Saisonstart

Auswintern wie die Profis: Rumpf, Elektrik, Motor, Beschläge – Teil 4

Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

Norman Etmanski, Chef der Marina Vulkan-Werft in Werder (Havel): "Segler denken, sie können alles selbst"

Norman Etmanski

Norman Etmanski

Im Herbst sollte darauf geachtet werden, dass das Boot mit fast vollem Dieseltank ins Winterlager gebracht wird. Das beugt Kondenswasserbildung vor, welches Bakterienwachstum begünstigt. Allerdings nicht randvoll, es sollten noch etwa vier bis fünf Prozent Luft verbleiben. Sonst kann es passieren, dass sich der Diesel mit steigenden Temperaturen ausdehnt und aus den Entlüftungsstutzen austritt. Zusätzlich sollte der Diesel mit einem Biozid versetzt werden, wir verwenden Grotamar. Die Bestellung kann nur noch über einen Fachbetrieb erfolgen, nicht mehr direkt vom Kunden selbst. 

Spätestens im Frühjahr sollte das gesamte Dieselsystem auf Verschmutzungen überprüft werden. Der Tank selbst muss nicht zwingend inspiziert werden. An den Filtern befinden sich meist unten Wasserabscheider. Wenn das dort gesammelte Wasser in Ordnung ist, muss man sich keine Gedanken machen. Den Wasserabschneider trotzdem entleeren und säubern!

Ist es dagegen eine übel riechende "Drecksbrühe", kann man davon ausgehen, dass man in der Saison Probleme mit Verstopfungen bekommt. Ein Anzeichen dafür ist auch leicht trüber oder milchiger Diesel. Auch wenn zu viel Wasser im Diesel ist, kann es zu Problemen im Motor kommen. In all diesen Fällen sollte man den Fachmann zu Rate ziehen.

Generell ist es ein guter Tipp – und das hat nichts mit Geschäftstüchtigkeit zu tun –, ab und an einen Fachmann hinzuzuziehen. Segler glauben immer, sie könnten alles selbst machen und machen das dann auch. Aber die Motoren sind nicht mehr dieselben wie vor 50 Jahren, da ist Elektronik verbaut, die kann ausgelesen werden, dabei kommen Fehlermeldungen zustande, die man von außen nicht sieht. Deshalb sind regelmäßige Inspektionen wichtig. Außer- dem werden Fachwerkstätten von den Herstellern über Fehler oder Rückrufe informiert. Die nötigen Arbeiten können wir aber nur durchführen, wenn man zu uns kommt. 

Die Dieselfilter sollten einmal pro Saison getauscht werden. Wenn sich im Filter starke Verschmutzungen abgesetzt haben, sollte man unbedingt nach der Ursache forschen. 

Ölwechsel einmal pro Saison

Motorcheck BOBERIVC-Schema

Öl wechseln: Möglichst schon im Herbst das Öl tauschen, im Frühjahr dann den Ölstand kontrollieren. Weniger Öl deutet auf Leckagen hin

Das gilt als Faustregel, ist allerdings auch ab- hängig von den Betriebsstunden. Wenn man nur fünf Stunden gefahren ist, braucht das Öl nicht gewechselt zu werden. Der Ölwechsel sollte möglichst vor dem Winterlager erfolgen, um alle Ablagerungen aus dem Mo­tor zu entfernen, bevor sich diese wegen der langen Standzeit festsetzen können. Dabei auch den Ölfilter wechseln. Den Motor dazu warmlaufen lassen, aber nicht zu heiß, sonst kann es zu Verbrennungen an der Haut kom­men. Der Ölwechsel im Herbst hat zudem den Vorteil, dass man im Frühjahr kontrol­lieren kann, ob der Ölstand noch derselbe ist; falls nicht, könnte der Motor Leckagen haben. Deshalb ist auch ein gereinigter Mo­tor und Motorraum wichtig, um solche Le­ckagen anhand von Ölaustritt zu erkennen. Beim Reinigen sollten aber auf keinen Fall brennbare Mittel wie Bremsenreiniger ver­wendet werden. Denn es kann sein, dass sich sonst brennbare Gase in der Bilge bil­den. Dann reicht ein Funke beim Anlassen, und der Motorraum steht in Flammen. 

Öl-Spezifikation beachten 

Nach unseren Erfahrungen empfehlen die Motorenhersteller zu dünnes Öl. Denn we­gen des engen Motorraumes werden die Motoren oft heißer, als vom Hersteller vor­gesehen. Deshalb kann es in einigen Fällen vorteilhaft sein, von der Spezifikation abzuweichen. Dazu sollte man sich aber mit dem Hersteller oder dem Motorenfachmann vor Ort abstimmen. In der Garantiezeit sollte man sich an die Herstelleranga­ben halten. 

