Segeln olympisch

470er-Seglerinnen räumen vor Miami Gold und Silber ab

Doppel-Triumph in Florida: Frederike Loewe und Anna Markfort haben die erste Weltcup-Regatta 2019 gewonnen. Zweite wurden Fabienne Oster und Anastasiya Winkel

Tatjana Pokorny am 03.02.2019
Lempel World Cup Series Miami 2019
Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing

Spiel, Comeback-Satz und Sieg: Frederike Loewe (r.) und Anna Markfort haben die Weltcup-Regatta vor Miami gewonnen und dabei noch die britischen Olympiasiegerinnen Mills/McIntyre kurz vor dem Ziel stehen gelassen

Am zweiten Finaltag des Weltcup-Saisonauftakts vor Miami hatten das German Sailing Team nur in einer Disziplin Medaillenchancen. Die aber nutzten die 470er-Seglerinnen so optimal wie eindrucksvoll: Die Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort vom Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) gewannen mit Gold die erste Weltcup-Medaille ihrer Karriere. Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein jubelten über Weltcup-Silber. Vorausgegangen war dem Doppel-Erfolg ein kriminal spannendes Rennen, in dem die Positionen und potenziellen Medaillen-Gewinnerinnen schneller wechselten, als die Fernsehzuschauer schauen konnten. 

Lempel World Cup Series Miami 2019

Zum ersten Mal in iher Karriere Weltcup-Siegerinnen: Frederike Loewe und Anna Markfort

Dabei hatte das Rennen für die als Spitzenreiterinnen ins Finale gestarteten Loewe/Markfort alles andere als ideal begonnen. Das Duo musste das Feld nach zu risikoreichem Beginn am Startboot von hinten aufrollen, ließ sich davon aber nicht beirren. Boot für Boot holten sich die VSaW-Damen mit bestechender Positionierung zurück. Dabei kam ihnen zugute, was Anna Markfort später über ihre Steuerfrau sagte: "Fredi hatte schon die ganze Woche vor allem auf Vorwind-Gängen einen super Überblick und hat den Druck auch dort gesehen, wo andere ihn nicht sahen." Kurz vor dem Ziel düpierten Loewe/Markfort dann auch noch die Olympiasiegerinnen Hannah Mills und Saskia McIntyre und überholten die erfahrenen Britinnen. Rang vier im Ziel des Medaillenrennens reichte zur Verteidigung der Spitzenposition. "Das ist für uns ein sehr guter Einstieg in die Saison", sagte Frederike Loewe, "er zeigt, dass wir im Winter sehr hart gearbeitet und uns in der Weltspitze etabliert haben."

Lempel World Cup Series Miami 2019

Vier deutsche Seglerinnen und zwei Brasilianerinnen feiern auf dem 470er-Weltcup-Podium

Lempel World Cup Series Miami 2019

Genossen den Sieg auch an Land: Frederike Loewe und Anna Markfort im Mittelpunkt

Hempel World Cup Series Miami 2019

Der schon bekannte Ankündiger aus der Live-Übertragung: So wurden die Spitzenreiterinnen Frederike Loewe und Anna Markfort vor dem Finale vorgestellt

Lempel World Cup Series Miami 2019

Die beiden erfolgreichen deutschen 470er-Boote auf einen Blick

Auch Fabienne Oster und Anastasiya Winkel demonstrierten ihr Können im Leichtwind-Poker von Miami. Ihnen war der Start besser gelungen, und sie ließen sich auch im Verlauf des Medaillenennens nicht aus der Ruhe bringen. Rang drei, noch vor Loewe und Markfort, ließ die als Dritte in den Endlauf gestarteten jungen Frauen noch auf den Silberplatz vorpreschen. Die beiden deutschen Teams verwiesen die Brasilianerinnen Fernanda Oliveira und Ana Luiza Barbachan auf Platz drei im Endklassement, während sich die Olympiasiegerinnen Mills/McIntyre, die während des Rennens mehrfach Gold schon fest im Griff zu haben schienen, am Ende mit Platz vier nicht zufrieden waren.

