Segeln olympisch

470er-Frauen sichern vierten Nationenstartplatz für Olympia

Mit Platz 16 bei der 470er-WM vor Enoshima haben die Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort den vierten Segel-Startplatz für Olympia 2020 erkämpft

Tatjana Pokorny am 08.08.2019
470er Weltmeisterschaft 2019
www.worlds.470.org

Sicherten im WM-Endspurt den deutschen Nationenstartplatz für die olympische Regatta 2020: die Berliner 470er-Seglerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort

Nach drei bereits frühzeitig im vergangenen Jahr gesicherten Nationenstartplätzen in den olympischen Segeldisziplinen Laser, Laser Radial und 49er haben nun auch die deutschen 470er-Seglerinnen die Grundvoraussetzung für ihren Olympiastart im kommenden Jahr geschaffen. Dafür reichte den Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort Platz 16 bei der 470er-Weltmeisterschaft im ehemaligen und kommenden japanischen Olympiarevier vor Enoshima. Gern hätte sich das Duo vom Verein Seglerhaus am Wannsee noch weiter oben im Klassement positioniert, doch am Ende der für Olympia so wichtigen Welttitelkämpfe überwog die Freude über das erreichte Etappenziel. "Wir sind superglücklich. Die Erleichterung ist riesig, dass wir die Nationenquali geschafft haben", sagte Steuerfrau Loewe. "Es wird uns auf unserem Weg auf jeden Fall bestärken, dass wir das Team waren, das den Platz geholt hat, aber die nationale Qualifikation geht erst im nächsten Jahr los, und bis dahin ist noch viel zu tun." Die Freude teilten die Teamkameradinnen Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß vom Deutschen Touring Yacht-Club, die bei der WM auf Platz 21 segelten. Steuerfrau Böhm sagte: "Wir freuen uns, dass wir es als Team geschafft haben, Deutschland für die Spiele zu qualifizieren. Jetzt können wir richtig Gas geben."

470er Weltmeisterschaft 2019

Nicht für sich selbst, aber für ihre Nation: Frederike Loewe und Anna Markfort ersegelten in Japan den Olympia-Startplatz für Deutschland im 470er der Frauen

Parallel zur großen Freude im Lager der deutschen 470er-Frauen gab es für das German Sailing Team auch einen heftigen Dämpfer zu verkraften: Die deutschen 470er-Männer konnten die Hürde Nationenqualifikation nicht nehmen. Obwohl Simon Diesch und Philipp Autenrieth gegen Ende der Serie immer besser in Fahrt kamen und am letzten Tag der Hauptrunde mit den Rängen 10, 10 und 7 ihr Top-Ten-Potenzial zeigten, segelten sie nach schwachem Auftakt knapp am Ziel vorbei. Als 5. unter den bis zur WM noch nicht für Olympia qualifizierten Nationen reichte es gerade nicht zur Sicherung des Länder-Startplatzes für Olympia 2020, denn bei den Männern wurden im Gegensatz zu den Frauen (6) bei dieser WM nur vier Olympia-Spots vergeben. So verhalf Platz 16 zwar den Seglerinnen des German Sailing Teams zum Glück, der gleiche Platz aber den Männern nicht. Die Enttäuschung darüber war groß. Nicht nur bei Simon Diesch und Philipp Autenrieth, sondern auch bei Malte Winkel und Matti Cipra (Schweriner Yacht-Club/Plauer Wassersportverein), die ihr aktuelles Leistungspotenzial nicht abrufen konnten und sich nach der Qualifikationsrunde genau wie die ebenfalls sonst stärkeren Österreicher David Bargehr und Lukas Mähr in der Silberflotte wiederfanden. 

470er Weltmeisterschaft 2019

In erst leichten, dann mittleren und schließlich starken Winden sowie heftigem Schwell im ehemaligen und kommenden Olympiarevier von Enoshima kamen Simon Diesch und Philipp Autenrieth bei der 470er Weltmeisterschaft zu spät in Fahrt, um einen Olympiastartplatz für Deutschland zu sichern. Aber zwei Last-Minute-Chancen bleiben den 470er-Männern trotzdem noch

Steuermann Malte Winkel sagte zu den Gründen für das unerwartet schwache Abschneiden seiner Crew: "Ich denke, es haben viele Faktoren eine Rolle gespielt. Zum einen haben sich natürlich alle Teams besonders auf diesen Event und dieses Revier vorbereitet. Daher war von Anfang an klar, dass es ein offener Schlagabtausch werden wird. Leider sind vor allem wir nicht in der Lage gewesen, unsere aktuelle Leistung in ein gutes Ergebnis zu verwandeln. An welchen Punkten es jetzt explizit lag, das müssen wir selber noch auswerten. Damit waren Simon und Philipp die einzigen im Goldfleet. Bei ihnen war es am Ende eine eher knappe Sache. Ich denke, dass auch die beiden sich einen besseren Start erhofft hatten. Hinten raus fanden sie sehr gut in den Event, aber die Punktabstände von den vorherigen Tagen waren einfach schon zu groß. Eine Prognose zum Kampf um das letzte Ticket im nächsten Jahr abzugeben ist wirklich schwer. Zum einen liegt eine intensive Wintervorbereitung noch dazwischen, und zum anderen kann Genua sich von den unterschiedlichsten Seiten zeigen. Wir haben klar eine Chance auf den Nationenspot, aber einfach wird es nicht."

Unterm Strich bleiben den deutschen 470er-Männern noch zwei Chancen, um Kurs auf die Olympischen Spiele nehmen zu können. Der letzte verbleibende Nationenplatz für ein europäisches Team wird im Frühjahr bei der Weltcup-Regatta vor Genua vergeben. Das könnte dann sogar in ein deutsch-österreichisches Duell Münden. Eine weitere Möglichkeit könnte sich durch die immer wieder einmal vorkommende Rückgabe eines Nationenstartplatzes einer Nation auf einem anderen Kontinent ergeben. Dafür haben die deutschen 470er-Segler mit dem WM-Resultat von Diesch/Autenrieth das erste Anrecht für ihr Land ersegelt. Eine offizielle Bestätigung für die Olympia-Qualifikation der weiteren Nationen bei dieser WM stand am Donnerstagnachmittag noch aus.

Hier konnten die 470er-Akteure bei der Weltmeisterschaft schon einen guten Eindruck von den Bedingungen gewinnen, in denen sie Ende Juli und Anfang August 2020 auf olympische Medaillenjagd gehen wollen. Das Revier prüfte seine Herausforderer in diesem Jahr mit sehr unterschiedlichen Windbedingungen und starkem Schwell

Hier geht es zu den Zwischenständen bei der 470er-Weltmeisterschaften. Die Entscheidungen im Kampf um Titel und Medaillen fallen bei den Frauen wie bei den Männern erst am Freitag – ohne deutsche Beteiligung in den beiden Medaillenrennen.

470er Weltmeisterschaft 2019

Starten als Spitzenreiterinnen ins WM-Medaillenrennen am Freitag: die britische 470er-Olympiasiegerin Hannah Mills und Eilidh Mcintyre

470er Weltmeisterschaft 2019

Starten Freitag mit einem Punkt Rückstand auf die Spanier Jordi Xammar und Nicolas Rodriguez ins finale Medaillenrennen: Olympiasieger Mathew Belcher und Will Ryan aus Australien

Tatjana Pokorny am 08.08.2019

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