WM 49er, 49erFX und Nacra 17

Alle Augen auf Auckland: Zwei Skiff-Teams auf Medaillenkurs

Deutschlands 49er- und FX-Akteure segeln auf der Erfolgswelle: Heil/Plößel halten die Überflieger Burling/Tuke weiter in Schach, Lutz/Beucke auf Platz drei

Tatjana Pokorny am 06.12.2019
Weltmeisterschaft 49er, 49erFX und Nacra 17
Sailing Energy / Weltmeisterschaft 49er, 49erFX und Nacra 17

Mit vollem Einsatz weiter WM-Spitzenreiter: Erik Heil und Thomas Plößel agieren vor Auckland in bestechender Form

Das hat es lange nicht gegeben: Bei der Weltmeisterschaft für die olympischen Segeldisziplinen 49er, 49erFX und Nacra 17 segeln vor Auckland zwei Tage vor Ende der Serie gleich zwei deutsche Crews auf Medaillenkurs. Allen voran führen die Rio-Bronzemedaillengewinner Erik Heil und Thomas Plößel weiter ihr 49er-Klassement vor den neuseeländischen Olympiasiegern und America's-Cup-Verteidigern Peter Burling und Blair Tuke an. "Die Kiwis hatten etwas weniger Glück mit ihren strategischen Entscheidungen, bleiben aber die Favoriten. Wir versuchen sie so gut wie möglich in Schach zu halten", sagte Erik Heil zwei Tage vor Ende der Welttitelkämpfe im vorolympischen Jahr. Für Samstag sind drei weitere Rennen geplant. Die Weltmeisterschaft endet am Sonntag mit den letzten beiden Wettfahrten der Hauptrunde und dem Medaillenfinale in allen drei Disziplinen.

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Ihren dritten Tagessieg bei dieser WM sicherten sich Heil/Plößel am ersten Tag der Hauptrunde im direkten Duell den Top-Favoriten Peter Burling/Blair Tuke, die in dem Rennen Dritte wurden. Das Punktduell zwischen den beiden führenden Teams gewannen an diesem Freitag Heil/Plößel deutlich mit nur 13 Zählern gegenüber den 21 von Burling/Tuke gesammelten Punkten

Erik Heil und Thomas Plößel wirken in dieser Woche im fernen sommerlichen Neuseeland wie die Ruhe selbst. "Wir konzentrieren uns ganz auf uns, versuchen auch weiter Rennen für Rennen konservativ und fokussiert anzugehen. Uns liegen die vielseitigen Bedingungen hier", schildert der 30-jährige Steuermann die Lage beim Einbiegen seiner Crew auf die WM-Zielgerade. Medaillenspekualtionen oder gar die mögliche Beendigung der scharzen Serie, in deren Verlauf deutsche Olympiasegler seit 19 Jahren keinen WM-Titel mehr gewinnen konnten, haben in den Planspielen von Heil und Plößel noch immer keinen Platz. 49er-Bundestrainer Marc Pickel formuliert es so: "Wir machen unser Ding und am Ende wird abgerechnet." Selbst einst Olympiastarter und seglerisch wie technisch sehr versiert, hat nicht nur Pickel in Auckland feststellen können, dass auch Peter "Pistol Pete" Burling Erfolgsdruck im Heimatrevier verspürt. "Das eröffnet uns und anderen Möglichkeiten…", sagt der Coach.

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Müssen im Heimatrevier um den angestrebten WM-Titel kämpfen, konnten aber Erik Heil und Thomas Plößel das gelbe Trikot auch zwei Tage vor WM-Ende nicht entreißen: die 49er-Olympiasieger und America's-Cup-Verteidiger Peter "Pistol Pete" Burling und Blair Tuke

