Saisonstart

Auswintern wie die Profis: Rumpf, Elektrik, Motor, Beschläge – Teil 3

Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

Andreas Benkert, Elektrotechnik-Meister (Marineelektronik A-Z in Grünendeich): "Das wichtigste ist die Pflege der Batterien"

Benkert

Andreas Benkert

Über das Winterhalbjahr müssen die Batterien vor Tiefentladung geschützt werden. Dazu sollten sie vollgeladen sein, bevor man das Boot ins Winterlager stellt. Wenn man im Winter nicht zur Yacht kommt, sollten sie abgeklemmt werden, damit sie nicht wegen irgendwelcher heimlicher Verbraucher tief­ entladen. Das gilt für normale Blei-­Säure­-Batterien, AGMs und ähnliche. Lithium­-Io­nen­-Batterien sollten nur bis etwa 80 Pro­zent geladen und dann abgeklemmt werden. Wenn diese bus­gesteuert sind, also eine eigene Elektronik eingebaut haben, muss diese gesondert getrennt werden. Sonst ver­sorgt die Batterie diese den ganzen Winter über und wird dabei entladen. 

Laden der Batterie

Batterien laden: Spätestens jetzt im Frühjahr vollladen. Schaltet das Ladegerät nicht auf Erhaltungsladung, können die Batterien defekt sein

Wenn man regelmäßig am Boot ist, etwa um Winter­arbeiten durchzuführen, müssen die Batte­rien nicht abgeklemmt werden. Dann kann man sie zwischendurch immer einmal la­den. Dazu sollte man die Spannung beobachten, wann das nötig ist. 

Kurz Maschine starten

Spätestens vor dem Einwassern sollten dann auf jeden Fall die Batterien geladen sein und ihre Spannung überprüft werden. Wenn kein Voltmeter vorhanden ist, kann das bei der Starterbatterie geschehen, in­ dem die Maschine kurz gestartet wird. Wenn der Anlasser richtig durchzieht, ist ausrei­chend Spannung vorhanden. Ansonsten zei­gen auch die Ladegeräte an, ob die Batterie intakt ist. Wenn ständig Strom in die Batterie fließt, über Tage, das Ladegerät also nie in den Modus Erhaltungsladung geht, ist das ein Zeichen dafür, dass die Batterie defekt ist und ausgetauscht werden muss. 

Vorsicht bei Landstrom

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Landanschluss prüfen: Ist die Kabelisolierung beschädigt oder brüchig, das Kabel ersetzen. Vorsicht bei Zweitdosen und Schukosteckern!

Beim Anschließen des Bootes im Winter­lager ist es übrigens verboten, an den Land­anschluss mit einem Schukostecker zu ge­hen, denn dabei kann es zu Verpolungen kommen. Das schadet den Geräten zwar nicht, kann aber dazu führen, dass auf dem blauen Kabel, N­-Leiter, das normalerweise geerdet ist, eine gefährliche Berührungsspannung anliegt. Wenn man sich dann bei Arbeiten an der Elektrik darauf verlässt, dass das blaue Kabel ungefährlich ist, kann es beim Berühren schmerzhaft werden. Das gilt insbesondere bei einpoligen Siche­rungskästen. Obwohl man die Sicherung ausgeschaltet hat, liegt dann auf dem blauen Kabel Spannung.

Deshalb bei sämtlichen elektrischen Arbeiten das Landstromkabel abziehen. Am sichersten ist, wenn der Win- terlagerbetreiber CEE-Steckdosen installiert hat, dann ist eine Verpolung ausgeschlossen. Diese Dosen lassen sich auch sehr leicht nachrüsten. Das Problem der Verpolung kann übrigens auch während der Saison auftreten, wenn es in Häfen nur Schukosteckdosen gibt und man da mit einem Adapter heranmuss. 

