Winterlager

Einwintern Profis 2: Rumpf, Elektrik, Motor, Beschläge

Im zweiten Teil unserer Serie verraten die Profis ihre besten Tipps und Tricks für die Wartung und Pflege von vier weiteren Kernbereichen

Lars Bolle, Karolina Meyer-Schilf am 24.10.2020
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Yacht / Nils Günter

Peter Wrede, Experte für Rumpfsanierungen und -lackierungen (Wrede Yachtrefit in Wedel): "Eine ordentliche Poliermaschine sollte jeder haben"

PeterWrede

Peter Wrede

Der Rumpf sollte so sauber wie möglich ins Winterlager kom­men, dann trocknen Verschmutzungen gar nicht erst ein und sind leichter zu entfernen. Zunächst mit warmem Wasser und Seife reinigen, hartnäckige Ver­schmutzungen können mit stärkeren Reini­gern wie Antigilb entfernt werden. Außer­dem kann auch schon im Herbst poliert und eine Versiegelung aufgebracht werden; so hat die Versiegelung über den Winter Zeit, richtig durchzutrocknen. Im Frühjahr kann, wenn man richtig engagiert ist, die Versiege­lung nochmals aufgebracht werden, um ihre Schutzschicht zu erhöhen, sodass sie auch sicher eine Saison lang hält und schützt.

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Großflächig arbeiten: Das Poliermittel maschinell gleichmäßig und dünn verteilen und so lange polieren, bis die Optik stimmt

 Zum Polieren emp­fehlen wir unser Produkt Polish & Protect. Das gibt es, ähnlich wie beim Schleifpapier, in verschiedenen Abstufungen, die durch die Schleifpartikel den Polier-Abtrag definieren. Außerdem sollte jeder Eigner eine ordentliche Poliermaschine besitzen, in die er einmal in seiner seglerischen Laufbahn investiert hat. Nicht so ein Ding vom Discounter, das beim geringsten Druck schon versagt. Denn von Hand zu polieren ist quasi Beschäftigungstherapie. Weder verteilt man damit das Poliermittel oder die Versiegelung richtig, noch arbeitet man beides vernünftig ein. 

Beim Polieren sollte man immer nur so viel Gelcoat oder Lack abtragen, wie unbedingt nötig und ausreichend für die Optik ist. Außerdem können nicht geeignete, sehr aggressive Poliermittel sehr schnell zu viel Schichtstärke abtragen. Polieren ist letztlich ganz feines Schleifen, das den Untergrund für die Versiegelung vorbereitet. 

Gelcoat versiegeln

Die Versiegelung schützt den Rumpf vor Neuverschmutzung und Auskreiden und stellt den Glanz auf der Oberfläche wieder her. Da gibt es eine ganze Skala verschiedener Mittel, mit Wachs am unteren Ende, über Polymere, also künstliche Wachse, bis zu Keramikversiegelungen. 

Für den Laien sind Polymer-Versiegelungen das Richtige. Keramik ist eher für den Profi, unter anderem wegen der genau einzuhaltenden Verarbeitungszeiten. Da braucht man mindestens zwei Mann und jede Menge Erfahrung. Polymere werden schön gleichmäßig mit der Poliermaschine und einem Waffelpad aufgetragen, da braucht man viel weniger Material, als wenn man dick von Hand aufträgt. Wichtig dabei ist auch, dass Politur und Versiegelung aufeinander abgestimmt sind, also dieselben Wirkstoffe enthalten. Am besten, beides kommt vom selben Hersteller.

Der Unterwasserbereich und auch das Deck sollten bei diesen Arbeiten abgedeckt oder abgeklebt werden. Sonst kommen eventuell Spritzer aufs Teakdeck und hinterlassen Flecken. Im Unterwasserbereich haftet neues Antifouling nicht auf Politur oder Wachs. Wenn nach dem Antifoulingauftrag poliert wird und Wachs auf das Antifouling gelangt, kann dieses nicht optimal wirken.

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Antirutsch-Belag reinigen: Auf keinen Fall mit Hochdruckreiniger! Spezielle Vliese für Oszillationsschleifer können helfen, ansonsten schrubben

Beim Deck sind vor allem rutschfeste Flächen problematisch, weil Dreck schlecht aus der eingeformten Struktur entfernt wer- den kann. Dafür gibt es spezielle Mittel für rutschfeste Flächen wie "Non-Skid Deck- cleaner" von Star brite. Auf keinen Fall sollte hierfür ein Hochdruckreiniger verwendet werden, das kann zu Beschädigungen der Oberfläche führen. Versiegeln sollte man Antirutsch-Bereiche nicht, sonst kann es sauglatt werden.

Alle glatten Decksflächen werden poliert wie der Rumpf. Nur kann es hier aufwändiger sein, da es viele Ecken und kleine Flächen gibt. Da kann oft nicht mit der großen Poliermaschine gearbeitet werden, und es ist doch Handarbeit gefragt oder die sinnvolle Investition in einen kleineren Polierteller. Auch die Scheiben können mit denselben Polymermitteln behandelt werden.

Teakdecks sollten gereinigt und kontrolliert werden, ob die Verfugung noch intakt ist. Ob man es Natur, also versilbern lässt oder behandelt, ist Geschmackssache. 

Wir empfehlen unser System Teakseal, das besteht aus einem Reiniger auf Oxalsäurebasis. Nach der Reinigung und Neutralisierung mit Wasser sieht das Teak aus wie neu. Man benötigt dazu viel Wasser und sollte das deshalb draußen machen, am besten am Bootswaschplatz. Danach wird das Deck mit einer Versiegelung dreimal beschichtet mittels Mikrofasertuch. Das färbt das Deck in einem sehr natürlichen Ton und versieht es mit einem UV-Schutz. So ist die Oberfläche imprägniert und nimmt weniger Schmutz an. 

Keine Experimente

Also etwa das Unterwasserschiff mit Melkfett einschmieren oder Eigenkreationen. Immer speziell dafür entwickelte Produkte verwenden. Wir hatten sogar mal einen Kunden, der hat seine Lackierung mit Sonnencreme für die Haut eingeschmiert, weil wir gesagt hatten, unsere Versiegelung sei wie Sonnencreme fürs Boot. Nach der Saison rief er uns an und beschwerte sich, da sich die Wischspuren des Sonnenöls abzeichneten und er dieses Muster nicht abtragen könne. Leider mussten wir ihm sagen, dass ausgerechnet Sonnencreme der größte Feind einer Lackierung ist und sehr aggressiv auf die Flächen wirkt – ein irreparabler Schaden. 

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Artikelstrecke Einwintern wie ein Profi


Lars Bolle, Karolina Meyer-Schilf am 24.10.2020

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