Refit Teakdeck

In 12 Schritten zurück zum strahlenden Teakdeck

Wir zeigen, wie man alte Teakdecks wieder fitmacht. Denn einen komplett neuen Decksbelag zu verlegen ist teuer. Diese Anleitung lässt das Deck wieder leuchten

Felix Keßler, Michael Rinck am 19.10.2018
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YACHT/N. Günter

Das Teakstabdeck ist auf modernen Yachten häufig der einzige Bereich mit massivem Holz; das schöne, natürliche und zudem traditionelle Bootsbaumaterial sorgt für ein schiffiges Äußeres auch auf Kunststoffbooten. Und das teure Deck veredelt nicht nur die Optik des Bootes, es bringt auch praktischen Nutzen: Es bietet sicheren Halt besonders bei Nässe. Doch obwohl das Tropenholz sehr witterungsbeständig ist, altert es schneller als Kunststoff, und irgendwann kommen Eigner um ein Refit nicht mehr herum. Je nach Abnutzung können die Arbeiten von einfacher Pflege über punktuelle Reparaturarbeiten bis hin zu aufwändiger Restaurierung reichen. Bei gebrauchten Booten stellt sich dann schnell die Frage, ob eine Reparatur überhaupt noch möglich ist.

Ausbessern oder neu verlegen?

Zwei Punkte sind dabei ausschlaggebend. Einer davon ist die Dicke des Teaks: Durch normale Abnutzung und Schleifen wird das Material mit den Jahren dünner. Sind die Holzstäbe aber dünner als drei Millimeter, ist in den Fugen keine ausreichende Flankenhaftung für die Dichtmasse vorhanden. Um das herauszufinden, kann unter Umständen noch folgender Tipp helfen:

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Tipp: Wenn die Fuge nicht mehr tief genug ist, bedeutet das nicht gleich das Aus für das Deck: Das Teakdeck muss mindestens 3 Millimeter Dicke aufweisen, damit die neue Dichtungsmasse genug Haftung hat. Wenn es knapp wird, kann die Fuge tiefer gefräst werden. Mit zwei Schrauben als Führung wird mit der Oberfräse die Fuge vertieft. Das geht nur, wenn unter den Teakstäben noch Sperrholz ist oder, wie in unserem Fall, die Teakstäbe in der Nut gefälzt sind. Das heißt, sie haben unten eine Nase, die den benachbarten Stab im richtigen Abstand hält. Das hilft beim Verlegen, wird jetzt aber nicht mehr gebraucht und bringt 2 Millimeter mehr Fugentiefe. Liegt das Teak auf einem GFK-Sandwichdeck, darf nicht hineingefräst werden

Zweitens spielt eingedrungene Feuchtigkeit eine wichtige Rolle: Wenn die Fugen nicht mehr dicht sind und Wasser unter die Teakstäbe gelaufen ist, reicht neues Verfugen nicht. Hier muss beim Entfugen genau geschaut werden, wie es zwischen den Stäben aussieht, um Rückschlüsse auf den Untergrund zu ziehen. Ist das Teak beispielsweise auf einer Unterkonstruktion aus Sperrholz aufgeschraubt, wie es früher gern praktiziert wurde, kann im schlimmsten Fall das Sperrholz rott sein. Dann helfen auch keine neuen Fugen mehr. 

Für diese Begutachtung ist es wichtig zu wissen, wie das Deck verlegt wurde. Zwei wesentliche Verlegeweisen lassen sich unterscheiden: Die meisten Werften setzen darauf, das Stabdeck vollflächig zu verkleben. Wenn dann eine Fuge undicht wird, ist das nicht so dramatisch. Bei älteren Teakdecks ist es durchaus üblich, dass die Teakstäbe trocken aufgeschraubt und anschließend die Fugen vergossen wurden. Bei dieser Konstruktion ist es viel wichtiger, sofort auf Undichtigkeiten zu reagieren oder es am besten gar nicht so weit kommen zu lassen. Denn sobald eine Fuge auf ist, kann sich eindringendes Wasser unter dem Teakdeck ausbreiten.

Nach dem Entfugen erst mal Staubsaugen

Bevor man die Fugen mit dem Dichtstoff vergießt, müssen sie noch mit dem Staubsauger von Staub befreit und mit Aceton entfettet werden. Dazu eignet sich ein Tuch an einem Spachtel oder dünnen Brettchen, das dann durch die Fugen gezogen wird. Das Tuch sollte öfter gewechselt und genug Aceton zum Entfetten verwendet werden. Anschließend wird noch ein sogenanntes Fugenband in alle Fugen eingelegt. Dabei kann ein kleiner Pinsel nützlich sein. Das Fugenband verhindert, dass die Fugenmasse am Grund der Fuge haftet, auch Drei-Flanken-Haftung genannt. Denn klebt die Fugenmasse nur an den Seiten der Teakbrettchen, kann sie sich besser bewegen, wenn sich etwa das Holz bei Temperaturschwankungen zusammenzieht oder ausdehnt. Dadurch erhöht sich die Lebensdauer der Fugenmasse deutlich. 

Sind die Fugen jedoch nur porös und an einigen Stellen eingerissen, ist eine Reparatur möglich. So wie bei dem Deck einer Naja aus Sperrholz, das wir mit den Bootsbauern Kai Arendholz und Sven Walter von M. u. H. von der Linden in Wesel einem Refit unterzogen haben.

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Was ist in der Fuge? Es ist unerlässlich für die Neuverfugung zu wissen, ob Silikonprodukte verwendet wurden. Dazu einfach das alte Dichtmaterial anzünden. Silkonprodukte hinterlassen weiße Asche beim Verbrennen. Was hingegen schwarze Rückstände entstehen, handelt es sich nicht um kein Silikon. Wurde dieses zum Vergießen der Fugen benutzt, muss beim neuerlichen Verfugen auch wieder
ein Produkt auf Silikonbasis verwendet werden, da andere Dichtmassen nicht halten 

Diese Arbeit erforderte vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl, denn die alte Fugenvergussmasse ist zuerst restlos zu entfernen. Dazu wird die Fuge mit einem Cuttermesser an beiden Seiten eingeschnitten. Danach entfernt man die Dichtmasse mit einem sogenannten Entfugungshaken. Dabei sollte weder mit dem Messer noch mit dem Haken ins Teak gehackt oder die Fuge ausgefranst werden. Rückstände an den Flanken der Teakstäbe müssen in einem folgenden Arbeitsschritt mit einem scharfen Stecheisen abgeschabt werden. Es können ebenso Schleifaufsätze für Oszillationsschleifer zum Einsatz kommen. Wird die Fuge mit einer Fräse vertieft, können auch mit dem Fräskopf vorsichtig die Flanken gesäubert werden.

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Felix Keßler, Michael Rinck am 19.10.2018

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