128. Kieler Woche: Sommerflaute prüft Olympiasegler
Nachsitzen auf der Förde: 470er-Mixed-Duos im Stresstest

Ein Flautenmarathon hat den Olympiaseglern am Samstag viel Geduld und Konzentrationsvermögen abverlangt. 23 deutsche Finalisten sind am Sonntag gefordert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 25.06.2022
Einen Tag vor dem Medaillenfinale haben Malte und Anastasiya Winkel (GER 13) bei der Kieler Woche die Führung im 470er-Mixed vor Luise Wanser und Philipp Autenrieth und Simon Diesch mit Anna Markfort übernommen Einen Tag vor dem Medaillenfinale haben Malte und Anastasiya Winkel (GER 13) bei der Kieler Woche die Führung im 470er-Mixed vor Luise Wanser und Philipp Autenrieth und Simon Diesch mit Anna Markfort übernommen Einen Tag vor dem Medaillenfinale haben Malte und Anastasiya Winkel (GER 13) bei der Kieler Woche die Führung im 470er-Mixed vor Luise Wanser und Philipp Autenrieth und Simon Diesch mit Anna Markfort übernommen

Sascha Klahn/Kieler Woche Einen Tag vor dem Medaillenfinale haben Malte und Anastasiya Winkel (GER 13) bei der Kieler Woche die Führung im 470er-Mixed vor Luise Wanser und Philipp Autenrieth und Simon Diesch mit Anna Markfort übernommen

Nach einem Flauten-Segelmarathon am Samstag sind 23 deutsche Boote und Boards für die olympischen Finals der 128. Kieler Woche qualifiziert. Dabei mussten die Skiffseglerinnen im 49er FX bis in den Abend nachsitzen, weil die sommerflauen Winde immer wieder für Unterbrechungen sorgten. Am intensivsten waren die 470er-Mixed-Crews gefordert. Sie verbrachten mehr als acht Stunden in zwei Etappen auf dem Wasser, bis sie in der schwachen Brise zwei Rennen ins Ziel gebracht hatten. Für die Windsurfer im iQFoil der Männer und Frauen sowie die foilenden Nacra-17-Mixed-Duos waren die Wettfahrten am Vorschlusstag der weltgrößten Segelserie komplett entfallen.

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Startverschiebung! Die Flagge des Tages …

Sascha Klahn/Kieler Woche Wettpaddeln statt Segeln: ein heiteres Symbolbild für den letzten Samstag der 128. Kieler Woche

Die auffallend hohe Anzahl der 23 DSV-Finalteilnehmer erklärt sich dadurch, dass einige Felder der olympischen Disziplinen in Kiel klein und überwiegend national besetzt sind. Andere dagegen haben wie der schnelle Katamaran Nacra 17 sogar alle olympischen Medaillengewinner von Japan auf die Förde gelockt. Auffallend stark haben sich in der zweiten Kieler-Woche-Halbzeit die für Olympia 2024 neu formierten deutschen 470er-Mixed-Duos in ihrem internationalen Feld präsentiert. Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein), Luise Wanser/Philipp Autenrieth (NRV/Bayerischer Yacht-Club) und Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) ziehen in dieser Reihenfolge für das German Sailing Team als Top Drei mit jeweils noch Chancen auf den Kieler-Woche-Sieg ins Finale ein. Anastasiya Winkel freute sich über den Satz ihres Teams an die Spitze: "Unser Tag heute. Wir haben einfach gut zusammengearbeitet. Malte hat gute Starts gefahren, ich habe den Druck richtig gesehen. Und als wir vorn waren, haben wir es sauber verteidigt."

Sascha Klahn/Kieler Woche Malte und Anastasiya Winkel hatten mit zwei Tagessiegen am Marathon-Samstag ihren besten Tag

Sascha Klahn/Kieler Woche Nord-Süd-Duo im 470er-Mixed: Luise Wanser und Philipp Autenrieth

"Das wird eine Schlacht. Wir fahren voll auf Angriff"