Bei der Mast-Verkabelung ist darauf zu achten, dass beim Lagern des Mastes über den Winter keine Feuchtigkeit an die Kabelenden gelangen kann. Da hilft schon das Einsprühen mit wasserverdrängendem Spray, Wet.Protect etwa. Von Kunststofftüten, welche über die Enden gestülpt werden, halte ich wenig. Die stehen im Frühjahr häufig voll Wasser, weil es entweder hineingelaufen oder innen kondensiert ist. Werden sie trotzdem verwendet, dann sollten die Tüten so an den Mast gebunden werden, dass kein Wasser hineinlaufen kann. Bei Steckmasten stecken wir deshalb die losen Enden einfach unten in den offenen Mast. 

Beleuchtung testen

Vor dem Maststellen sollte eine Funktionsprüfung für alle Lampen erfolgen. Ich verwende dazu bei 12-Volt-Anlagen einen einfachen Bohrmaschinenakku mit 10,8, 12 oder 14 Volt. Bei normalen Leuchtmitteln muss man nicht auf die Polung achten, diese leuchten immer, wenn sie in Ordnung sind. Sollten LEDs nicht leuchten, muss man einmal die Polung vertauschen; wenn sie dann nicht leuchten, sind sie kaputt. Das funktioniert aber nur mit offenen Kabelenden. Falls ein Stecker auf ihnen montiert ist, kann man sich einen Adapter mit einem Gegenstecker bauen, an dem dann offene Enden sind. 

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Leuchtmittel prüfen: Alle Lampen an Bord einmal anschalten. Die Lampen am Mast vor dem Stellen separat mit einem Akku einmal testen

Die Lampen selbst, am Mast und an Deck, sollte man sich auch ansehen: ob die Kontakte zu den Leuchtmitteln korrodiert sind. Das Hauptproblem sind aber blinde Lampen, wenn der Kunststoff der Fenster schon spröde ist. Diese haben dann nicht mehr die vorgeschriebene Leuchtstärke und müssen ersetzt werden. Gegen das Verspröden kann man leider nichts machen. 

Das gilt auch für die Gehäuse der elektronischen Anzeigen an Deck. Deren bester Schutz sind die Abdeckhauben, diese gehören bei Nichtgebrauch über die Geräte. Ärgerlich sind bei älteren Geräten verkratzte Displays, die eine Anti-Reflexions-Beschichtung hatten. Durch Salz und Sonneneinstrahlung sowie mechanische Reinigung kann diese Beschichtung beschädigt werden. Irgendwelche Pflegemittelchen helfen da nicht – höchstens, die Beschichtung ganz zu entfernen. Dann spiegelt das Display zwar mehr, dafür sieht man überhaupt wieder etwas. Falls die Scheiben gesprungen sind, kann man diese nicht reparieren, das gilt auch für aktuelle Geräte. Denn sie sind meist mit dem Gehäuse verklebt. 

Bei elektrischen Motoren unterliegen die Kohlebürsten einem Verschleiß. Bei Bugstrahlrudern sind diese oft von außen zugänglich oder sichtbar. Dort kann man die Abnutzung kontrollieren. Bei Ankerwinden und elektrischen Winschen ist das schwieri- ger, da diese Motoren weiter gekapselt sind. Sie müssten zur Prüfung zerlegt werden. 

Kabelenden isolieren

Am meisten Ärger bereiten im Außenbereich nicht ordentlich geschützte Kabelverbindungen – etwa, wenn der Bugkorb wegen einer Verbeulung abgebaut werden muss. Dann schneidet mancher die Kabel im Ankerkasten ab und nachher werden sie wieder irgendwie verbunden, mit Quetschverbindern oder Lüsterklemmen. So etwas korrodiert schnell oder hängt gar im Wasser. Solche Stellen sollten mit Schrumpfschlauch ordentlich isoliert und abgedichtet werden. 

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Steckverbindungen prüfen: Mit wenig Zug an den Steckern wackeln, ob es lose Verbindungen gibt. Auch auf Korrosion oder Schmorstellen achten

Steckverbindungen prüfen 

Dazu die Schalttafel in der Naviecke öffnen und eine Sichtkontrolle durchführen. Vor allem darauf achten, ob irgendwo Wasser eingedrungen ist und ob es Schmorstellen gibt. Das kann man eventuell riechen. An den Kabelenden etwas wackeln und ziehen; wenn man ein Kabel in der Hand hat, muss die Verbindung überarbeitet werden. 

