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Segel checken: Einwintern - Teil 4

Die richtige Pflege von Unterwasserschiff, Ruderanlage, Rigg und Segel: Profis verraten ihre besten Tipps und Tricks

  • Karolina Meyer-Schilf
  • Lars Biolle
 • Publiziert am 23.10.2020
Einwintern wie Profis 1: U-Schiff, Ruder, Rigg und Segel Einwintern wie Profis 1: U-Schiff, Ruder, Rigg und Segel Einwintern wie Profis 1: U-Schiff, Ruder, Rigg und Segel

Ricarda Richter Einwintern wie Profis 1: U-Schiff, Ruder, Rigg und Segel

Jens Nickel ist Segelmacher bei der Segelwerkstatt Stade

privat

Eigentlich sollten alle Arbeiten an den Segeln schon im Herbst erledigt werden – vor allem das Ab­spülen mit klarem Wasser, um das Salz zu entfernen, da es sonst Wasser an­zieht, was zu Stockflecken oder Frostschä­den führen kann. Dabei sollte der Eigner ein Auge auf die Feinheiten haben: die Kau­schen anschauen, ob diese anfangen auszu­reißen. Besonders um die Lattentaschen he­rum kontrollieren, ob die Nähte noch in Ordnung sind; das gilt generell für alle Näh­te. Für diesen Check nähen wir heute mit farbigem Garn, das macht die Prüfung ein­facher. Wenn diese Prüfung erst im Frühjahr durchgeführt wird, wenn wir Segelmacher immer am wenigsten Zeit haben, besteht die Gefahr, dass sich wegen Wartezeiten der Sai­sonstart verzögert.

Stockflecken beseitigen

Ben Andersch Spak entfernen: Stockflecken oder Grünspan lassen sich leicht mit speziellen Reinigern entfernen. Die Gebrauchsanleitung beachten!

Sollten die Segel Stockflecken haben, müs­sen diese beseitigt werden. Wir empfehlen dafür das Mittel Tento­Clean, das gibt es bei jedem Segelmacher oder im Zeltbedarf­-Zu­behör. Dabei aber unbedingt die Gebrauchs­anleitung beachten, sonst kann es zu Schä­den am Segel kommen. Dieses Mittel kann auch für Stockflecken an Sprayhoods oder im Innenbereich wie in der Nasszelle verwendet werden. Einzig bei beigen Stoffen sollte man Schimmalgin Spe­zial vom selben Hersteller verwenden. Das ist zwar dasselbe wie Tento­Clean, dabei wird aber in der Gebrauchsanleitung darauf hingewiesen, dass zuvor ein Faserschutz auf­ zutragen ist, sonst kann es zu Flecken kom­men. Beide Mittel aber nur auf Stoffen mit UV-­beständigen Farbträgern verwenden; Polster etwa oder Kleidung können davon ausbleichen. Sprayhoods oder Persenninge sollten zudem regelmäßig imprägniert werden. Auch dafür gibt es verschiedene Mittel, wir verwenden Prägnolin Ultra.

Fettflecken ignorieren

Klaus Andrews

Sonstige Flecken, etwa Fettspuren, interes­sieren uns Segelmacher nicht, das wären rein kosmetische Maßnahmen, das Tuch hält deswegen nicht länger oder kürzer und segelt auch nicht schneller oder langsamer. Sie sollte man also eher im Segel lassen. Denn unter einer Reinigung leidet die Gar­derobe immer, egal mit welcher Methode. Wer seine Segel dennoch unbedingt reini­gen möchte, sollte auf keinen Fall irgend­welche Chemikalien benutzen, diese kön­nen das Material angreifen. Das gilt noch mehr für Spinnaker oder Gennaker, da ist das Material noch empfindlicher, ebenso für Laminatsegel.

Auch von sogenannten professionellen Wäschereien rate ich ab. Wir hatten den Fall, dass nach solch einer Reinigung die Latten nach dem Einziehen einen Zentimeter über­ standen, weil das Segel geschrumpft war. Das war ein Totalschaden.

Wenn also reinigen, dann eine billige Fo­lie aus dem Baumarkt holen. Die Folie auf ei­ne Rasenfläche legen, das Segel nie direkt auf dem Rasen ausbreiten, damit organi­sche Stoffe fernbleiben. Dann mit einer ganz weichen Bürste, lauwarmem Wasser und grüner Seife auf die Knie gehen und schrubben. Bei Laminatsegeln sollte man beachten, dass diese wegen der winzigen Zwischenräume in den Laminatschichten zu einem Kapillareffekt neigen, also Wasser zie­hen. Wasser im Segel kann problematisch werden, wenn man schon zu einer Zeit aufs Wasser geht, wo es noch zu Nachtfrösten kommen kann. Dann kann das Eis im Segel das Material aufsprengen und zerstören. Deshalb bei solchen Bedingungen nach ei­nem vielleicht noch regnerischen Törn die Segel, auch solche aus gewebtem Tuch, lie­ber noch einmal abschlagen und mit nach Hause nehmen. Wegen dieses Risikos sollte auch eine Reinigung mit Wasser besser auf die Zeit ohne Frostgefahr gelegt werden.

