Wetter: Böenkunde

Heftige Böen – woher kommen die bloß?

Das sollte jeder Segler wissen: Wetter-Experte Dr. Michael Sachweh erklärt, wie und wo die Windstöße entstehen – und wie man sie frühzeitig erkennt

Lars Bolle am 10.08.2018
Wetter
Seemannschaft/Delius Klasing Verlag

Windmuster einer Gewitterfront: Im Vorfeld wehen schwa­che, uneinheitliche Winde. Im Bereich der Walze Gefahr von Sturmböen aus West bis Nordwest. Hinter der Front dreht der Wind zurück und weht gleichmäßig mit moderater Stärke

Ein böiger Wind ist nicht gerade das, was Segler lieben. Im Gegensatz zu einem Gewitter kündigt sich eine Bö,  wenn überhaupt, erst kurzfristig an, oft bricht sie überfallartig herein. Mit Glück nimmt man die Bedrohung unmittelbar vorher wahr, wenn auch indirekt: Die Wasseroberfläche in Luv verdunkelt sich, Schaumkronen bilden sich, und – wenn es dicke kommt – Gischt fliegt durch die Luft. 

Eine Ausnahmeerscheinung sind Böen nicht. Sie gehören zum Segelwetter wie die Wellen zum Revier. Bei bestimmten Wetterlagen, in Küstennähe und auf Binnengewässern sind sie eine beinahe alltägliche Erfahrung. Für denjenigen, der mit ihnen vertraut ist, verlieren sie nicht nur rasch ihren Schrecken. Sie können sogar von Nutzen sein, beispielsweise während einer Regatta.

Kleine Böenkunde

Von einer Bö spricht man, wenn die durchschnittliche Windgeschwindigkeit kurzfristig und erheblich überschritten wird. Laut Definition des Deutschen Wetterdienstes muss sie mindestens drei Sekunden andauern und wenigstens zehn Knoten über dem zuvor herrschenden Mittelwind liegen.

Im moderaten Windstärkebereich und unter Landabdeckung erleben Segler Böen meist als kurze Windstöße. Bei Sturm draußen auf See kann eine Bö aber durchaus eine halbe Minute und länger andauern – akustisch eindrucksvoll untermalt durch das langsame An- und Abschwellen des Pfeifens und Heulens im Rigg.

Ein böiger Wind ist nicht nur in puncto Stärke, sondern auch hinsichtlich seiner Richtung launenhaft. In der Regel dreht er in der Bö um 10 bis 20 Grad, mitunter gar um bis zu 40 Grad. Im schlimmsten Fall verliert ein unvorbereiteter Skipper dabei für kurze Zeit die Kontrolle übers Schiff, sei es, weil  bei einem Kurs hoch am Wind die Segel unversehens umschlagen oder weil das Boot mit Wucht auf die Seite gedrückt wird. Eine Bedrohung geht also von beiden Phäno­menen aus, der sogenannten Geschwindigkeits- und der Richtungsböigkeit.

Meteorologisch gesehen ist die Bö Ausdruck einer turbulenten Luftbewegung. Dabei unterscheidet man zwischen dynamischer und thermischer Turbulenz.

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Lars Bolle am 10.08.2018

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