I-Shares Cup Kiel
Achtungserfolge in der Windlotterie

Wirsol Team Germany schlägt sich achtbar an einem von vielen Drehern und flauem Wind bestimmten Wettfahrttag

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 29.08.2009

YACH/J. RIEKER Havariert, repariert, losmarschiert - "Wirsol Team Germany" geht mit geflicktem Backbordrumpf ins Rennen

So fulminant der erste Tag im I-Shares Cup Kiel ausgefallen war, so knifflig gestaltete sich die Serie von sechs Rennen am Sonnabend. Die Deutschen um Roland Gäbler konnten mit einem 3. und einem 4. Rang aber Akzente setzen, nachdem ihr über Nacht reparierter Kat erst im letzten Moment seeklar war.

Mehrere tausend Zuschauer säumten auch am Sonnabend wieder die Kiellinie in der Erwartung packender Szenen. Doch das große Spektakel vom Vortag mit einem Crash und einer Kenterung blieb aus. Zwischen mehreren teils unwetterartigen Regenfronten konnte sich der Wind nie richtig entwickeln. Er blieb schwach, löchrig und drehte ständig, teils um mehr als 30 Grad.

Das machte mitunter jede Taktik zunichte und sorgte in sechs Wettfahrten für sechs verschiedene Sieger. Das Wirsol Team Germany zählte nicht dazu, zog aber dennoch eine zufriedene Bilanz. „Wir haben gezeigt, dass wir im Mittelfeld mitfahren können“, sagte Steuermann Tino Mittermaier.

Für die Deutschen war schon die Teilnahme ein Erfolg. Denn am Freitag hatte Loïck Peyron auf der „Oman Renaissance“ den von Wirsol und Kiel.Sailing City gesponserten Extreme 40 am achteren Backbord-Rumpf beschädigt, als er in einer Bö das Groß nicht rechtzeitig fieren konnte und mit dem vor ihm fahrenden deutschen Boot kollidierte.

YACH/J. RIEKER Zwei Stunden Schlaf, vier Tassen Kaffee – Nils Bunkenburg (l.) laminierte das Heck über Nacht mit mehreren Lagen Kohlefaser

Über Nacht mussten mehrere Schadstellen laminiert werden, darunter ein gut ein Meter langer Riss unterhalb des Querholms. Nils Bunkenburg, A-Kat-Weltmeister und in Carbon-Waben-Konstruktionen erfahrener Bootsbauer, arbeitete fieberhaft die ganze Nacht durch. „Um 7 ging’s nicht mehr“, sagte er YACHT online. „Da musste ich mich zwei Stunden hinlegen.“ Dann trank er vier Kaffee und machte sich wieder ans Werk, unterstützt von seinen Crew-Kollegen und dem Team der Extreme-40-Werft „Tornado Sport“.

Eine Stunde vor dem Start zum ersten Rennen, während der Beam schon verschraubt und das Trampolin wieder festgezurrt wurde, führte Bunkenburg noch Infrarot-Strahler über die Carbonmatten, um die Aushärtung zu beschleunigen. Die anderen Teams segelten bereits vor der Kiellinie und trimmten ihre Segel ein, als die „Wirsol Team Germany“ von einem Mobilkran in die Kieler Förde gehoben wurde — ein Reparatur-Stopp just in time.

Die Ergebnisse auf dem Wasser zeigten dann rasch, dass die Not-OP in der Nacht erfolgreich verlaufen war. Skipper Roland Gäbler und seine Crew segelten solide; für ihren Trainingsstand schlugen sie sich achtbar. Der vorletzte Platz im Zwischenklassement wird der Leistung nicht ganz gerecht. Pech hatte das Team im letzten Rennen. Dabei ging Roland Gäbler im Manöver über Bord; der 44-jährige Routinier konnte sich zwar wieder aufs Boot hangeln, mehr als ein 9. Platz sprang aber nicht mehr heraus.

Mal sehen, was der Sonntag bringt. Mehr Wind wohl nicht. Aber die Bedingungen heute scheinen den Deutschen zu liegen. Es wäre ihnen zu wünschen, noch den einen oder anderen Akzent zu setzen. Und 2010 von Anfang an den I-Shares Cup zu segeln.


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Themen: Extreme 40GäbleriSharesKatKielWirsol

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