Recht und Gesetz

Diese Rechtsvorschriften sind wichtig

Lars Bolle, Felix Keßler am 11.07.2018

Recht und Gesetz beim Fahren mit Trailer

100er Plakette: Wie bekommt man sie und was sind die Voraussetzungen?

Führerschein: Wer darf welchen Anhänger fahren?

Überlänge: Wie müssen überstehende Teile gekennzeichnet werden?

TÜV und Gutachten: Müssen Anhänger regelmäßig zur Abnahme?

Anhängergewicht: Was ist erlaubt, was ist möglich? 

Anhängermaße: Wie groß darf der Anhänger maximal sein?

Versicherung: Sind Trailer und Ladung mitversichert?


Schneller unterwegs mit 100er-Plakette: Warum die höhere Geschwindigkeit mehr Sicherheit bringt

Mit ein wenig Umrüstarbeit und einem entsprechenden Zugfahrzeug ist es möglich, nicht wie in Deutschland vorgeschrieben nur mit 80 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen unterwegs zu sein, sondern mit 100. Dabei geht es nicht darum, schneller anzukommen; die reine Zeitersparnis ist nebensächlich. Die erhöhte Geschwindigkeit trägt vielmehr zur Sicherheit bei. Langsame Lkw lassen sich zügiger überholen, ohne dass die Gefahr besteht, just in diesem Moment in eine Radarfalle zu tappen. Es lässt sich auch souveräner im fließenden Verkehr mitschwimmen. Außerdem werden auf einspurigen Bundesstraßen andere Verkehrsteilnehmer nicht zu waghalsigen Überholmanövern verleitet.

Die Voraussetzungen fürs Zugfahrzeug: Das zulässige Gesamtgewicht darf nicht höher als 3,5 Tonnen sein, und es muss über ein Antiblockiersystem (ABS) verfügen. Voraussetzungen für den Trailer: Die Reifen dürfen nicht älter als sechs Jahre sein und müssen mindestens der Geschwindigkeitsklasse L (= 120 km/h) entsprechen. Ist der Trailer gebremst, muss er mit hydraulischen Stoßdämpfern ausgerüstet werden. Die Nachrüstung kostet je nach Vorbereitung des Trailers zwischen 50 und 250 Euro.

Die Voraussetzungen für den Trailer richten sich nach dem Leergewicht des Zugfahrzeugs, das mit einem Faktor X multipliziert wird, sowie nach weiteren Ausstattungsmerkmalen. Ein ungebremster Trailer hat den Faktor 0,3. Ein Zugfahrzeug mit 1,6 Tonnen Leergewicht dürfte also einen Trailer mit 480 Kilogramm zulässigem Gesamt­gewicht ziehen.

Ein gebremster Trailer mit Stoßdämpfer hat den Faktor 1,1. Verfügt der Trailer über eine Kupplung mit Schlingerdämpfung oder ein anderes fahrdynamisches Stabilisierungs­system oder ist das Zugfahrzeug mit einem Stabilisierungssystem für den Anhänger­betrieb (ESP) ausgerüstet, das bis 120 km/h funktioniert, erhöht sich der Faktor auf 1,2. Das 1600 Kilogramm schwere Zugfahrzeug dürfte also 1920 Kilogramm mit 100 km/h ziehen.
Allerdings darf die zulässige Gesamtmasse des Anhängers die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeuges nicht übersteigen. Außerdem darf die zulässige Gesamtmasse des Anhängers nicht über der zulässigen Gesamt­masse des Zugfahrzeuges liegen.

Zu kompliziert? Fragen Sie am besten Ihren Trailerhersteller. Er kann auch eine Herstellerbescheinigung ausfertigen, dann muss der Trailer nicht bei zur Prüfstelle. Sollten Umbauten in Eigenregie vorgenommen werden, oder gibt es keine Herstellerbescheinigung, führt an der Prüfstelle kein Weg vorbei. Die berät auch im Vorfeld.
Am Ende folgt der Gang zur Zulassungsstelle. Dort gibt es auch das 100-km/h-Schild. 