Als Gesamt-Neunte erreichten im 49er Tim Fischer und Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) das Sonntagsfinale. Nach längerer Studienpause bahnt sich das Duo seinen Weg zurück an die internationale Spitze. Mit Blick auf die engen Punktabstände – die Plätze eins bis zehn trennen im 49er vor der doppelt gewerteten Entscheidung nur 15 Punkte – erwartete Tim Fischer einen harten Kampf: "Das wird eine Schlacht. Wir fahren voll auf Angriff." Die führenden Briten James Peters und Fynn Sterritt, die wie die Deutschen Olympia 2024 im Visier haben, hinterließen den Gastgebern vor der Entscheidung noch ein Kompliment. Sterritt sagte: "Wir mögen die Kieler Woche. Sie ist ein toller Mix zwischen Segeln und Party." Im Ilca 6 fiel Julia Büsselberg aus Berlin vor dem Finale auf Platz sieben zurück. Im Ilca 7 kostete den Schleswiger Nik Aaron Willim ein Frühstart unter "Schwarzer Flagge" wie auch andere Top-Starter eine noch bessere Platzierung vor dem Medaillenrennen. Ein dagegen eingelegter Protest kam nicht durch. In die iQFoil-Finals der Männer und Frauen starten Deutschlands Beste als Spitzenreiter: Sebastian Kördel und Lena Erdil führen ihre Flotten vor der Entscheidung an. Das ist angesichts der international dünn besetzten Felder der Neu-Olympioniken keine Riesenüberraschung. Die neun Siege Kördels in neun Rennen wollen trotzdem erst einmal nachgemacht werden.

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Fielen am Samstag vor dem Medaillenfinale auf Platz acht zurück, ließen sich dadurch aber keinesfalls den Spaß an ihrer Abschiedsgala verderben: die Olympia-Zweiten Tina Lutz und Sanni Beucke

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Mit "Ersatzvorschoter" Thomas Plößel, zweimaliger olympischer Bronzemedaillengewinner, führt NRV-Steuerfrau Sophie Steinlein das offen ausgeschriebene 49er-FX-Feld der Frauen vor dem Sonntagsfinale an

Sascha Klahn/Kieler Woche Tim Fischer und Fabian Graf starten am Sonntag als Neunte ins Medaillenrennen der 49er. Die Punktabstände sind aber so eng, dass sich die Vizeweltmeister noch deutlich verbessern können

Die Medaillenfinals starten am Sonntag um 11 Uhr

Die Medaillenfinals der Kieler Woche beginnen am Sonntag um 11 Uhr. Die Windaussichten bleiben jedoch "schwierig" hieß es am Vorabend von Veranstalterseite. Vorhergesagt sind nur eine Handvoll Knoten Wind. Sollten die Finalläufe nicht gesegelt werden können, würden die Spitzenreiter vom Samstagabend zu Kieler-Woche-Siegern gekürt. Darunter sind vier deutsche Starter.

Startschuss zum Silbernen Band

Mit der flauen Brise hatten am Samstag auch die Seesegler auf dem Stollergrund zu kämpfen. Pünktlich zum Start des Silbernen Bandes hatte der Wind den Tagesdienst vorübergehend ganz eingestellt: Die Yachten dümpelten wie auf einem silbrig schimmernden Tuch auf der Förde umher. Um überhaupt einen regulären Start zu realisieren, wartete die Wettfahrtleiter-Crew eine halbe Stunde, fand dann ein Windfeld für 20 Minuten, in dem sie die 22 Boote und ihre Mannschaften auf den Kurs schickte. Bis zur ersten Bahnmarke hielt der Hauch durch, dann brach er wieder in sich zusammen. Doch schließlich schob es die Flotte in Richtung Dänemark. In der sternenklaren und warmen Nacht ging es in gemächlicher Fahrt in Richtung Großer Belt an Langeland vorbei. "Es hat sich ausgezahlt, den Kurs gegen den Uhrzeiger zu wählen", so Wettfahrtleiter Ralf Paulsen. Am Samstagmorgen hatte sich die Wettfahrtleitung am östlichen Eingang des Svendborg Sund an der Insel Thurø aufgebaut. Die großen Yachten ließ sie zum Absolvieren des kompletten Kurses über 116 Seemeilen passieren, die Gruppe der kleinen Schiffe nahm das Team um Ralf Paulsen an der Bahnmarke bereits nach rund der Hälfte des Kurses ins Ziel. Die Resultate werden aber erst am Sonntagmorgen feststehen.

Sascha Klahn/Kieler Woche Start der "X-Day" von Walter Watermann zum Silbernen Band der Seesegler am Freitagabend

Hier geht es zu allen Kieler-Woche-Ergebnissen (bitte anklicken!) .


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Themen: Kieler Woche

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