Hempel World Cup Series Miami 2019

Macht aus deutscher Sicht Spaß: Der Blick auf das Weltcup-Endergebnis im 470er der Frauen

Lempel World Cup Series Miami 2019

Fabienne Oster und Anastasiya Winkel freuen sich über Weltcup-Silber

Die letzten vier Medaillenentscheidungen im Anschluss an die "Segelschlacht" der 470er-Damen fanden ohne deutsche Beteiligung statt. Im Laser dominierte der Norweger Hermann Tomasgaard die Miami-Woche mit der besten Serie über alle zehn Disziplinen und nur halb so vielen Punkten auf dem Konto wie sein nächster Verfolger Sam Meech aus Neuseeland. Top-Akteur Philipp Buhl, zuletzt WM-Dritter und Weltranglisten-Zweiter aus Sonthofen, grämte sich kurz und heftig über sein "schlechtestes Ergebnis seit acht Jahren", klang aber schon wieder angriffslustig, als er über die bevorstehende vorolympische Saison mit vielen Qualifikationsrennen sprach. Der Kieler Steuermann Max Kohlhoff hatte das Medaillenrennen der Finnsegler als Elfter nach guter Serie und einem Tagessieg nur knapp verpasst. Durchsetzen konnte sich in der Schwergewichtsklasse der olympischen Solisten der schwedische Weltmeister Max Salminen, noch 2012 Olympiasieger im Starboot als Vorschoter von Freddy Lööf und im vergangenen Jahr Finn-Weltmeister. Alle weiteren Medaillengewinner, die Endergebnisse und die Platzierungen der deutschen Starter finden sich hier.

Hempel World Cup Series Miami 2019

Hat im Finn alles im Griff: der schwedische Starboot-Olympiasieger und Finn-Weltmeister Max Salminen

Hempel World Cup Series Miami 2019

In dieser leichtwindigen Miami-Woche eine Klasse für sich: Laser-Steuermann Hermann Tomasgaard aus Norwegen

ZWEITBESTE NATION ZUM SAISONAUFTAKT

Eine offizielle Nationenwertung gab es bei dieser Weltcup-Regatta bislang nicht. YACHT online hat eine eigene Statistik geführt und ermittelt: Das German Sailing Team war mit zwei Goldmedaillen und einmal Silber sowie insgesamt sechs Top-Ten-Platzierungen nach klassischer Berechnung hinter China mit drei Goldmedaillen und insgesamt sieben Top-Ten-Platzierungen die zweiterfolgreichste aller 62 Nationen! Das ist ein bemerkenswerter Erfolg. Dafür sorgten bei diesem stark besetzten Gipfel zum Saisonauftakt, bei dem nur sehr wenige internationale Top-Akteure fehlten, fast im Alleingang die deutschen Segler in den Disziplinen 49er und 470er-Frauen. Nimmt man die üblichen DSV-Leistungsträger trotz ihrer "Aussetzer" für die bevorstehenden Wettkämpfe wieder dazu, scheint die Segelnationalmannschaft vor einer vielversprechenden vorolympischen Saison zu stehen, die schon bald mit dem Klassiker Trofeo Princesa Sofía vor Palma de Mallorca in der ersten Aprilwoche fortgesetzt wird. Die sonst so starken Briten mussten in Abwesenheit ihres Sieggaranten und Finn-Steuermanns Giles Scott, der Sir Ben Ainslies America's-Cup-Kampagne als Taktiker verstärkt, mit einmal Silber, aber immerhin neun Top-Ten-Platzierungen zufrieden sein, die segelaffinen Franzosen mit zweimal Bronze und sieben Top-Ten-Platzierungen. Australien tröstete sich bei nur drei Top-Ten-Platzierungen mit Gold im Nacra 17 und Bronze im Laser. Für die bei der WM 2018 in Aarhus noch dominanten Niederländer, deren Surf-Superstar Dorian van Rijsselberghe in Florida nicht am Start war und deren Top-Athletin und Olympiasiegerin Marit Bouwmeester ähnlich wie Philipp Buhl als 25. nicht mit den dominant leichten Miami-Bedingungen zurechtkam, gab es nicht eine einzige Platzierung in den Top Fünf.

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Für Laser-Radial-Olympiasiegerin Marit Bouwmeester war die Biscayne Bay in diesem Jahr nicht zu bändigen. Die Abo-Siegerin kam nicht über Platz 25 hinaus

Tatjana Pokorny am 03.02.2019

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