Winterlager

Rigg kontrollieren: Einwintern - Teil 3

Lars Biolle, Karolina Meyer-Schilf am 23.10.2020

Ole Büssen ist Metallbaumeister und Riggprofi beim Full-Service- Anbieter Ancker Yachting in Kappeln

Ole Büßen

Wir empfehlen, Rigg, Großbaum und Spibaum bereits vor der Einlagerung, also im Herbst, zu prüfen und mit Wasser und etwas Spülmittel von Schmutz und Salz zu reinigen. Anschließend mit klarem Wasser spülen. Das verbliebene Salz kann sonst im Winter Feuchtigkeit aus der Luft anziehen und Korrosion verursachen. Bei der Reinigung sollte man sich die Profile und Verbindungen genauer anschauen. Diese frühe Inspektion hat zudem den Vorteil, dass über den Winter genügend Zeit für die Ersatzteilbeschaffung bleibt. Korrosion bis hin zu Löchern im Eloxal kann übrigens auch an den Kontaktstellen von Wanten und Profil entstehen, wenn die Wanten am Mast gelagert werden – deshalb raten wir davon ab.

Sollten Beulen, Risse oder starke Korrosion vorhanden sein, unbedingt den Fachmann fragen. Falls am Rigg die Eloxalschicht teilweise ab- gescheuert ist, kann man diese Stellen mit Aluminium-Spray versiegeln, wir verwenden Galvanal von W&S. Bei lackierten Masten sollten Schäden wie Kratzer oder Scheuer- stellen mit einem dünnflüssigen Lack versiegelt werden, sonst wird der vorhandene Lack weiter von Feuchtigkeit unterwandert.

Wantenspanner reinigen

Um die Wantenspanner von altem Fett zu befreien, die Gewinde mit Petroleum einpinseln, über Nacht einwirken lassen, dann mit einer Bürste säubern. Vor dem Fetten mit Bremsenreiniger behandeln, der entfernt den Schmierfilm des Petroleums, damit das Fett haften bleibt. Zum Schmieren druck- und seewasserbeständiges Fett verwenden, wir nehmen das Wantenspanner-Öl von Seldén.

Mastschäden

Wantenspanner: Reinigen und neu fetten, auf Defekte, wie hier am Gewinde, prüfen. Bei Schäden die Teile unbedingt austauschen

Die Sicherungssplinte, Bolzen und Terminals unbedingt auf Brüche und Korrosion untersuchen. Die Sicherungssplinte der Wantenspanner sollten nur so lang sein, dass sie nicht zu weit über den Spanner hinaus stehen, um Verletzungen oder Beschädigungen der Segel zu vermeiden. Die Enden nur bis zu einem Winkel von etwa 15 bis 20 Grad aufbiegen. Sie halten so sicher und können dennoch leicht gezogen werden. Die Spanner im Bereich der Splinte nach dem Riggen abtapen.

Wir nehmen neuerdings sogenannte Smartpins von Blue Wave, eine Kombination von Splint und Klettband, das um den Spanner gewickelt wird und den Splint am Herausfallen hindert. Ein Trend aus Internet-Foren sind anscheinend zusätzliche Kontermuttern, aber ich sehe darin keinen Sinn. Wanten und Stage müssen auf Beschädigungen wie gebrochene Kardeele und Knicke geprüft werden, beschädigte Drähte sollten dann paarweise ersetzt werden, wegen der sonst unterschiedlichen Reckeigenschaften.

Bei Rollanlagen besonders den Draht soweit sichtbar kontrollieren, vor allem im oberen Bereich. Beim versehentlichen Aufwickeln eines Falls kann er sich dort aufdrehen. Generell sollte das stehende Gut nach spätestens 15 Jahren oder 20 000 Seemeilen ersetzt werden.

Rollanlage kontrollieren

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Rollanlage: Auf Leichtgängigkeit und Beschädigungen prüfen, auch den Draht oben, er kann sich bei Fehlbedienung aufdrehen

Bei der Rollanlage unbedingt die Trommel und den Fallschlitten auf Leichtgängigkeit und Auffälligkeiten prüfen, reinigen und schmieren, das wird viel zu wenig gemacht. Wir nehmen das vom Hersteller empfohlene Fett, eine gute Alternative ist Bootsfett von Liqui Moly. Rollmasten setzen sich bei Fahrtenyachten immer mehr durch, hier ist es sehr wichtig, alle fünf Jahre oder nach dem Intervall in der Bedienungsanleitung einen Fachmann daraufsehen zu lassen; denn wenn plötzlich nichts mehr rollt, ist das Segelbergen fast unmöglich. Gibt es einen Kurbel-Achterstagspanner, braucht auch dieser mindestens alle fünf Jahre Pflege, dazu den Antrieb öffnen, reinigen und schmieren.

Die Fallen zum Prüfen aus dem Mast ziehen, dabei Sorgleinen nicht vergessen oder jeweils halbseitig herausziehen und auf Beschädigungen überprüfen, besonders Fallen mit Drahtvorläufern. Bei ihnen auch checken, ob sie sich irgendwo eingesägt haben, besonders an Fallführungsaugen und Fall- rollen kommt das häufiger vor. Alle Beschläge auf festen Sitz prüfen, besonders die Halteplatten der Wanten, da diese sicherheitsrelevant sind. Wenn irgend­ etwas wackelt, neu vernieten oder verschrau­ben. Lümmelbeschläge neigen dazu, sich zu lockern oder am Querbolzen auszuschlagen. Alle Rollen auf Gängigkeit und Verschleiß prüfen. Geschraubte Beschläge an demon­tierbaren Teilen wie die Endstücke am Groß­baum, die zur Wartung abgenommen werden können, in regelmäßigen Abständen lösen und die Schrauben fetten oder mit Trenn­ mittel versehen, damit sie gängig bleiben und nicht korrodieren.

Zu einer Inspektion gehört neben dem Reinigen auch das Versiegeln der Profile. Wir verwenden dafür unsere eigene Ancker Yachting Mastenmilch, einen silikonhaltigen Spezialreiniger. Mit dem wird das Alumini­um dünn mit einem Schwamm eingerieben und nach einer kurzen Einwirkzeit mit ei­nem sauberen Lappen abgewischt. Das ver­leiht dem Mast auch einen gewissen Glanz.

Mastschäden

Beschläge: Besonders die Halteplatten der Terminals kontrollieren. Brechen oder lösen sie sich, kann der Mast von oben kommen

Die Püttinge auf Korrosionsstellen oder Haarrisse im Decksbereich prüfen, aber viel kann man da als Laie oft nicht erkennen. Am gefährlichsten sind geschweißte Pütting­beschläge aus Rundstahl, da sollte der Fach­ mann die Überprüfung übernehmen.

Besonders freuen wir uns, wenn beim Maststellen keine Teile wie Bolzen, Toggle, ganze Salinge oder die Spanner fehlen. Das kommt sehr oft vor und hält den ganzen Vor­gang auf, bis hin zur Verschiebung des Sai­sonstarts. Deshalb alles, was man abbaut, zusammen und an einem Ort verstauen. Wir stellen dazu ein Plastikgefäß in die Spüle der Pantry. Schrauben, Splinte oder Bolzen kann man darin in extra Plastiktütchen verstauen, damit man später nicht ewig kramen muss.

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Lars Biolle, Karolina Meyer-Schilf am 23.10.2020

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