Corona
„Pauschal abgelehnt“ – Regatten in Schleswig-Holstein bisher verboten

Laut Verordnung sind viele Regattaveranstaltungen derzeit untersagt. Rechtsanwalt Jochen-P. Kunze erklärt die Details – und weckt Hoffnung für die Baltic 500

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 27.04.2021
Mit Abstand auf Kurs – dennoch sind große Regatten derzeit nicht möglich Mit Abstand auf Kurs – dennoch sind große Regatten derzeit nicht möglich Mit Abstand auf Kurs – dennoch sind große Regatten derzeit nicht möglich

YACHT/B. Scheurer Mit Abstand auf Kurs – dennoch sind große Regatten derzeit nicht möglich

YACHT: Herr Kunze, die aktuelle Corona-Verordnung in Schleswig-Holstein macht Regattaveranstaltern derzeit das Leben schwer. Worin genau liegt das Problem?

Kunze: Das Problem, das wir aktuell haben, ist, dass es einerseits in § 11 der Landesverordnung eine Zehn-Personen-Grenze für den Sport im Freien gibt. Andererseits gibt es daneben eine relativ pauschale Auslegungsregelung der Landesverordnung, die sich in den FAQ der Landesregierung zeigt und die faktisch zu einem Regattaverbot führt. Gesundheitsämter haben daraufhin zuletzt Anträge auf Ausnahmen unter Verweis auf Vorgaben aus Kiel pauschal abgelehnt, ohne zu berücksichtigen, was für eine Bedeutung die Veranstaltung hat und wie sie konzeptionell aufgestellt ist. Das geht nicht und dafür war nicht nur mein Unverständnis groß. Dazu kommt, dass auf Sportbooten eigentlich nie mehr als zehn Personen sind. Und die Boote begegnen sich auf dem Wasser nicht so dicht, dass man die Landesverordnung nicht einhalten könnte.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Etwa die Zweihandregatta Baltic 500, die am 13. Mai starten sollte. Dafür haben wir mit dem engagierten Veranstalter im vergangenen Jahr auch eine Regelung gefunden. In diesem Jahr zeigten sich neue Probleme, die unterschiedlich zu lösen versucht wurden, etwa durch eine Verlegung des Starts in die Modellregion Eckernförde. Aber das hat alles nicht geklappt, und die Baltic 500 stand heute kurz vor dem Exitus.

Aufgrund der pauschalen Ablehnungen sind Sie schließlich aktiv geworden?

Ja, ich habe mich zunächst an das für Sport zuständige Innenministerium gewendet, da diese Pauschalität nicht vertretbar ist. Man muss allerdings wissen, dass die Thematik in drei Ministerien bearbeitet wird: Im Sport-, Gesundheits- und Verkehrsministerium. Aus Letzterem, in dem die Fragen gebündelt werden, habe ich sofort eine konstruktive Rückmeldung erhalten, auch wenn wir uns in einzelnen Auslegungsfragen nicht einig werden konnten.

Hat das Gespräch etwas gebracht?

Schon. Offenbar war in den Ministerien nicht bekannt, dass die Entscheidungspraxis in den Gesundheitsämtern sehr strikt und ablehnend ist. Ich könnte mir vorstellen, dass bei der behördeninternen Kommunikation jetzt nachgesteuert wird. Regatten bleiben nach der Rechtsauffassung dort ein Ausnahmefall. Nachvollziehbar ist aber auch nicht gewollt, dass in den Gesundheitsämtern stapelweise Regattagenehmigungen bearbeitet werden. Es wird auf die Veranstaltung selbst und auf das Abstands- und Hygienekonzept ankommen, und es müssen Ausnahmen bleiben. Wenn es aber um Veranstaltungen von überregionaler Bedeutung und mit einem ausgefeilten Kontaktvermeidungs- und Hygienekonzept geht, bei denen – wie bei der Baltic 500 – nur zwei Personen an Bord sind, dann ist eine Absage schwer vermittelbar. Ich habe den Eindruck, da bewegt sich nun etwas, aber nicht unbedingt beim Thema interner Mittwochabends-Regatten, sondern eher bei Leuchtturmveranstaltungen. Für die Baltic 500 bedeutet das, dass die Veranstaltung vielleicht doch stattfinden kann, und da gehen wir jetzt auch ran.

Was bedeutet das nun für andere Regattaveranstalter und Vereine?

Für Mittwochsregatten wird es auf einvernehmlicher Basis keine Ausnahmen geben. Und es ist nicht sinnvoll, mit irgendeinem Hygienekonzept auf dem Bierdeckel für eine kleine Regatta daherzukommen. Ausnahmen werden besonderen Veranstaltungen vorbehalten sein, die ein ausgefeiltes Konzept mit sich bringen müssen. Aber bei diesen einmaligen Veranstaltungen wird nun wohl ein anderer Maßstab angelegt werden. Das ist ein Ergebnis, mit dem man unter den aktuellen Bedingungen noch eine gewisse Zeit leben kann.

Was können Vereine und Veranstalter konkret tun, um ihre Regatta genehmigen zu lassen?

Sie müssen sich die Frage stellen: Welche Veranstaltungen sind wirklich wichtig, welche haben vielleicht eine öffentliche Bedeutung? Wenn es die gibt, sollten sie mit entsprechend fachlichen Ressourcen, also mit Ärzten und Juristen, ein Konzept erstellen und mit einem durchdachten Konzept an das zuständige Gesundheitsamt herantreten.

Halten Sie das für eine gute Lösung?

Nun, in diesen Zeiten geht es darum, effektiv vernünftige Wege zu finden, um wichtige Regatten coronakonform durchführen zu können. Mir geht es darum, dass man diejenigen Regatten, die durchführbar sind und bei denen sich die Veranstalter gute Gedanken zum Infektionsschutz gemacht haben, umgesetzt bekommt und ihnen nicht pauschal den Riegel vor die Tür schiebt.


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