100 Jahre Rheinwoche
185 Kilometer flussabwärts: Eine H-Jolle gewinnt

Sie ist die älteste, größte und längste Flussregatta Europas. In diesem Jahr feierte die Rheinwoche ihren 100. Geburtstag. Die YACHT war dabei.

  • Jan Zier
 • Publiziert am 08.06.2022
Den Rhein hinunter im Regattamodus Den Rhein hinunter im Regattamodus Den Rhein hinunter im Regattamodus

Jan Zier Den Rhein hinunter im Regattamodus

Es ist ein ungefährdeter Sieg, den Skipperin Katrin und Vorschoter Jens Priewe auf ihrer H-Jolle "Tekitisi" herausfahren: Als sie nach drei Stunden auf der letzten von sechs Etappen der diesjährigen Rheinwoche im niederländischen Arnheim ankommen, ist das nächste Boot lange nicht in Sicht. Rund 40 Kilometer war die Strecke an diesem Pfingstmontag lang. Zum Vergleich: Die Varianta "Oscar" benötigte dafür bei vier bis fünf Beaufort und böigen Winden mehr als fünf Stunden. Damit gewann die "Tekitisi" auch das "Blaue Band" für das zeitschnellste Boot – 14:52:33 Stunden brauchten die Priewes für die insgesamt 185 Kilometer lange Strecke, die in diesem Jahr in Köln-Porz gestartet wurde und in Hitdorf, Düsseldorf, Duisburg, Wesel und Rees Halt machte. Das "Blaue Band" für das schnellste Boot nach berechneter Zeit ging an die J/22 "7Sitzer" und ihre dreiköpfige Crew.

Jan Zier Die Sieger: Skipperin Katrin und Vorschoter Jens Priewe auf ihrer H-Jolle "Tekitisi"

Insgesamt waren in diesem Jahr 68 Boote gemeldet, darunter sieben Shark 24 sowie jeweils fünf H-Boote, Sailhorse und Dyas und drei J/22. Das kleinste Boot im Rennen, eine RS-Vision-Jolle, gesegelt von zwei älteren Herren, musste nach einer Kenterung bereits auf der ersten Etappe aufgeben und die Segler zogen auf das Begleitboot "Eureka" um, das als Schlaf- und Essensort, aber auch als Partyschiff und Regattabüro diente. 49 Boote wurden am Ende im Wettbewerb um das "Blaue Band" gewertet, die Ergebnisse sind hier nachzulesen.

Rheinwoche 2022

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Damit konnte die Rheinwoche zwar nicht an den Erfolg der früheren Jahre anknüpfen – in denen bis zu 140 Boote zur Rheinwoche kamen. Doch in den letzten beiden Jahren fiel das traditionsreiche und nach wie vor rein ehrenamtlich organisierte Event wegen der Corona-Pandemie ganz aus. In diesem Jahr musste nur das Etappenziel in Emmerich wegen einer Unwetterwarnung kurzfristig aus dem Programm gestrichen werden – stattdessen segelte der Tross am Pfingstsonntag nur die knapp 20 Kilometer von Wesel nach Rees und am Montag von dort weiter über die Grenze nach Arnheim.

Die Strecke wechselt jährlich, 1922 etwa segelten 52 Boote die 207 Kilometer von Andernach bis Emmerich. Damals beherrschten Schlepper mit qualmenden Dampfmaschinen den Strom, auch größere Segelyachten besaßen keinen Hilfsmotor. Seither ist der Rhein schmaler und die Strömung stärker geworden, Schleppzüge und Dampfer sind verschwunden, die meisten Fähren durch Brücken ersetzt, und zahlreiche Buchten und Altarme sind verlandet. Auch heute noch werden viele Schiffe immer mal geschleppt, Jollen und Kleinkreuzer beherrschen das Bild der Rheinwoche, hochgezüchtete Regattaracer sieht man indes eher selten. Dafür kommen seit jeher viele Familien, Eltern mit Kindern und Segler, die nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen verbissen um jeden Meter an der Startline kämpfen.

Gesegelt wird immer stromabwärts, also zu Tal, wie man auf dem Rhein sagt – mit der Strömung, die jedes Schiff mit etwa fünf Stundenkilometern in Richtung Ziel schiebt. Fünf Minuten vor dem Start kann man also ruhig noch 500 Meter vor der Startlinie treiben – Segeln ist hier auch bei Flaute möglich, die alten Rheinsegler nennen das "stiwweln". Unterwegs begegnet man gerade am Wochenende zahlreichen großen Berufsschiffern, denen es stets auszuweichen gilt – die aber auch mal hupen, wenn sie sich von dem Regattaverkehr auf dem Rhein allzu sehr gestresst fühlen. Die Strecke führt vorbei am Kölner Dom, aber auch vorbei an zahlreichen Industrieanlagen des Ruhrgebietes, während anderswo Kühe am Ufer weiden und zahlreiche Bäume das Ufer säumen und für Windabschattungen sorgen.

Die YACHT war in diesem Jahr auch dabei, unter anderem auf der "Li", einem L-Boot, 1949 gebaut bei Abeking & Rasmussen – zugleich das älteste Boot dieser Rheinwoche. Der ausführliche Bericht erscheint in einer der kommenden Ausgaben der YACHT.


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Themen: Rheinwoche

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