Chemischer Vorgang

So entsteht Osmose

Felix Keßler, Hauke Schmidt am 04.01.2018

Das passiert, wenn das Gelcoat Wasser durchlässt
 

Osmose-Grafik

Das Fasergewebe (grau) soll eigentlich durch das Gelcoat (rot) vom Wasser geschützt werden. 


Der Vorgang nimmt mit Lufteinschlüssen im Polyesterlaminat seinen Lauf. Durch das mäßig wasserdichte Gelcoat dringt Feuchtigkeit ein und sammelt sich in den Hohlräumen. Dort lösen sich Teile des Polyesterharzes oder Bindemittel und bilden mit dem Wasser eine Säure. Die erhöhte Säurekonzentration in diesen Hohlräumen lässt weiteres Wasser von außen einwandern. Die Blasen wachsen, werden außen sichtbar und können schließlich sogar das Laminat sprengen.

Der Begriff Osmose beschreibt dabei im chemischen Sinn lediglich den Strom einer Flüssigkeit durch eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran. Der Grund hierfür sind Konzentrationsunterschiede auf den beiden Seiten der Membran. Um diese auszugleichen, kommt es zu einem Flüssigkeitsstrom von der einen zur anderen Seite. Da dieser Vorgang bei ungeschützten Polyesterlaminaten mit dem Wasserkontakt einsetzt, entschieden die Richter in Celle und Schleswig vor einigen Jahren: Kein GFK-Boot ist gänzlich osmosefrei!

Diagnose Osmose? - So finden Sie es heraus

Die vielfach gerühmten Feuchtigkeitsmessgeräte eignen sich kaum zur Diagnose. Mit ihnen kann lediglich im Laminat vorhandenes Wasser aufgespürt werden. Selbst das gelingt nur relativ zu einem vermutlich trockenen Bereich, beispielsweise am Überwasserschiff. Da ein nasser Rumpf zu den Voraussetzungen für einen Osmoseschaden gehört, werden die Feuchtemesser von Gutachtern gerne angewendet, sie liefern aber nur einen Anhaltspunkt und sind speziell für Laien kein Diagnosewerkzeug. Wirklich hilfreich ist ein Messgerät erst bei der Sanierung. Mit einem kapazitiv arbeitenden Instrument lässt sich der Trocknungsprozess des freigelegten Laminats überwachen. Günstige Holzfeuchtemesser mit Prüfspitzen sind gänzlich ungeeignet. Sie liefern nur Werte für die Materialoberfläche, im Laminat steckende Feuchtigkeit kann nicht aufgespürt werden.

Lautet die Diagnose wirklich Osmose? Wir räumen mit den landläufigen Mythen rund um das leidige Thema auf!

Nicht immer lassen sich Osmose-Blasen direkt erkennen. Das Tückische: Nach einigen Wochen oder Monaten an Land trocknet der Rumpf - auch die Blasen schrumpfen. Dabei können die Hydrolyseschäden schon weit fortgeschritten sein. Der Prozess setzt sich beim nächsten Wasserkontakt unvermindert fort.

Die Beurteilung eines Bootes in puncto Osmose sollte daher direkt nach dem Auskranen stattfinden. Frisch aus dem Nass gehoben, lassen sich Unebenheiten am Unterwasserschiff gut mit einer starken, flach an den Rumpf gehaltenen Taschenlampe ausfindig machen. Jede Erhebung wirft einen Schatten, Blasen sind gut zu erkennen. Werden Pickel entdeckt, geht es an die Ursachenforschung, denn es muss sich nicht unbedingt um Osmose handeln. Es kann auch ein Problem im Antifoulinganstrich vorliegen.
Die rabiateste Methode, den Ursprung der Beulen zu klären, ist das Anstechen mit der Ecke eines Stechbeitels. Dringt das Werkzeug deutlich in den Rumpf ein und tritt auch noch eine stinkende Flüssigkeit aus, handelt es sich um eine Osmoseblase. Deutlich schonender ist es, das Antifouling zunächst abzuschaben und den darunterliegenden Primer beziehungsweise das Gelcoat mit einem ebenen Schleifklotz anzuschleifen. Dabei werden zunächst eventuell vorhandene Erhebungen abgetragen, sodass selbst kleine oder bereits ausgetrocknete Blasen sichtbar werden. Mit diesen Anleitungen können Sie die Schäden selbst reparieren.

Seite 2 / 3


Felix Keßler, Hauke Schmidt am 04.01.2018

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online