzeuge überflogen seinen Pogo, konnten aber kein Lebenszeichen finden. Nun gelang einem Marineschiff ein erster Funkkontakt.

Man hatte sich schon länger über den Kurs fernab des anderen Feldes gewundert. Vorgestern charterte die Rennleitung ein Flugzeug, das den Pogo unter einfach gerefftem Großsegel und Spi unter Autopilot segelnd vorfand. Den Skipper konnte man nicht ausmachen.

Auch ein Suchflugzeug der brasilianischen Air Force fand das Boot ohne Lebenszeichen, konnte aber eine Gestalt in der Kajüte erkennen. Man machte sich bereits auf das Schlimmste gefasst. Dann, gestern gegen 15 Uhr deutscher Zeit, die erlösende Nachricht auf der offiziellen Website des Rennens: Scrizzi hat gehalst! Er änderte seinen Kurs nur, wenig auf etwa 248 Grad, aber man konnte erkennen, dass Menschenhand im Spiel gewesen sein muss, um das Boot auf den anderen Bug zu bringen. Die "Phoenix" ging wieder auf Kurs Südamerika.

Racetracker transat650.org Vorgestern: Scrizzi auf Südkurs. Flugzeuge starten, um nach dem Rechten zu schauen.

Erst, als sich Scrizzi etwa 310 Meilen südwestlich des Ziels in Salvador de Bahia befand, erreichte ihn ein Schiff der brasilianischen Marine und konnte Funkkontakt herstellen. Allem Anschein nach ist an Bord alles in Ordnung. Scrizzi teilte den Marinesoldaten jedoch mit, dass sein GPS-System bereits seit der Nordhalbkugel defekt war und er so seine Position nur anhand von Geschwindigkeit und Kompasskurs koppeln konnte. Er war sehr überrascht, dass er sich bereits über 400 Meilen südlicher befand als angenommen.

Obwohl die Boote des Mini-Transats mit allem erdenklichen Sicherheitsequipment ausgerüstet sind, sieht es jedoch die Regelung vor, dass sie kein Funkgerät oder Satellitentelefon an Bord haben, das weiter reicht als 20 Seemeilen. Das UKW-Funkgerät ist daher ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, die jedoch in den Weiten des Atlantiks nicht viel wertvoller ist als eine Flüstertüte. So hatte Scrizzi keine Chance, auf seinen Kurs aufmerksam gemacht zu werden. Als Folge dieses Zwischenfalls wurden nun erste Stimmen laut, die eine Zulassung von Satellitentelefonen für kommende Regatten fordern.

Racetracker transat650.org Gestern Nachmittag (deutscher Zeit) die erste Kursänderung.

Die "Phoenix" wird nun am morgigen Donnerstag, dem 28., in Salvador de Bahia erwartet. Es ist gut möglich, dass sie noch nicht einmal den letzten Platz in der Gesamtwertung einnimmt. Noch immer sind neun Boote unterwegs. Der letzte Prototyp von Maxence Desfeux passierte gerade Fernando de Noronha und liegt zusammen mit Emmanuel Laurent im letzten Serienboot rund 680 bzw. 650 Meilen zurück.

Der zweite deutsche Teilnehmer Norbert Maibaum wird indes in den kommenden zwei Stunden in Salvador de Bahia einlaufen und hat gute Chancen auf einen 43. Platz unter den Serienbooten.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: BahiaMaibaumMiniTransat

Anzeige