Segeln bei Schwerwetter

Reffen, aber richtig: Trimmgrundlagen bei Starkwind

Im Hafen bleiben, weil es draußen zu ruppig ist? Auch bei Windstärken über 7 Beaufort kann man gut segeln – wenn man die richtigen Segeleinstellungen kennt

Felix Keßler, Bendix Hügelmann am 15.08.2019
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YACHT/B.Scheurer

"Wir liefen von Sonderburg nach Schlei­mün­de, als wir unverhofft von einer dicken Schauerbö überrascht wurden", erinnert sich Thomas Schubert aus Gladbeck. "Die Sicht war weg, der Wind drehte binnen Minuten um 90 Grad auf Südost und stieg bis auf 35 Knoten an. Wir verkleinerten, so gut es ging, die Segelfläche, mehr schlecht als recht, müsste man eigentlich sagen. Die Rollanlage der Genua ließ sich bei dem vielen Wind kaum bedienen, das Rollgroß verkantete sich beim Wegrollen auf halber Strecke und ging weder vor noch zurück. Das absolute Chaos!"

Das Szenario ist ein kleiner Albtraum für Segler; nicht lebensgefährlich, aber gerade für unerfahrene Crews zumindest furchteinflößend. Nicht zuletzt deswegen bleiben viele Crews bereits im Hafen, wenn sich hinter der Mole größere Schaumkronen zeigen – Wind über 6 Beaufort macht vielen Angst. Erschwert wird das Bootshandling durch neue Yachtlayouts, die den Fokus mehr aufs Wohnen denn aufs Segeln legen. 

Dabei gilt gerade bei viel Wind: Jeder Handgriff sollte sitzen, auch beim Trimm. Nicht nur, um die letzten Zehntel Geschwindigkeit aus dem Boot herauszuholen, sondern vielmehr, um auch jenseits von 20 Knoten Wind ausgewogen und sicher segeln zu können. Dies umso mehr, als viele Yachten heute mit extrem breiten Hecks daherkommen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Werften versuchen, im Verhältnis auf immer weniger Länge immer mehr Volumen un­terzubringen – eine zweifelhafte Erfolgsformel. Die Boote sehen zwar modern aus und haben in der Regel auch ein großzügiges Raumangebot.

Aber: "Mit solchen Schiffen muss man segeln können." Darauf weist Marc-Oliver von Ahlen, Yachtdesigner aus Kappeln, hin.  "Die breiten Hecks wurden ursprünglich für extrem leichte Gleityachten entwickelt", erklärt er. "Die Hydrodynamik vergleichsweise schwerer Tourenyachten ist aber eine völlig andere. Trotzdem kann auch bei ihnen ein gut entworfenes breites Heck das Leistungspotenzial steigern – wenn die Crew den Trimm beherrscht."
Wird das Schiff übertakelt oder mit ungünstigem Trimm gesegelt, kann es dagegen ungemütlich werden. 

Die Lösung: Reffen, aber richtig! Auf Yachten mit konventionellen Segeln, welche nicht weggerollt werden können, richtet sich die Reihenfolge sehr nach der Art der Yacht und der Verteilung des Segelplanes. So kann es bei großen Genuas sinnvoll sein, dass die Crew zunächst die Vorsegelfläche verringert, also ein kleineres Vorsegel setzt, bevor sie das erste Reff ins Groß einbindet. manche ältere Yachten verlieren aber dabei schon so viel Druck, dass es besser sein kann, mit dem 1. Reff im Groß zu beginnen, auch weil dies meist leichter einzubinden ist als ein kompletter Vorsegelwechsel. Bei schon werksseitig relativ kleiner Fock und anteilig großem Großsegel, wie bei moderneren Yachten, kann es sinnvoller sein, zuerst ein Reff ins Groß zu binden. Darauf würde dann bei weiterer Windzunahme eine kleinere Fock folgen, dann das 2. Reff im Groß, zuletzt die Sturmfock. Welche Reihenfolge die beste ist, muss die Crew ausprobieren. Wenn jedoch statt in horizontaler in vertikaler Richtung gerefft wird, weil Rollanlagen für Groß und Genua vorhanden sind, gilt es, noch andere Kriterien zu beachten, wie im Folgenden beschrieben.

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Felix Keßler, Bendix Hügelmann am 15.08.2019

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