Regatta-News
"Abschlusstag wie aus dem Bilderbuch"

Beim iShares Cup in Kiel gab es zehn 40 Fuß große Katamarane und Proficrews zu bestaunen

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 01.09.2008

„Das war absolut fantastisch, die beste Etappe“, so Shirley Robertson (Großbritannien). Die zweimalige Olympiasiegerin bedankte sich artig beim enthusiastischen Kieler Publikum mit ebenso eleganten wie waghalsigen Aktionen auf einem Rumpf direkt vor der Kiellinie.

Crewmitglied Fraser Brown will unbedingt mit dem iShares Cup wieder nach Kiel kommen: „In Lugano hatten wir schlechte Segelbedingungen und kaum Zuschauer, in Hyères gab es gutes Segeln ohne Zuschauer, in Cowes war es super-windig und keine Zuschauer, und hier in Kiel war es gutes Segeln und viele Zuschauer. Das war hier das Beste.“

Vielleicht hätte auch Kiel-Sieger Ed Baird genau das Gleiche gesagt, aber der America’s-Cup-Sieger und seine Alinghi waren zunächst in eine Protestverhandlung verstrickt. Leidtragende dabei war das britische America’s-Cup-Projekt "TeamOrigin". Die fleißigen Briten — vor Kiel an der Spitze der Serie — mussten nach einer Kollision aufgeben und schnellstens an Land geschleppt werden. Die "Holmatro" war den Briten an der Halsen-Tonne ins Heck gerauscht in Ermangelung von Ausweichmöglichkeiten. Dass es die nicht gab, lag nicht nur nach Auffassung von "Holmatro"-Skipper Andreas Hagara (Österreich) an der "Alinghi", die der "Holmatro" keinen Raum zum Ausweichen gab. Pikant an der Situation ist, dass damit die drei besten Teams aus bislang drei Etappen in die Diskussion verstrickt waren. Hinter der "TeamOrigin", deren beschädigtes Heck schnell Wasser zog, rangierten vor dem Kieler Event "Alinghi" mit einem Punkt Abstand und"Holmatro". Das Gute am Segelsport ist indes, dass es auch salomonische Lösungen gibt, denn die Jury schrieb "TeamOrigin" den Durchschnitt der bisherigen Platzierungen als Wiedergutmachung zu. Jetzt hat die "Holmatro" „den schwarzen Peter“, denn Hagara und sein Team wurden in Kiel lediglich Achte nach der Disqualifikation infolge des Zusammenstoßes. Baird, der mit präzisen Manövern und perfektem Bootshandling beeindruckte, freute sich über den iShares Cup in Kiel: „Das ist der richtige Weg, um Segelsport für das Publikum attraktiv zu machen. Das hat mir gut gefallen.“

Mit zehn bis zwölf Knoten Wind, strahlend blauem Himmel und Sonne satt gab es für die zehn Teams des iShares Cup aus sechs Nationen einen perfekten Schlusstag. Das Tüpfelchen auf dem i waren die Zuschauer, die für eine grandiose Kulisse sorgten und die Segler auf ihren Hightech-Katamaranen mit lautstarker Begeisterung anfeuerten. Dazu trugen maßgeblich auch Tornado-Ass Roland Gäbler und André Keil bei, die ebenso leicht verständlich wie unterhaltsam die Wettfahrten kommentierten. Gäbler offenbarte dabei seine Talente am Mikrophon.

Veranstalter Dirk Neumann von der Hamburger Agentur 4Sail Projects ist rundum zufrieden mit der Premiere des iShares Cup in Kiel: „Wenn ich daran denke, dass wir erst im April bei Kiel Marketing angerufen haben, um zu fragen, ob die Stadt Interesse an der Veranstaltung hat, dann muss ich sagen, haben wir gemeinsam mit Kiel etwas Fantastisches auf die Beine gestellt. Besser kann man Segeln nicht inszenieren.“

„Absolut glücklich“ war Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz angesichts der riesigen Begeisterung in der Landeshauptstadt. Allein am Sonntag kamen 40.000 Besucher an die Kiellinie. Mit rund 70.000 Zuschauern feierte der iShares Cup eine glanzvolle Premiere in Kiel und machte deutlich, wie Segeln für das Publikum attraktiv präsentiert werden kann.

Endstand iShares Cup Kiel nach 18 Wettfahrten:

1. Alinghi, Skipper Ed Baird, 139

2. TeamOrigin, Robert Greenalgh, 137

3. Team Aqua, Alister Richardson, 119

4. Team BT, Nick Moloney, 113

5. Tommy Hilfiger, Randy Smyth, 105

6. Oman Sail, Pete Cumming, 104

7. JPMorgan Asset Management, Shirley Robertson, 98

8. Homatro, Andreas Hagara, 93

9. iShares, Hugh Styles, 92

10. Volvo Ocean Race, Herbert Dercksen, 71


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Themen: iShares

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