America's Cup
1:0 für Italien

Luna Rossa gewinnt in einem spannenden Rennen klar gegen BMW Oracle. Jablonski verliert gegen Neuseeland

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 14.05.2007

BMW ORACLE Racing Italien liegt vor Amerika.

1:0 für Italien

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1:0 für Italien

Der erste Renntag des Halbfinals verlief höchst spannend. Bei extrem drehendem Wind waren die seglerischen Fähigkeiten mehr gefragt als reine Bootsgeschwindigkeit. Eigentlich gute Voraussetzungen für das spanische Heimteam mit dem Deutsch-Polen Karol Jablonski am Steuer, um dem großen Favoriten aus Neuseeland ein Bein zu stellen.

So machte Jablonski am Start einen exzellenten Job, indem er das Schiff knapp in Lee des Gegners platzierte. „Wir wollten eigentlich nach rechts“, sagte der amerikanische Navigator Matt Wachowicz. „Aber etwa 1:30 Minuten vor dem Start sagte Karol: Ich habe ihn gut unter Kontrolle, wir können klar den Start gewinnen, wenn ich in Lee bleibe. So behielten wir die Position und sahen am Anfang sehr stark aus.“

„Wir hatten nicht genug Platz, um in Luv der Spanier leben zu können“, sagt Team New Zealand Stratege Ray Davies. „Aber unser Wetterteam hatte klar die rechte Seite empfohlen. Deshalb waren wir glücklich, als wir schnell wenden konnten.“

Und wie schon im Rennen gegen BMW Oracle lag das Kiwi Wetterteam richtig. Eine starke Rechtsdrehung auf dem Kurs brachte eine deutliche Führung. 1:03 Minuten betrug der Vorsprung an der Luvtonne. Danach holten die Spanier zwar permanent auf, bekamen aber keine Chance mehr vorbeizuziehen. Auch nicht als auf dem letzten Vorwindkurs der Wind um 180 Grad drehte und die Schiffe zum Ziel kreuzen mussten.

Das zweite Rennen war deutlich spannender bei dem extrem drehenden Wind. Luna Rossa startete wie die Spanier in Lee vom Gegner. Die Italiener ließen aber einen deutlich größeren Querabstand zu, so dass sich BMW Oracle in Luv halten konnte.

Bei dem langen Schlag auf die linke Seite zeigte kein Boot eine deutlich bessere Geschwindigkeit. Aber Luna Rossa wurde immer weiter zum Spielfeldrand gedrückt. Schließlich mussten die Italiener wenden. BMW Oracle wendete in Lee darunter.

Bei normalen Bedingungen wäre das die KO-Position für Luna Rossa. Die Amerikaner hätten ihnen aus der sicheren Leestellung bremsende Abwinde ins Segel werfen können. „Aber der Wind drehte genau im richtigen Moment für sie knapp vor der Anliegeline 15 Grad nach links“, sagt BMW Oracle Navigator Peter Isler.

Die Italiener zeigten auf diesem Kurs parallel zu den Amerikanern aber auch, dass sie eine enorme Höhe segeln können. Im engen Zweikampf konnte ihr Boot sehr gut mithalten. 52 Sekunden lagen sie an der Luvtonne in Führung.

Danach ließen sie den Gegner aber frei auf die linke Seite des Vormwindkurses segeln. „Es ist gerade vor dem Wind sehr hart bei diesen Bedingungen zu decken“, sagt der brasilianische Taktiker Torben Grael. „Wir halsten bei einer guten Winddrehung. Sie blieben dafür im stärkeren Wind.“

Kurz vor dem Leetor schien die Führung zu wechseln. Chris Dickson kam mit Vorwahrt auf Luna Rossa zu. Die Italiener mussten halsen und wurden von dem Neuseeländer aggressiv geluvt. Aber kurz bevor sie aus dem Spielfeld gepresst wurden, schaffte es James Spithill mit einem scharfen Luvmanöver seinerseits die Überlappung zu lösen. In diesem Fall muss der Gegner halsen und aus dem Weg gehen sobald er den „richtigen Kurs“ zum Leetor erreicht hat.

Danach schaffte es Spithill, der sofort mithalste, eine Überlappungsposition zu behalten, als er in die geschützte Drei-Längen-Zone um die rechte Bahnmarke eintauchte. Dadurch konnte er Dickson zwingen, die andere Tonne des Leetores zu runden, die weiter entfernt lag.

Der Zuschauer bekam nur laute Schreie, wedelnde Protestflaggen und hektische Manöver mit. Aber das war die hohe Kunst des Match Races. Am Ende dieser kompilzierten Situation hatten jedenfalls die Italiener die bessere linke Seite der Kreuz erreicht. Und nach einer weiteren starken Linksdrehung entschieden sie das Rennen mit 2:19 Minuten Vorsprung klar für sich.

Damit hat das Louis Vuitton Cup Halbfinale seine erste große Überraschung. Die Italienern schieben das auch darauf, dass heute Syndikats-Patron Patrizio Bertelli als 18. Mann an Bord, der sich sonst kaum auf dem Schiff blicken lässt.

Bei BMW Oracle segelte Biathlon-Star Miachael Greis im Heck mit. "Ich weiß nicht viel übers Segeln", sagte Greis "Im vergangenen Jahr habe ich einen Segelkurs auf einem Katamaran gemacht, aber das war 'just for fun' und hat zwei oder drei Tage gedauert. Doch es hat viel Spaß gemacht." Nach dem Rennen und trotz der Niederlage gegen Luna Rossa war Greis begeistert: "Ein echtes sportliches Highlight. In keiner anderen
Sportart ist man so dicht dran am Geschehen. Der America's Cup ist schon etwas Besonderes - auch für Nicht-Segler."

Auch die Spanier hatten mit König Juan Carlos Prominenz auf dem Achterschiff sitzen. Morgen soll sein Sohn der Prinz mehr Glück bringen.

Ergebnisse:

Luna Rossa gewinnt gegen BMW Oracle
Team New Zealand gewinnt gegen Desafio Espanol

Der Modus: Wer zuerst fünf Siege gesammelt hat steht im Finale


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Themen: Jablonski

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