128. Kieler Woche: mit Donner, Blitz & Hagel durch Tag drei
Favoritensiege auf der Seebahn, Nachsitzen bei den Jollen

War das ein langer Montag: In Kiel wurde bis weit nach 20 Uhr gesegelt. Dann waren trotz Donnerwetter immerhin fast zwei Handvoll Rennen absolviert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 20.06.2022
Ein imposantes Bild von so vielen, die an diesem außergewöhnlichen Montag bei der Kieler Woche entstanden Ein imposantes Bild von so vielen, die an diesem außergewöhnlichen Montag bei der Kieler Woche entstanden Ein imposantes Bild von so vielen, die an diesem außergewöhnlichen Montag bei der Kieler Woche entstanden

Eckart Reinke Ein imposantes Bild von so vielen, die an diesem außergewöhnlichen Montag bei der Kieler Woche entstanden

Blitz, Donner und Hagel herrschten lange über den dritten Regattatag der 128. Kieler Woche. Die meisten Seglerinnen und Segler blieben deswegen auf Geheiß der Wettfahrtleitung im Hafen und beobachteten das schnell wechselnde Wetterspektakel von Land aus. An den Start gingen vor den schwarzen Wolkenwänden mit teilweise spektakulären Blitzen am Horizint zunächst nur die großen Kielboote. Für sie begann mit dem Kiel Cup eine dreitägige Serie mit den ersten beiden Wettfahrten. Die Rennen der internationalen Klassen dagegen mussten weitgehend abgesagt werden. Nur für die 29er-Crews im Euro-Cup, die schnellen Wazp-Segler und die Ilca-6-Steuerleute wurde die Startbereitschaft bis in den Abend aufrechterhalten. Das sollte sich lohnen…

Kieler-Woche-Wetterexperte Meeno Schrader beschrieb das Wetterszenario am Montag so: "Die Quellwolken türmen sich in Minutenschnelle auf. Über Wasser sorgen sie dann für große Dreher oder saugen auch schon mal den vorherrschenden Gradientwind komplett auf." Andererseits war mit Böen der Stärke sieben bis acht zu rechnen. Zu viel für die kleinen Boote, entschied Kieler-Woche-Sportchef Dirk Ramhorst: «Die Chance auf reguläre Rennen waren tagsüber zu gering. Das Risiko, plötzlich viele kleinen Dingis im Handumdrehen bergen zu müssen, schlicht zu hoch.»

Eckart Reinke Auf dem Wasser war der dritte Tag der 128. Kieler Woche einer für Hartgesottene

Der Kiel Cup auf der Seebahn startete mit Favoritensiege. Die „Intermezzo“-Crew von Jens Kuphal aus Berlin bewies sowohl auf dem kurzen Up-and-Down-Rennen als auch beim „Round the cans“ um feste Seezeichen, dass sich die Modifikationen am Boot auszahlen. Nach dem Doppelsieg übernahm das "Intermezzo"-Team bei den großen Yachten die Führung vor Aalregatta-Sieger „Xenia“ von Ralf Lässig aus Wulsdorf. Bei den kleineren Yachten ist zunächst die „Halbtrocken“ von Knut Freudenberg aus Flensburg nach den Rängen eins und zwei SPitzenreiterin vor der „Sophus“ von Jochen Kunze (Langballigau). Eckart Reinke, Seebahn-Gesamtleiter und auch an diesem Tag draußen auf der Bahn, erzählte: "Es war total irres Wetter. Wir hatten Flaute. Wir hatten Sturm, dass die Spinnaker flogen. Wir hatten Hagel. Wir hatten heißen Sonnenschein. Und Sturzregen. Mal ganz abgesehen von dem Gewitter. Vom Wetter her war es wie ein ganzes Jahr an einem Tag."

ChristianBeeck.de/Kieler Woche "Intermezzo"-Eigner Jens Kuphal aus Berlin

X-Day-Sailing/Instagram Mit schönen Grüßen von X-Day-Sailing: der ultimative Nachweis für die Hagelschauer aus dem Himmel über Kiel

Für drei internationale Klassen lohnte sich das lange Warten an diesem Tag schließlich doch noch. Die 29er kamen ab frühen Abend zu drei Finalrennen im Euro Cup, ILCA 6 und Waszp waren bis weit nach 20 Uhr auf dem Wasser. Die Glanzpunkte setzten im späten Licht des Tages die Favoriten. Bei den 29ern verteidigten die Neuseeländer George Lee Rush und Sebastian Menzies souverän ihre Führung. Kieler-Woche-Vorjahressieger Ole Schweckendiek blieb im ILCA 6 bester Akteur. Schnellster Waszp-Foiler ist nach wie vor Paul Farien (Kiel).

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Ole Schweckendiek (Kiel) verteidigte die Gesamtführung in der ILCA-6-Klasse

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Der Lohn für das lange Wartens auf die späten Wettfahrten für die 29er: herrliche Regattabedingungen in der Strander Bucht

Bei den 29er bleibt „Günther“ klar vorne. Das Charterboot von Bootshändler Holger Jess aus Eckernförde bringt den Neuseeländern offenbar Glück. Zwar konnten sie ihre makellose Siegesserie aus der Vorrunde nicht fortsetzen. Ein dritter Platz und zwei weitere Siege ließ sie aber locker die Führung vor Carl Krause/Max Georgi (Rostock) und den Sach-Brüdern verteidigen. Anton und Johann Sach, die Kieler Woche-Titelverteidiger, arbeiteten sich im Euro Cup der Skiff-Talente weiter nach vorn. Rang vier und zwei in den ersten beiden Finalläufen führte sie in der Gesamtwertung auf Rang drei.

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Die 29er-Vorjahressieger Anton und Johann Sach aus Zarnekau in Ostholstein arbeiteten sich vor dem Finaltag trotz eines Patzers im neunten Rennen auf den dritten Gesamtrang vor

ChristianBeeck.de/Kieler Woche Carl Krause und Max Georgi aus Rostock starten am Dienstag in blauen Leibchen als erste Verfolger der führenden Neuseeländer in den Finaltag des 29er Euro Cups

Für die Waszp wurde der späte Einsatz zu einem Ritt auf schmaler Klinge, von der jeder schnell abrutschen konnte. Die Unterwasserflügel heben die „Wespen“ und ihre Piloten nur bei ausreichender Fahrt konstant aus dem Wasser. Die war aber bei den schwankenden Winden nicht immer garantiert. Und so ging der Sieg über die Fähigkeit, möglichst lang auf den Foils zu bleiben. Das beherrscht der Kieler Paul Farien perfekt. Der Vize-Europameister des vergangenen Jahres ließ in den Wettfahrten vier und fünf die Siege drei und vier folgen und führt das Feld der 16 Waszp vor dem finalen Tag klar an

Hier geht es zu allen Kieler-Woche-Ergebnissen (bitte anklicken!).


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Kieler Woche

Anzeige