Silverrudder 2016
24 Stunden jenseits der Komfortzone

Spannung vor dem Einhandrennen rund Fünen – Leicht- bis Mittelwind für die 400 Boote am Start, und eine knackige Kreuz am Abend

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 22.09.2016

YACHT/J. Rieker Kleine Helden. Hasso Hoffmeister mit seinem 15er-Jolli (Nr. 001) im Feld der Mini-Klasse

Freitag früh um 8 Uhr gehen die ersten, die kleinsten Boote über die Linie vor Svendborg, dann folgen im Halbstundentakt die nächsten Gruppen. Es wird eine Armada von Yachten sein, die sich auf den Weg nach Norden macht. Nie waren es mehr bei einer Solo-Langstreckenregatta. Nicht hier in Dänemark, nirgends sonstwo auf der Welt.

YACHT/J. Rieker 415 GPS-Tracker warten auf ihren Einsatz

Im Vergleich zum Vorjahr, wo Starkwind viele schon von der Überführung abgehalten hatte, ist das Feld diesmal fast doppelt so groß. Eigentlich könnte man ohne Navigationsmittel segeln. Solange man nicht vorn ist, muss man nur den anderen folgen. Doch die Dichte des Verkehrs wird die Herausforderung tatsächlich eher vergrößern denn verringern, besonders nachts.

Denn auch wenn die Wetterdienste übereinstimmend vorwiegend leichte Bedingungen vorhersagen, wird es am Nachmittag und frühen Abend nördlich Fünens wohl für einige Stunden ruppig werden. Dann dreht der Wind mit dem Durchzug einer Front von Südwest auf Westnordwest, frischt auf bis zu 20, in Böen bis 25 Knoten auf und beschert den Solisten eine harte Kreuz, bevor er in der Nacht wieder abflaut. Vor allem für die kleinsten Boote, darunter Jollenkreuzer und ranke Sportboote, wird dies absehbar die schwerste Prüfung des Rennens.

Der guten Stimmung im Hafen tat dies freilich keinen Abbruch. Auch die Vollbelegung mit verschärftem Päckchenliegen, meist mit fünf, sechs, sieben Schiffen an einem Platz und schier endlosen Stromkabel-Wuhlings, ging gänzlich unbeschwert über die Bühne. Sie beförderte den Austausch der Skipper untereinander mehr, als dass sie zu Abschottung oder genervten Blicken führte, wenn sich die außen Vertäuten von Boot zu Boot hangelten.

YACHT/J. Rieker Auch dabei: Zweitonner meets Seekreuzer

Selten, nein: Nie bot der Gang über die Stege ein so buntes, vielfätiges, ja erstaunliches Bild wie in den zwei Tagen vor dem Start. Nach wie vor sieht man beim Silverrudder viele GFK-Klassiker und einfache Fahrtenboote. Das Rennen zieht fraglos Segler an, die sonst selten oder nie bei Regatten melden.

Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr moderne Konstruktionen, auch solche, die gezielt für Hochseerennen mit kleiner Crew entwickelt wurden: Figaros, Pogos, Seascapes, mit Mathias Müller von Blumencrons "Red" die erste Class 40. Und in nahezu allen Klassen ist an der Spitze ein Mehr an Ambition und Können zu sehen. War die Veranstaltung anfangs mehr Ausdauerfahrt als Regatta, wird es inzwischen durchaus sehr sportlich.

Eins aber bleibt dann doch für alle gleich, wenn es morgen rundgeht: Egal ob mit Rollgroß, Flachbildfernseher und Kühlschrank oder mit leergeräumter Kajüte, Trockennahrung und einer Pütz als Klo – am Ende wird jeder jenseits seiner Komfortzone segeln. Zumindest diesen einen langen Tag und eine kühle, noch längere Nacht lang.

Berichte vom Kurs ab Freitagfrüh im Silverrudder-Liveticker der YACHT, direkt auf der Homepage. Positionsangaben über TracTrac (per App oder Weblink).


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