Das Getriebeöl sollte ebenfalls überprüft werden. Zum einen, ob noch ausreichend vorhanden ist, aber auch, ob es einen gräu­lichen Farbton hat. Dieser deutet auf Un­dichtigkeiten und Wassereintritt hin. Gerade wenn der Motor lange gestanden hat, also im Frühjahr, reicht es, die Öl-­Ablassschraube kurz zu öffnen und zu kontrollieren, was da herauskommt. Denn Wasser setzt sich ja un­ten ab, und wenn etwas vorhanden ist, sollte es zuerst herausfließen. Da reicht zur Kon­trolle schon ein halbes Schnapsglas voll. Ist das der Fall, muss das Öl gewechselt werden, und man sollte nach den Wassereintrittsstel­len suchen. 

Dichtung prüfen

Auch die Dichtung einer Wellenanlage ist zu prüfen. Wenn man noch eine konven­tionelle Buchse mit Dichtungsschnur hat, sollte man erst etwas fahren, bevor man kon­trolliert. Denn über den Winter trocknet die Schnur aus und kann zunächst etwas un­dicht sein, sie quillt aber nach ein paar Stun­den wieder auf. 

Bleibt es dort dauerhaft undicht, muss man die Dichtpackung etwas nachziehen, aber nicht zu fest, sonst läuft diese heiß, oder eine neue Packung nachlegen. Gummidich­tungen sollte man vor Inbetriebnahme des Motors bewässern. Im Winter können sie austrocknen, und dann bildet sich oben eine Luftblase, was zu verminderter Schmierung und Kühlung durch das Wasser führen kann. Diese Dichtungen etwas zusammendrücken, wenn das Boot im Wasser ist, um die Luft her­ auszupressen. 

Keilriemen checken 

Motorcheck BOBERIVC-Schema

Per Druck- oder Verdrehtest die richtige Spannung der Keil- oder Zahnriemen kontrollieren

Die Keilriemen sollten nicht zu viel Abrieb aufweisen, das erkennt man auch daran, dass sich am Motor oder in der Bilge Kunst­stoffflocken und schwarzer Ruß abgelagert haben. Die Spannung ist dann richtig ein­ gestellt, wenn man den Riemen an der längsten Stelle zehn bis 15 Millimeter, Fin­ger­ bis Daumenbreite, durchdrücken kann. Zu straff darf die Spannung auch nicht sein, weil sonst die Lager in den angetriebenen Aggregaten wie Wasserpumpe oder Lichtmaschine Schaden nehmen können. Das­selbe gilt für Zahnriemen. Bei ihnen ist die Spannung richtig eingestellt, wenn man sie an einer längeren Stelle um etwa 90 Grad verdrehen kann. Wenn sie sich weiter ver­drehen lassen, sind sie zu lose, wenn sie sich gar nicht verdrehen lassen, zu straff. Die Kiel­ und Zahnriemenscheiben sollten nicht angerostet sein, das erhöht den Verschleiß der Scheiben selbst und der Riemen.

Ein weiterer Punkt ist das Ventilspiel. Bei Moto­ren, welche das nicht automatisch einstellen wie bei Hydrostößeln, sollte man je nach Hersteller etwa alle 600 bis 800 Betriebsstun­ den oder fünf bis sechs Jahre den Fachmann einmal horchen lassen. Das geschulte Ohr eines guten Mechanikers hört sofort, ob et­was nicht in Ordnung ist. Selbst kann man das meist nicht überprüfen, da Ventilver­schleiß ein schleichender Prozess ist, da hört der Eigner selbst Unterschiede kaum. 

Kühlsystem auf Leckagen prüfen

Motorcheck BOBERIVC-Schema

Kühlmittel kontrollieren: Am Vorratsbehälter orüfen, ob genug Kühlmittel vorhanden ist. Beim Nachfüllen nur dasselbe Mittel verwenden

Gibt es Undichtigkeiten, sind Schläuche porös oder haben sich zugesetzt, sitzen alle Schlauchschellen noch fest? Diese kann man auch alle etwas anziehen, dabei merkt man, ob sie sich gelöst haben. Steht die Yacht im ungeheizten Winterlager, muss bei Zwei­kreissystemen der äußere Kreis mit Frost­schutzmittel befüllt werden, bei Einkreis­kühlungen der innere. Bei diesen Motoren die Maschine vorher warmlaufen lassen, da­mit die Thermostate geöffnet sind und der Frostschutz überall hingelangen kann. Wir benutzen biologisch abbaubares Frost­schutzmittel, Liqui Moly, das muss im Früh­ jahr bei der Inbetriebnahme des Motors nicht extra aufgefangen werden.

Wer sehr früh seine Yacht ins Wasser bringt, muss sich übrigens keine Sorgen machen. Normale Nachtfröste von minus drei bis vier Grad sind in der Regel kein Problem, da das Sys­tem über den Tag wieder auftaut. Bei stren­geren Frösten über mehrere Tage sollte man aber erneut Frostschutzmittel einfüllen. 