Was ist beim Führerschein zu beachten? Welche Erlaubnisklasse brauche ich?

Führerscheinklassen Trailer

Auf der Rückseite des Führerscheins sind die für den Fahrer erlaubten Klassen vermerkt

Bis 750 Kilogramm zulässiges Gesamt­gewicht des Trailers dürfen alle Führerscheininhaber diesen Anhänger ziehen, vorausgesetzt, das Zugfahrzeug ist dafür zugelassen. Bei höheren Anhängelasten entscheidet das Datum des Führerscheins.

Alter Führerschein mit Klasse 3: Erlaubt sind Züge bis 7500 Kilogramm mit nicht mehr als drei Achsen, wobei ein Achsabstand von weniger als einem Meter als eine Achse gilt. Es darf also zusätzlich ein Bootstrailer ge­zogen werden. Eine Grenze ist nur die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs.
Führerscheine ab 1. 1. 1999 mit  Fahrerlaubnisklasse B: Erlaubt sind Kraftfahrzeuge mit zulässiger Gesamtmasse bis 3500 Kilogramm mit Anhänger bis 750 Kilogramm oder mit Anhänger über 750 Kilogramm, sofern die zulässige Gesamtmasse der Kombination nicht über 3500 Kilogramm liegt.
Fahrerlaubnisklasse B96: Für schwerere Hänger gibt es die Möglichkeit, eine Fahrerschulung nach B 96 zu machen. Erfasst sind hiervon alle Anhänger über 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse hinter einem Kfz der Klasse B, sofern die zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination 4250 Kilogramm nicht übersteigt.
Fahrerlaubnisklasse BE: Noch schwerere Anhänger benötigen den Führerschein der Klasse BE. Die zulässige Gesamtmasse des Anhängers ist auf 3500 Kilogramm beschränkt. Wer darüber hinaus Anhänger mit einem Zugfahrzeug der Klasse B ziehen will, benötigt die Fahrerlaubnis der Klasse C1E.

Welche Kennzeichnung der Ladung ist notwendig?

Trailer Vorschrift Überlänge

Bei mehr als einem Meter Überhang wird eine Markierung nötig

Was das Gesetz fordert: Die Ladung darf maximal 1,5 Meter über die Rückstrahler hinausragen, bei Wegstrecken unter 100 Kilometern bis zu drei Meter. Ragt sie mehr als ein Meter hinaus, ist sie zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung darf nicht höher als 1,5 Meter über der Fahrbahn angebracht sein und muss wie folgt aussehen: eine hellrote, nicht unter 30 mal 30 Zentimeter große, durch eine Querstange auseinandergehaltene Fahne oder ein gleich großes, hellrotes, quer zur Fahrtrichtung pendelnd aufgehängtes Schild oder ein senkrecht angebrachten zylindrischer Körper gleicher Farbe und Höhe mit einem Durchmesser von mindestens 35 Zentimetern.

Bei Dunkelheit sollte eine hellrote Leuchte angebracht sein. Ragt die Ladung seitlich mehr als 40 Zentimeter über die Trailerleuchten hinaus, so ist sie ebenfalls durch eine Leuchte zu kennzeichnen. In manchen europäischen Ländern gelten gesonderte Bestimmungen.

Muss der Trailer auch zum TÜV? Welches Kennzeichen braucht der Trailer?

