Wetter: Böenkunde Teil 6

Küsten mit Böenpotenzial

Lars Bolle am 10.08.2018

Heftige Vor- und Nachsaison

Unabhängig von solchen Tiefdruck-Eskapaden gilt: Der Wind ist, gleiche Wetterlage vorausgesetzt, zum Ende der Segelsaison hin böiger als zu Beginn. Ursache ist die Wassertemperatur, welche die Temperaturen in der unteren Atmosphäre maßgeblich beeinflusst. Die Kombination einer noch relativ warmen Wasseroberfläche mit der sich ab Ende August allmählich abkühlenden höheren Atmosphäre führt zu einer zunehmenden Häufigkeit von Wettersituationen mit labiler Luftschichtung. Diese wiederum fördert die atmosphärische Turbulenz. Und zwar nicht nur auf Nord- und Ostsee, sondern auch im Mittelmeer – auch wenn einen der Süden bis in die Nachsaison oft noch mit Sonne und Wärme verwöhnt. Mediterrane Herbstgewitter deuten an, wie heftig die Böen sein können, sobald die Luftschichtung labil wird.

Küsten mit Böenpotenzial

Infolge der durch die Bodentopografie bewirkten erhöhten dynamischen Turbulenz sind ablandige Winde stets böiger als auflandige. Ist die Küste dann noch in Berge, Hügel, Kaps und Kliffs gegliedert, müssen sich Segler auf außerordentlich böige Winde einstellen. Einen in einen Hafen einlaufenden Skipper erwartet dann ein anspruchsvolles Ansteuerungsmanöver, der auslaufende Segler sucht baldmöglichst freien Seeraum.

Eine besonders unangenehme Situation entsteht bei der Kombination einer großen dynamischen und thermischen Turbulenz. Ein Beispiel ist die stark gegliederte schleswig-holsteinische Ostküste bei einer überwiegend freundlichen, aber windigen Westwetterlage im Sommer. Im Lee solcher Küsten nimmt die dynamische die thermische Land-Turbulenz quasi huckepack – das Segeln gerät zum Böen-Spießrutenlauf.

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Lars Bolle am 10.08.2018

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