Bei Zweikreiskühlungen sollte man am Vorratsbehälter überprüfen, ob das Frost­schutzmittel, das zugleich Korrosionsschutz ist, noch ausreichend vorhanden ist und die nötige Konzentration aufweist. Das lässt sich mit einer Frostschutzspindel feststellen. Falls Frostschutzmittel nachgefüllt werden muss, sollte unbedingt das richtige, schon vorhandene verwendet werden. Sonst kann es zu Reaktionen der unterschiedlichen Mit­tel kommen, mit der Folge von Ausflockun­gen, Kristallisationen oder Geleebildungen bis hin zu Verstopfung. 

Seeventile kontrollieren 

Motorcheck BOBERIVC-Schema

Seeventile bedienen: Alle Ventile mehrmals öffnen und schließen, um sie gängig zu halten. Bleiben sie schwer bedienbar, sollten sie ersetzt werden

Diese im Herbst mehrfach öffnen und schließen. Nach längerem Nichtgebrauch können sie sonst sehr schwergängig sein. Bleiben sie auch nach mehrfachem Betäti­gen schwergängig, ist das ein Zeichen dafür, dass sie gewechselt werden müssen. Ventile sollten auch während der Saison öfter be­dient werden, damit sich keine Kalkablage­rungen bilden können, welche dann die Dichtungen zerstören. Steht das Boot unge­heizt, die Seeventile offen lassen, damit der Kugelbereich austrocknen kann und es nicht zu Frostschäden am Gehäuse kommt. Das hat auch den Vorteil, dass die Ventile gleich offen sind, wenn das Boot zu Wasser gelas­sen wird. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute mit geschlossenen Ventilen losfahren und sich dann wundern, wenn der Motor überhitzt. 

Zum Kühlsystem gehört auch die Kon­trolle des Seewasserfilters und des Impellers der Pumpe sowie der Dichtigkeit des Pum­pengehäuses. Ob der Impeller noch ausrei­chend Wasser fördert, lässt sich am Kühl­wasserstrahl am Heck gut erkennen. Ein schwacher Strahl könnte aber auch auf Ver­ stopfungen hindeuten. Wird die Maschine viel gefahren, sollte der Impeller auch vor­ sorglich nach einiger Zeit getauscht werden, die Hersteller geben alle zwei Jahre an. 

Vernachlässigt werden im Motor oft die Anoden, welche galvanische Korrosion in der Maschine verhindern sollen. Ich schätze, 90 Prozent der Eigner wissen gar nicht, dass es die gibt. Wo sich diese befinden und wie man sie kontrolliert, ist von Motor zu Motor unterschiedlich, da muss man in die Be­triebsanleitung schauen. 

Bei den Schalt­- und Gaszügen muss man kontrollieren, ob die Befestigung am Hebel und am Motor intakt ist. Besonders auf fes­ten Sitz der Kontermuttern sollte man ach­ten, sonst können sich die Züge verstellen. An die Lagerstellen kann ein Tropfen Öl ge­geben werden, aber nicht zu viel Fett benut­zen. Dann setzt sich bloß Schmutz ab, und das Fett kann verharzen, das kann dazu füh­ren, dass die Züge immer schwergängiger werden. Die Züge selbst einmal kontrollie­ren, ob sich womöglich irgendwo Halterun­gen gelöst haben und ein Zug vielleicht lose herumhängt. 

Motor-Verankerung ansehen 

Beim Motorfundament kann man prüfen, ob die Befestigungen fest sitzen. Leicht ein­gerissene Gummis sind zunächst nicht pro­blematisch. Erst wenn sich der Motor so weit gesetzt hat, dass er irgendwo aufschlägt, was man hört und auch an Vibrationen spürt, muss gehandelt werden. Bei einer Wellen­anlage mit starrer Kupplung sollte alle paar Jahre die Fluchtung überprüft werden, da sich diese wegen des Setzens des Motors verändern und zu Schäden am Wellenlager führen kann. 

Auch die elektrische Anlage sollte einer Sichtprüfung unterzogen werden, ob alle Stecker noch fest sitzen oder korrodiert sind, speziell am Anlasser und der Lichtmaschine. Auch die Masseverbindung sollte auf festen Halt kontrolliert werden. 

Wenn Luftfilter vorhanden sind, sollten diese gereinigt oder getauscht werden. 

Wenn diese Wartungsarbeiten erledigt wurden, sollte man im Frühjahr bei der ers­ten Inbetriebnahme auf jeden Fall einmal den Motorraum öffnen und nachsehen, ob alles ordentlich läuft, ob es Leckagen gibt oder irgendetwas auffällig ist. 

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Artikelstrecke Auswintern wie ein Profi


Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

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