Und die nutzten Erik Heil und Thomas Plößel am Freitag intensiv: Mit einem weiteren Tagessieg und den Rängen 4 und 8 bauten die Berliner ihre Führung von den nicht ideal startenden Burling/Tuke auf neun Punkte aus – ein starkes Stück Leistung zur rechten Zeit. Erik Heil weiß aber auch, dass seine Crew den einzigen bei dieser WM erlaubten Streicher bereits unverschuldet kassiert hat, als in der vierten Wettfahrt der Qualikation das Ruder ihres 49ers gebrochen war. Das ärgert den Steuermann immer noch, weil es eine ganze Reihe Ruderbrüche aus einer Serie gegeben, er davon jedoch zu spät hatte. Damit kann sich die Top-Crew des German Sailing Teams keinen weiteren großen Ausrutscher leisten. Burling/Tuke dagegen streichen bislang einen elften Rang – ihre Belastung wäre bei einem weiteren Patzer niedriger als die der Crew vom Norddeutschen Regatta Verein. Unbenommen davon ist die bislang von Heil/Plößel gezeigte Leistung herausragend. Sie führen das Feld mit nur 39 Zählern auf dem WM-Konto vor Burling/Tuke (48 Punkte) an, bilden mit den Neuseeländern an der Spitze fast schon eine eigene Klasse. Die drittplatzierten Franzosen Lucas Rual/Emile Amoros haben bereits 71 Punkte gesammelt. Die dahinter lauernden Briten Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell (73 Punkte) und die starken Spanier Diego Botín/Iago López Marra (74 Punkte) haben beinahe schon doppelt so viele Zähler auf dem WM-Konto wie die Spitzenreiter. Auf den Plätzen 19 und 22 ringen mit Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) und den Kielern Justus Schmidt/Max Boehme zwei weitere deutsche Crews um den Anschluss an die Top Ten.

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FX-Start mit Tina Lutz und Susann Beucke in guter Position mit der Segelnummer 29

Lutz/Beucke kämpfen im 49erFX um eine Medaille

Im Skiff der Damen haben sich Tina Lutz und Susann Beucke am Freitag auf einen Medaillenplatz vorgearbeitet. Die Steuerfrau vom Chiemsee Yacht-Club und ihre Vorschoterin vom Hannoverschen Yacht-Club liegen hinter den brasilianischen Olympiasiegerinnen Martine Soffiatti Grael und Kahena Kunze (40 Punkte) sowie den Niederländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz (51 Punkte) mit 63 Zählern auf Platz drei und wittern ihre Chance. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir noch weiter hochkommen können. Wir haben heute jede Menge Fehler gemacht…", sagte Susann Beucke. "Für uns ist es jetzt eine ungewohnte Rolle, aber wir haben uns die Position hart erarbeitet und müssen jetzt lernen damit umzugehen. Das wird am Samstag eine richtig krasse Herausforderung." In aktueller Form dürfte dem bayerisch-norddeutschen Duo die erfolgreiche Sicherung des wichtigen Nationensstartplatzes für die olympische Regatta 2020 kaum mehr zu nehmen sein. Nach neun bereits vergeben FX-Startplätzen sind bei der WM in Auckland weitere sechs zu haben. Von allen Nationen, die darum kämpfen, waren Lutz/Beucke am Freitag die Besten. Wie bei den 49er-Seglern endet die Serie auch für die FX-Flotte am Sonntag mit dem Medaillenrennen.

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Arbeiteten sich zwei Tage vor WM-Ende auf Platz drei vor und kämpfen um eine Medaille: Tina Lutz und Susann Beucke

Olympische Nationenstartplätze im 49erFX und im Nacra 17 in Sicht

Gleiches gilt für die dritte Disziplin Nacra 17. Im Mixed-Katamaran kennen Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer bei dieser WM nur ein Ziel, dem sie alle anderen Wünsche untergeordnet haben: Die Sicherung des olympischen Nationenstartplatzes für Deutschland im foilenden Zweirümpfer. Das Duo vom Kieler Yacht-Club liegt nach elf Wettfahrten auf Platz 13 und kämpft in den verbleibenden Rennen der Goldflotte am Samstag und Sonntagmorgen um den Einzug ins Medaillenfinale der besten zehn Teams. Für die Nacras werden bei dieser WM fünf weitere Nationenstartplätze vergeben. In der Goldflotte segeln Teams aus sechs noch nicht qualifizierten Ländern. Mit ihrer aktuellen Platzierung sind Kohlhoff/Stuhlemmer darunter Drittbeste.

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Schöne Sailing-Energy-Studie von Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Nacra 17

Hier geht es zu den WM-Zwischenständen.

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Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer in Aktion vor Auckland

Tatjana Pokorny am 06.12.2019

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