Segeln olympisch

42 Jahre nach FD-Gold: Wieder ein Diesch auf Olympiakurs

Beim europäischen Saisonauftakt vor Mallorca konnten sich die deutschen 470er-Männer und Frauen gut in Szene setzen. Und riefen goldene Erinnerungen wach…

Tatjana Pokorny am 07.04.2018
Trofeo Princess Sofía 2018
Thomas Moya / Sailing Energy / Trofeo Princess Sofía

Trofeo Princesa Sofía 2018: Simon Diesch und Philipp Autenrieth auf Erfolgskurs

Vor 42 Jahren gewannen Jörg und Eckart Diesch im kanadischen Kingston Olympia-Gold im Flying Dutchman. Jetzt schickt sich mit Simon Diesch der Sohn von Eckart Diesch an, die olympisch erfolgreiche Familientradition fortzusetzen. Gemeinsam mit seinem Vorschoter Philipp Autenrieth ersegelte der jüngste 470er-Steuermann der Top Ten beim Frühjahrs-Klassiker Trofeo Princesa Sofía Platz 4, verpasste die Bronze-Medaille punktgleich mit den drittplatzierten Japanern nur ganz knapp. "Das war ein bisschen ärgerlich, aber insgesamt eine coole Woche", sagte der 23-jährige Steuermann, der genau bei dieser Regatta vor zwei Jahren seine Olympia-Kampagne mit Philipp Autenrieth eingeläutet hatte. 

Trofeo Princess Sofía 2018

Gut kombiniertes Duo: Der erst 23 Jahre alte Steuermann Simon Diesch und sein 27 Jahre alter Vorschoter Philipp Autenrieth haben die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 im Visier

Jetzt segelt das Duo vom Württembergischen Yacht-Club und vom Bayerischen Yacht-Club bereits auf Augenhöhe mit den Größen der internationalen 470er-Szene. Zwar bestätigt auch Simon Diesch die immer noch anhaltende Dominanz des australischen Olympiasieger Mathew Belcher mit Will Ryan in der Zweihand-Klasse, doch selbst den 35-jährigen Ausnahmesegler hatten Diesch/Autenrieth im ersten Rennen der Serie bei ihrem Auftaktsieg in Schach halten können. Sechs einstellige Resultate in neun Wettfahrten bis zum Medaillenfinale bezeugten die Top-Form, in der Simon Diesch und sein 27-jähriger Vorschoter die europäische Saison vor Mallorca eindrucksvoll eingeläutet haben.

"So langsam zahlt sich unsere harte Arbeit der letzten zwei Jahre aus", zog Diesch zufrieden Bilanz, "wir können uns unter den alten Hasen schon ganz gut durchsetzen. Damit sind auch unsere Stabilität, unsere Zuversicht und unter Selbstvertrauen gewachsen." Ob es auch die "goldenen Gene" des Vaters sind, die ihn so beflügeln? Simon Diesch lächelt und sagt: "Das kann man als Last oder als gegeben sehen. Ich muss meine Arbeit ja trotzdem machen. Aber die andere Seite ist die Mentalität. Ich bin in unserer Familie, der mit Stefanie Rothweiler ja eine weitere Olympiateilnehmerin angehört, sicher mit einer Art guter Siegermentalität groß geworden – und mit höchstem familiärem Verständnis für das, was wir tun. Es zieht sich also ein roter Faden durch, aber die Erfolge sind immer die Arbeit des einzelnen." Trainiert wird das Duo Diesch/Autenrieth in dieser Saison von DSV-Trainer Robert Remus.

Trofeo Princess Sofía 2018

Segelten vor Mallorca nach langer Verletzungspause ebenfalls auf der Erfolgswelle: Nadine Böhm und Ann-Christin Goliass vom Deutschen Touring Yacht-Club

Trainer-Kollege Marc Chocian ist mit den 470er-Seglerinnen des German Sailing Teams im Einsatz und hatte ebenfalls Grund zur Freude. Vor Palma de Mallorca segelten Nadine Böhm und Ann-Christin Goliass nach langer Verletzungspause und überraschend starker Serie im Weltklassefeld auf Platz 8. Nadine Böhm hatte sich im vergangenen Jahr einer Bandscheiben-Opration unterziehen und lange pausieren müssen. Jetzt ist sie mit ihrer Vorschoterin wieder auf Kurs und gibt das Motto für alle Mitglieder des German Sailing Teams vor: "Klares Saisonziel ist die Nationenqualifikation für Olympia 2020 bei der Segel-Weltmeisterschaft der olympischen Disziplinen im August in Aarhus." Frederike Loewe (Verein Seglerhaus am Wannsee) und Anna Markfort (Joersfelder Segel Verein) machten in Spanien das auffallend gute deutsche Ergebniss mit Platz 10 komplett. 

Trofeo Princess Sofía 2018

Läuft! Nadine Böhm und Ann-Christin Goliass freuen sich über ihren Erfolg beim Frühjahrs-Klassiker Trofeo Princesa Sofía

Mehr Spitzenergebisse gab es auf Mallorca allerdings nicht zu feiern. Was leicht zu erklären ist, denn von elf aktuellen Olympiakader-Athleten fehlten so früh in der Saison auf der Baleareninsel neun! Studiumsverpflichtungen, Verletzungen oder Trainingseinsätze in anderen Revieren sorgten dafür, dass es in üblicherweise erfolgreichen DSV-Disziplinen dieses Mal keine weiteren deutschen Teilnehmer in Medaillenrennen gab. "Vor diesem Hintergrund betrachtet", so DSV-Vizepräsident Torsten Haverland, "hat uns der Saisonstart dennoch eine Reihe wichtiger Erkenntnisse geliefert. Die Hausaufgabenbücher sind voll, die Trainer und Crews wissen, woran sie zu arbeiten haben. Der Saisonhöhepunkt ist in diesem Jahr Aarhus – dann gilt es für das German Sailing Team!"

Trofeo Princess Sofía 2018

Sorgte nach einem Jahr Verletzungspause mit einem Tagessieg in Abwesenheit von Leitwolf Philipp Buhl mit Platz 39 für das beste deutsche Ergebnis vor Mallorca: Nik Aaron Willim ist zurück und kommt offensichtlich schnell wieder in Form

Trofeo Princess Sofía 2018

Hatten aus der Not eine Tugend gemacht und sich in Abwesenheit ihrer regulären Segelpartner für die spanische Trofeo Princesa Sofía zusammengetan: 49er-Steuermann und Europameister Justus Schmidt mit Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Thomas Plößel. Beide berichteten lächelnd von einigen Abstimmungs-Hürden. Schmidt sagte: "Wir fahren innerhalb unserer beiden Teams unterschiedliche Systeme im Handling der Großschot. So kam es, dass wir hier in der neuen Konstellation manchmal entweder beide nach dem Groß griffen. Oder keiner." Für die Routiniers reichte es trotzdem mit Platz 17 zum besten deutschen 49er-Ergebnis vor Palma de Mallorca

Tatjana Pokorny am 07.04.2018

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