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Kabelanschlüsse ansehen: In der Bilge und am Kühlschrank können Kabelverbindungen korrodieren. Diese Bereiche gründlich in Augenschein nehmen

Die Kabel, welche durch das Boot laufen, ebenfalls einer Sichtkontrolle unterziehen. Sie sollten keine Verbindungen haben, an die Wasser gelangen kann, also im Bilgebereich. Auch auf Scheuerstellen achten, wo die Kabel durch Bodengruppen geführt sind. Besonderes Augenmerk gilt immer den Steckverbindungen an der Bilge- oder Was- serpumpe sowie am Kühlschrank. Dort kann es zu Korrosion kommen. Die Steckkontakte sollten auf festen Sitz überprüft werden, diese ruhig auch einmal abziehen und die Steckzungen am Gerät untersuchen, ob sie noch intakt sind. Hat sich auf ihnen eine Korrosionsschicht gebildet, kann es zu Unterspannung kommen.

Zum Reinigen empfehle ich Messingbürstchen. Schleifpapier sollte man nicht verwenden, da damit schnell die Beschichtung der Kontakte entfernt wird, welche dann umso schneller korrodieren. Beim Zusammenstecken kann etwas Wet.Protect aufgebracht werden.

Funktionsprüfung durchführen 

Alle elektrischen und elektronischen Geräte einmal einschalten. Beim GPS macht das aber nur Sinn, wenn das Boot im Freien steht. Zur Wartung gehört auch eine Software-Aktualisierung, sowohl für die Seekarte als auch für die Betriebssysteme. Die meisten Hersteller veröffentlichen auf ihren Internetseiten, ob es etwas Neues gibt und eine An- leitung zu Installation des Updates. 

Wenn ein Blitzschutz vorhanden ist, überprüfen, ob dessen Enden noch fest mit dem Rigg, meist den Püttingeisen, und den Kielbolzen verbunden sind. 

Beim Landanschluss sehe ich wiederholt einen groben Fehler: Manche installieren eine zweite Dose, etwa im Ankerkasten, wenn sich die originale am Heck befindet, sie aber viel in Boxen mit dem Bug zum Steg liegen. Das Kabel wird einfach parallel zum anderen angeschlossen. Das führt dazu, dass immer an beiden Steckern Spannung anliegt.

Das ist gefährlich, da es sich am Boot um männliche Stecker handelt, bei denen man die Kontakte anfassen kann. So etwas geht nur mit einer manuellen oder automatischen Umschaltung, bei der der zweite Anschluss spannungsfrei geschaltet wird. 

Das Landstromkabel sollte man sich auch einmal anschauen, ob die Isolierung noch überall intakt ist und ob diese schon zu brechen beginnt. Ist das der Fall, ist es besser, lieber gleich das ganze Kabel zu ersetzen anstatt daran herumzuflicken. 

Den Geber der Logge nicht vergessen: Nach dem Ziehen können die Dichtungsringe mit einem Silikon-Fett versehen werden, damit sich der Geber bei Bedarf immer leicht ziehen lässt. Das Paddelrad von Bewuchs befreien und dessen Rundlauf kontrollieren. Die Achsen schleifen sich mit der Zeit wegen der Sedimente im Wasser dünner, dann eiert das Rad auf der Achse, und die Anzeige wird unzuverlässig. Rad und Achse lassen sich mit entsprechenden Ersatz-Kits leicht austauschen. Manche pinseln die Paddelräder dünn mit Antifouling gegen Bewuchs ein. Das kann man ausprobieren. Dabei sollte aber eher Antifouling auf Wasserbasis verwendet werden, da Lösungsmittel den Kunststoff angreifen können. 

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Artikelstrecke Auswintern wie ein Profi


Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

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