Manöverkunde

Hafenmanöver: Problemlos auch bei Wind

Felix Keßler am 19.10.2017
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7. Verklicker beobachten

Der Windanzeiger im Masttopp, in Zeiten der elektronischen Instrumente fast in Vergessenheit geraten, erweist gerade im Hafenbecken gute Dienste. Ein Blick nach oben genügt: Da, wo die Spitze hinzeigt, Leinen raus.

8. Plan B zurechtlegen

Ist im ohnehin schon kleinen Hafen viel Betrieb zu erwarten? Wenn ein Hafenplan vorliegt, bietet es sich an, eine Skizze anzufertigen. Auf einer Folie über dem Plan mit Farben Windrichtung und mögliche Legerwallsituationen einzeichnen. So weiß der Skipper auf einen Blick, wohin er sich im Hafenbecken bewegen darf und wohin nicht.

9. Aufgaben verteilen

Zumindest beim Ablegen ist eine klare Aufgabenverteilung schon vor dem Manöver leicht zu realisieren. Beziehen Sie dafür unbedingt auch unerfahrene Crew-Mitglieder mit ein und sorgen Sie dafür, dass niemand arbeitslos herumsteht. Unbeschäftigte Personen an Bord, vor allem Kinder, tendieren eher zu Aktionismus und bringen schlimmstenfalls Unruhe und Chaos ins Manöver. Und wenn alle Aufgaben schon verteilt sind: Drücken Sie den Kleinen einen Kugelfender in die Hand – zum Dazwischenhalten, wenn es eng wird.

10. Mit Luv-Achterleinen ablegen

Ein sehr elegantes Manöver, um in einer Legerwallsituation, ob an Pfählen oder einer Pier, abzulegen. Es funktioniert jedoch nur zuverlässig bei einem breiten Heck und mit starker Maschine. Der Vorteil gegenüber dem klassischen Eindampfen in die Vor- oder Achterspring ist, dass die Yacht bis zum Ende des Manövers unter voller Kontrolle bleibt. Es muss nicht vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang oder umgekehrt geschaltet werden, wodurch die Yacht unkontrolliert vertreiben kann. Von der Luvseite der Yacht eine Achterleine auf Slip nach Lee auf einen anderen Pfahl (bzw. Poller oder Ring) ausbringen. Je länger die Leine, desto besser. Ruder zur Landseite legen, hier Steuerbord. Vollschub voraus. Zunächst setzt das Heck sich vom Hindernis ab. Ruder mittschiffs, dann weg von der Landseite legen. Zuerst langsam, dann immer schneller schwenkt der Bug herum. Wenn der gewünschte Winkel erreicht ist, Schub dosieren und Achterleine nach und nach lösen.

11. Landleinen an der breitesten Stelle überlegen

Soll an Pfählen oder längsseits angelegt werden, die Leinen möglichst auf Höhe der Wanten übergeben und auch an dieser Stelle an Land übersteigen. Dort ist die Yacht annähernd am breitesten, der Abstand zum Pfahl oder zum Land also am kürzesten. Außerdem kann sich die Person, die den Festmacher belegt, am Want zum Sichern, Hinausbeugen oder Übersteigen festhalten. Dem Steuermann wird so zusätzlich ermöglicht, die Yacht auf direktem Kurs an den Liegeplatz zu manövrieren. Steht die Person, die den Festmacher belegen soll, dagegen auf dem Bug, wird der Steuermann zu einem Anfahrtswinkel gezwungen, um die Person an den Pfahl heranzubringen oder zum Übersteigen dicht an die Pier. Damit werden mehrere Kurskorrekturen nötig, was zusätzlich zum Abschätzen der Annäherungsgeschwindigkeit und des Bremsweges eine unnötige Ablenkung darstellt. Außerdem müsste der Steuermann dann über den Bug peilen, um den Abstand zum Land oder Pfahl zu schätzen, was bei sehr schrägen Steven und tiefen Stegen schwierig sein kann.

12. Ablegehilfen nutzen 

Um das Vertreiben des Bugs beim Ablegen bei starkem Seitenwind zu vermeiden, vorhandene Sorgleinen wie gezeigt durch einen Festmacher auf Slip nutzen. Alternativ kann auch eine lange Vorleine so weit wie möglich nach Luv ausgebracht werden. Oder der nette Nachbar hilft, indem er die Vorleine per Hand oder über die eigenen Klampen mit nach achtern führt.

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13. Fender korrekt platzieren

Dass man beim "Einparken" die Nachbarn versehentlich touchiert, ist, anders als beim Autofahren, kein großes Problem – solange jene Berührungspunkte abgefendert sind.  Häufig ist jedoch zu beobachten, dass Crews die Fender schon vor dem Durchfahren der Pfähle anbringen. Bleiben die Fender dort hängen, drohen Schäden an der Reling und das Querdrehen der Yacht. Besser ist, die Fender bereits festgebunden und korrekt platziert an Bord bereitzulegen und sie dann per Fußtritt außenbords zu befördern.

14. Provisorisch anlegen 

Hektik an Bord kann gerade in einer heiklen Situation niemand gebrauchen. Weht eine kräftige Brise und lässt sich nicht unmittelbar ein Platz im Hafenbecken ausmachen, stürzen vor allem auf den Steuermann viele Anforderungen ein: die Yacht sicher zu manövrieren und zugleich den Überblick über den Hafen, die Bedingungen und die Aufgaben der Crew zu behalten. Damit dabei keine gefährliche Hektik entsteht, ist die Crew gut beraten, eine Pause einzulegen, also vorübergehend festzumachen: einfach einen Pfahl oder anderen Befestigungspunkt in Luv suchen und daran mit einer Vor- oder Achterleine festmachen.
Die Yacht wird vom Wind nach Lee gedrückt und hängt sicher an ihrer Leine. Nun kann die Crew in Ruhe aufklaren, erhitzte Gemüter abkühlen lassen, sich einen Überblick verschaffen und wenn nötig Hilfe suchen, per Funk beim Hafenmeister oder von Skippern, die in der Nähe liegen.

15. Rückwärts breitseitig anlegen

1. Übers Heck kann der Steuer­mann den Abstand zum Steg besser einschätzen als über den Bug, Leinen lassen sich über die Badeplattform oft leichter be­legen. Der Steuermann muss sich bei ablandigem Wind nicht so sehr auf  andere Yachten konzentrieren wie beim Längsseitsanlegen, da die Yacht kaum vertreibt. Voraussetzung ist gute Manövrierbarkeit achteraus.

2. Sobald der Steg erreicht ist, einen Festmacher auf der Seite ausbringen, auf der angelegt werden soll. Bei breiten Hecks eignet sich eine normale Achterleine. Bei schmaleren Hecks liegt der Anschlagpunkt auf der Yacht oftmals zu weit innen, um ausreichend Hebelwirkung und damit Drehmoment zu erzeugen. Dann eine Mittelspring statt Achterleine ausbringen.

3. Ruder zu der Seite legen, auf der angelegt werden soll, und Propellerschub voraus geben. Durch die Anströmung des Ruderblatts dreht das Heck vom Steg weg, durch die Hebelwirkung der Bug in Richtung Steg. Mit Schub und Ruderlage den Drehwinkel des Bootes und die Drehgeschwindigkeit regulieren. Sobald möglich, eine Vorleine ausbringen. 

Cover Hafenmanöver

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Felix Keßler am 19.10.2017

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