Wetter: Böenkunde Teil 7

Böen erkennen, parieren, nutzen

Lars Bolle am 10.08.2018

Getoppt werden solche Böenreviere nur noch durch schwere Fallwinde. Ein berüchtigtes Beispiel ist die kroatische Küste bei ausgeprägter Bora-Wetterlage. Da gibt es fast überhaupt keine Vorwarnung für Segler, denn der Wind fällt förmlich ungehindert von schräg oben ins Küstenrevier. Er wird sogar noch beschleunigt durch die Rampen, welche die kahlen Gebirgshänge und die vegetationsarmen, walfischrückenförmigen Eilande der Kornaten bilden.

Auch dort entwickeln dicht unter Land thermische und dynamische Turbulenz eine unheilige Allianz, da die Bora fast immer von sonnigem Wetter begleitet wird. Zum Glück treten heftige Bora-Fallwinde eher im Winterhalbjahr auf und behelligen Segler allenfalls in der Vor- und Nachsaison.

Böen erkennen, parieren, nutzen

Böen sind ein Gefahrenelement auf See, das mit Vorwarnzeit geizt. Deshalb sollte ein Skipper stets frühzeitig prüfen, ob er in eine bedrohliche Situation geraten könnte. Quellwolken am Himmel sind ein Indiz, ebenso Schauer oder Gewitter in Sichtweite. Kritisch wird es ferner, wenn eine Kaltfront naht oder ein Kurs dicht unter Land geplant ist.

Unmittelbare Warnzeichen von Böen in Luv sind die Kräuselung der Wasseroberfläche, die zu einer charakteristischen Verdunkelung des Böenareals führt, ebenso eine Häufung weißer Schaumkronen und auch Yachten und Jollen mit auffälliger Krängung. Dem Skipper bleiben dann wenige Minuten, bis die Böen das eigene Boot erreichen.

In dieser Zeit muss er prüfen, ob gerefft werden muss und aus welcher Richtung die Böen einfallen. Segelt das Schiff hoch am Wind auf Steuerbordbug, kann die recht­drehende Bö ein Umschlagen der Segel und eine heftige Krängung in unerwartete Richtung bewirken. Auf dem Weg in die Landabschattung dagegen dreht der Wind etwas zurück, dort kann sich ein Hoch-am-Wind-Kurs auf Backbordbug als fatal erweisen.

Naht eine Schauer- oder Gewitterlinie, sollte man den Himmel nach einer dunklen, langgezogenen Wolkenwalze absuchen. Diese markiert in der Regel die Vorderseite der Böenfront. Achtung, die heftigsten Böen treten sofort zu Beginn der Starkwindphase auf, und sie kommen fast immer aus West bis Nordwest – gleich, aus welcher Richtung der Wind zuvor geweht hat!
 

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Lars Bolle am 10.08.2018

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