Segeln bei Schwerwetter

Reffen, aber richtig: Trimmgrundlagen bei Starkwind

Im Hafen bleiben, weil es draußen zu ruppig ist? Auch bei Windstärken über 7 Beaufort kann man gut segeln – wenn man die richtigen Segeleinstellungen kennt

Felix Keßler, Bendix Hügelmann am 22.02.2018
Starkwindsegeln
YACHT/K. Andrews

"Wir liefen von Sonderburg nach Schlei­mün­de, als wir unverhofft von einer dicken Schauerbö überrascht wurden", erinnert sich Thomas Schubert aus Gladbeck. "Die Sicht war weg, der Wind drehte binnen Minuten um 90 Grad auf Südost und stieg bis auf 35 Knoten an. Wir verkleinerten, so gut es ging, die Segelfläche, mehr schlecht als recht, müsste man eigentlich sagen. Die Rollanlage der Genua ließ sich bei dem vielen Wind kaum bedienen, das Rollgroß verkantete sich beim Wegrollen auf halber Strecke und ging weder vor noch zurück. Das absolute Chaos!"

Das Szenario ist ein kleiner Albtraum für Segler; nicht lebensgefährlich, aber gerade für unerfahrene Crews zumindest furchteinflößend. Nicht zuletzt deswegen bleiben viele Crews bereits im Hafen, wenn sich hinter der Mole größere Schaumkronen zeigen – Wind über 6 Beaufort macht vielen Angst. Erschwert wird das Bootshandling durch neue Yachtlayouts, die den Fokus mehr aufs Wohnen denn aufs Segeln legen. 

Dabei gilt gerade bei viel Wind: Jeder Handgriff sollte sitzen, auch beim Trimm. Nicht nur, um die letzten Zehntel Geschwindigkeit aus dem Boot herauszuholen, sondern vielmehr, um auch jenseits von 20 Knoten Wind ausgewogen und sicher segeln zu können. Dies umso mehr, als viele Yachten heute mit extrem breiten Hecks daherkommen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Werften versuchen, im Verhältnis auf immer weniger Länge immer mehr Volumen un­terzubringen – eine zweifelhafte Erfolgsformel. Die Boote sehen zwar modern aus und haben in der Regel auch ein großzügiges Raumangebot.

Aber: "Mit solchen Schiffen muss man segeln können." Darauf weist Marc-Oliver von Ahlen, Yachtdesigner aus Kappeln, hin.  "Die breiten Hecks wurden ursprünglich für extrem leichte Gleityachten entwickelt", erklärt er. "Die Hydrodynamik vergleichsweise schwerer Tourenyachten ist aber eine völlig andere. Trotzdem kann auch bei ihnen ein gut entworfenes breites Heck das Leistungspotenzial steigern – wenn die Crew den Trimm beherrscht."
Wird das Schiff übertakelt oder mit ungünstigem Trimm gesegelt, kann es dagegen ungemütlich werden. 

Die Lösung: Reffen, aber richtig! Auf Yachten mit konventionellen Segeln bedeutet das im Klartext: Die Crew verringert zunächst die Vorsegelfläche, bevor sie das erste Reff ins Groß einbindet. Doch gilt diese Reihenfolge auch, wenn statt in horizontaler in vertikaler Richtung gerefft wird, weil Rollanlagen für Groß und Genua vorhanden sind?

Auf der nächsten Seite: Reffen mit modernen Segelanlagen

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Felix Keßler, Bendix Hügelmann am 22.02.2018

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