Trailer Gutachten

Werden Trailer nur zum Transport von Sportgeräten verwendet, sind sie zulassungsfrei

TÜV-Abnahme: Bootsanhänger sind zulassungsfrei, wenn sie ausschließlich zur Beförderung von Sportgeräten verwendet werden. Sie sind auch von der Kfz-Steuer befreit, müssen aber ein eigenes, grünes Kennzeichen führen, das beim Finanzamt zu beantragen ist und von der Zulassungsstelle ausgegeben wird; ein Folgekennzeichen des Zugfahrzeugs ist nicht (mehr) ausreichend. Damit das Kennzeichen erteilt werden kann, muss der Trailer von einer Prüfstelle wie dem TÜV oder der Dekra abgenommen sein. Diese Hauptuntersuchung kostet rund
50 Euro (gebremst) und ist alle zwei Jahre fällig, kann aber auch Kosten wegen Nachbesserungen nach sich ziehen. Beim Trailern mitzuführen sind die Anhänger-Betriebs­erlaubnis, der Prüfbericht der Prüfstelle und die Bescheinigung der Zulassungsstelle.

Wie viel Gewicht darf angehängt werden? Muss der Trailer gebremst sein?

Anhängelast Trailer

Hier dürfen bei Pkw nicht mehr als 3,5 Tonnen angehängt werden

Anhängergewicht: Die Obergrenze für alle Pkw sind 3,5 Tonnen Anhängelast; schwerer darf der Trailer samt Ladung nicht sein. Zusätzlich darf die Anhängelast bei einem Pkw nicht höher sein als dessen zulässige Gesamtmasse. Wie hoch die Anhängelast für das jeweilige Fahrzeug aber tatsächlich ausfallen darf, richtet sich nach den Herstellerangaben und ist von der Auslegung der Hängerkupplung abhängig sowie davon, ob der Trailer gebremst oder ungebremst ist. Am einfachsten ist ein Blick in die Fahrzeugpapiere. In der Zulassungsbescheinigung ist unter Punkt O.1 die zulässige gebremste Anhängelast zu finden, unter Punkt O.2 die ungebremste.

In älteren Fahrzeugscheinen stehen diese Angaben unter den Punkten 28 für Anhänger mit Bremse und Punkt 29 für ungebremste Trailer. Bei Geländewagen oder SUVs kann sich die Anhängelast unter bestimmten Voraussetzungen wie Allradantrieb und starker Motorisierung erhöhen.

Welche Ausmaße darf der Trailer maximal haben?

Maximale Maße Trailern

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Länge, Breite, Höhe: Generell gilt in Europa: Breite des Anhängers mit Ladung maximal 2,55 Meter, Länge mit Deichsel 12,00 Meter, Länge des Gespanns 18,75 Meter, in Deutschland 18 Meter, mit Überhang der Ladung
(z. B. Mast) 20,75 Meter.

Die Höhe ist auf vier Meter beschränkt. In einigen Ländern gelten andere Maße, in Deutschland zugelassene und zulässig beladene Anhänger dürfen aber auch im Ausland verwendet werden, teilweise ist eine Sondergenehmigung möglich. Überschreiten die Abmessungen diese Grenzen, ist eine Sondergenehmigung bei den zuständigen Behörden der Länder einzuholen. Die Kontaktinfos entnehmen Sie online der Linkliste. 

Ist der Trailer mitversichert und muss er versichert werden?

Eine Versicherungspflicht für Bootsanhänger gibt es nicht. Die Versicherung des Zugfahrzeugs umfasst jedoch nur Schäden, die von einen Anhänger verursacht werden, der mit dem Zugfahrzeug verbunden ist oder sich während des Gebrauchs von diesem löst und noch in Bewegung ist. Wird der Trailer also abgestellt und macht sich dann selbstständig – etwa, wenn die Stellfläche abschüssig ist –, sind Personen- oder Sachschäden nicht mehr durch die Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt. Manche Versicherungsanbieter schließen diesen Fall jedoch schon in der Boots-Haftpflicht mit ein, über die jeder Eigner ohnehin verfügen sollte.
Es kann aber auch ein Extravertrag abgeschlossen werden.

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Lars Bolle, Felix Keßler am 11.07.2018

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