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Polieren wie ein Profi: die richtigen Mittel und Techniken

Ausgekreidetes Gelcoat ist mehr als ein optisches Problem; es beschleunigt den Verfall des Rumpfes. Wie der Glanz zurückkommt und langfristig erhalten bleibt

  • Ralf Marquard
  • Hauke Schmidt
  • Felix Keßler
 • Publiziert am 25.10.2020
Poliermaschine und spezielle Schleifpasten bringen das Gelcoat auf Hochglanz Poliermaschine und spezielle Schleifpasten bringen das Gelcoat auf Hochglanz Poliermaschine und spezielle Schleifpasten bringen das Gelcoat auf Hochglanz

Yacht / Nils Günter Poliermaschine und spezielle Schleifpasten bringen das Gelcoat auf Hochglanz

Auf den ersten Blick und im Schummerlicht der Bootshalle sieht sie gar nicht schlecht aus, die HR 39. Klar, ein paar tausend Meilen dürfte sie schon im Kielwasser haben, aber die Substanz ist gut. Selbst das Gelcoat hat noch ein wenig Glanz. "Da geht noch eine ganze Menge", meint Reiner Spiegl, Inhaber des auf Lacke und Polituren spezialisierten Groß- und Einzelhändlers Bootslacke Nord. An der Hallberg-Rassy will Spiegl demonstrieren, wie einerseits der Profi arbeitet und man andererseits auch in Eigenleistung zum glänzenden Ergebnis kommt.

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So sähe die Oberflächenstruktur des Gelcoats unter dem Mikroskop aus

3 Bilder

So sähe die Oberfläche des Gelcoat schematisch unter dem Mikroskop aus

Dazu ein wenig Hintergrund: Der größte Feind von Oberflächen ist die UV-Strahlung, die für das Auskreiden von Gelcoat und das Verwittern von Lackschichten verantwortlich ist. Zusammen mit Schmutz und Fenderabrieb frisst sie über die Jahre winzig kleine Bruchstücke aus der Oberfläche. Zurück bleibt eine Kraterlandschaft im Mikroformat – das Gelcoat erscheint matt und rau. Zudem kann sich Schmutz leichter festsetzen, und selbst der typische gelbe Ostseebart bildet sich schneller aus, denn in den Poren gedeihen die dafür verantwort­lichen Algen besser als auf einer glatten Oberfläche.

Um derart unansehnliche Oberflächen in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, muss man sie bearbeiten. Dafür gibt es zwei Arten von Poliermitteln: zum einen Kombipolituren, die nur wenig von der Oberfläche ab­tragen und Wachse oder andere Stoffe enthalten. Poren und feine Kratzer werden dadurch aufgefüllt, und es entsteht eine glänzende Schicht.

Diese Produkte sind sehr beliebt, sie lassen sich unkompliziert auftragen und führen schnell zu sichtbar mehr Glanz und einer besseren Optik. Nachteil ist jedoch, dass die Versiegelung meist nicht die gesamte Saison hält und man den Poliervorgang wieder­holen muss, was im Wasser zumindest mit dem Rumpf kaum möglich ist.
Die Alternative dazu sind Profipolituren. Sie enthalten in der Regel keine Wachse, besitzen dafür aber eine wesentlich stärkere Schleifleistung und können die Unebenheiten tatsächlich zum größten Teil glätten.

Dadurch werden die Oberflächen wieder eben und glänzen schon, bevor eine Versiegelung aufgebracht wird. Für diese Arbeit benötigt man wesentlich mehr Zeit und das passende Equipment. Zudem ist eine abschließende Versiegelung erforderlich, beispielsweise mit einem Wachs oder Polymer. Großer Vorteil: Der Glanz hält über die gesamte Saison, und auch in den Folgejahren ist der Arbeitsaufwand kleiner, da das besser geschützte Gelcoat nicht so schnell altert.

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