Falten nicht behandeln

YACHT/Jozef Kubica

Falten im Segel sollte man lieber belassen, anstatt sie etwa wegzubügeln. Das Problem ist bei heutigen Tüchern auch kaum noch vorhanden. Falten von der Lagerung ziehen sich nach 20 Minuten Segeln von selbst wieder heraus. Anders ist es bei stark geharzten Tüchern. Da sind Knicke ärgerlich; sinnvoll kann man diese aber nicht mehr beheben.

Beim Anschlagen der Segel muss unbedingt darauf geachtet werden, dass Mastrutscher richtig herum, also mit der Oberseite nach oben, eingefädelt werden. Sonst brechen sie sehr leicht oder reißen ab, sobald das Fall einmal durchgesetzt wird. Wer Rutscher mit Rollen hat, sollte die Rollen säubern. Mit einer Zahnbürste und warmem Wasser Salz- und Sandkristalle entfernen und vor dem Einfädeln mit Gleitspray einsprühen. Auch die kleinen Federn an Stagreitern können etwas Spray vertragen.

UV-Schutz erneuern

Schmidt, Hauke

Ärgerlich für uns Segelmacher ist mangelnder UV-Schutz, besonders an den Vorsegeln. Viele Tücher gehen deshalb vorzeitig kaputt. Auch Schlauchpersennige werden offenbar nicht diszipliniert genug über das Segel gezogen, das sollte jeden Abend erfolgen. Der Schlauch hat aber eigentlich ausgedient, nur noch etwa 30 Prozent unserer Kunden bekommen ihn. Der einzige Grund, der für ihn spricht ist, dass er mehrfach, also für verschiedene Segel, genutzt werden kann. Dagegen haben wir heute sehr guten UV- Schutz, der direkt auf das Tuch aufgebracht wird und die Segeleigenschaften nicht beeinflusst. Damit ist das Segel immer sofort geschützt, sobald es eingerollt wird. So ein Schutz kann auch bei bereits vorhandenen Segeln aufgebracht werden, er kostet etwa 33 Euro pro Meter Achter- und Unterliekslänge. Aber: Wenn man so einen Schutz hat, gehört kein Schlauch mehr darüber. Dieser arbeitet im Wind immer etwas und würde die UV-Versiegelung vom Segel scheuern.

Thema Scheuern: Gibt es Scheuerstellen im Segel, etwa im Bereich der Salingsnocken, sollte unbedingt nach der Ursache geforscht werden. Denn moderne Tücher brauchen keine schützenden Patches mehr, auf ihnen ist meist schon eine Schutzschicht aufgebracht. Wenn also Scheuerstellen bestehen, liegen diese am Beschlag, wie den Salingsnocken, nicht am Segel. Wer Patches auf solche Stellen kleben möchte, holt sich am besten selbstklebendes Segeltuch im Fachhandel. Beim Anfertigen ist zu beachten, dass die Flicken nicht zu groß ausfallen und die Ecken gerundet geschnitten werden. Beim Aufbringen darf es nicht zu Lufteinschlüssen kommen.

Eine Liste mit den Winterarbeiten finden Sie hier zum Download...

Vorbereitungen vor dem Slippen

12 Bilder

Wer regelmäßig mit dem Trailerboot auf Tour ist, entwickelt Routine.  Mit Überlegung vorgegangen, sind vom Trailer ins Wasser keine 15 Minuten nötig. Eine Kurzanleitung in Bildern

Keine Angst vor der Rampe!

6 Bilder

Eigner flachgehender Boote sind im Vorteil, die Rumpfform begünstigt das Slippen in seichtem Wasser. Mehr Gewicht auf der Vorderachse, etwa durch Passanten auf der Motorhaube, kann helfen, wenn beim Fronttriebler die Reifen durchdrehen.

Slippen bei steiler Rampe

4 Bilder

Das Einfahren in steile Rampen sollte niemals überstürzt erfolgen. Mit Leinen und Untersetzungen lässt sich viel entschärfen. Auch die Hängerkupplung wird geschont.

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Einwintern wie ein Profi


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