Saisonstart

Auswintern wie die Profis: Rumpf, Elektrik, Motor, Beschläge – Teil 2

Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

Peter Kohlhoff, Experte für Ruder­anlagen (Kohlhoff GmbH in Kiel, Fach­großhandel für Decks­ ausrüstung): "Winschen lieber zu oft als zu wenig warten" 

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Peter Kohlhoff

Auch auf hochwertigen Edelstäh­len sieht man häufig Flugrost, weil die Oberfläche durch Alte­rung, Sonneneinstrahlung und Salz porös geworden ist. Gegen Flugrost gibt es sehr gute Pflegemittel, direkt von den Be­schlagsherstellern oder im Fachhandel. Ich benutze Collinite 850 Metal Wax aus den USA, welches im Fachhandel oder im Inter­net erhältlich ist. Damit und mit einem Mi­krofasertuch können alle Edelstahlober­flächen wie Relingsstützen oder Bug­- und Heckkörbe, Schweißnähte oder Spanner po­liert werden, dann ist die Oberfläche glatt, und es kann sich nicht so leicht Flugrost bil­den. Das kann man auch während der Sai­son immer mal nebenbei machen. 

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Edelstahl polieren: Damit sich auf rauen Oberflächen kein Flugrost festsetzt, sollten alle Edelstahlteile an Deck regelmäßig poliert werden

Altes Fett entfernen

Winschen sollte man etwa alle 10 000 Seemeilen pflegen und warten. Aber lieber einmal zu viel als zu spät. Dazu die Trommel abnehmen und die Getriebeteile, Klinken und Federn herausnehmen. Dabei Fotos von den einzelnen Schritten machen, damit man nachher alles wieder zusammenbekommt, denn oft hat man die Wartungsanleitung nicht parat. Dann das alte Fett und Schmutz von allen Zahnrädern und den Klinken mit Waschbenzin, Petroleum oder Bremsenrei­niger, also einem Fettlöser, mit einer Zahn­büste und Lappen entfernen. Dabei aufpas­sen, dass keine Fettspritzer auf das Deck ge­langen. Dazu kann man den Bereich um die Winsch mit Lappen oder Tüchern abdecken. 

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Winschen: Trommel und Getriebeteile reinigen und neu einfetten

Wir verwenden eine Plastikschüssel, um alle Teile dort hineinzulegen, damit nichts weg­ rollt oder abhanden kommt. 

Zur Winschenwartung sollte man sich im Fachhandel das entsprechende Wartungs­-Kit besorgen, die kosten 30 bis 40 Euro pro Winsch, und die darin enthaltenen Teile austauschen, besonders die Klinken und Fe­dern. Das wird viel zu selten gemacht; da gilt, je öfter, desto besser. Damit tut man sei­ner Winsch etwas sehr Gutes. Abschließend alles mit hochwertigem Winschenfett, mög­lichst des Herstellers, wieder mit Bedacht neu schmieren. Nicht "viel hilft viel", sondern in Maßen fetten. Vor allem dürfen die Klinken nicht mit Fett verklebt werden. 

Travellerschienen und ­-wagen sowie Mastschienen sollten gereinigt und mit ei­nem Teflon-­Trockenschmiermittel eingesprüht werden. Sie laufen dann wie neu. 

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Funktion prüfen: Alle Stopper, Klemmen und Blöcke auf ihre Leichtgängigkeit testen, bei Bedarf reinigen und trocken schmieren

Die Fallenstopper ebenfalls auf Funktion prüfen, ob sie noch richtig schließen oder ir­gendwo etwas gebrochen ist. Auch sie kann man vorsichtig mit Teflonspray behandeln, dabei aber aufpassen, dass nichts auf die Ba­cken gelangt, sonst rutscht das Tauwerk. Blöcke und Klemmen kann man auch über­prüfen und mit klarem, heißem Wasser im Waschbecken mit einer Wurzelbürste reini­gen, trocknen lassen und mit etwas Teflon­spray einsprühen. 

Falls Relingsstützen verbogen sind, diese im Zweifel austauschen statt sie geradezu­ biegen, da schon Brüche vorhanden sein können. Bei der Gelegenheit die Relings­drähte überprüfen und nach zehn Jahren austauschen. Der gesamte Zaun ist sicher­heitsrelevant, da legen die Eigner viel zu we­nig Augenmerk drauf. 

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Artikelstrecke Auswintern wie ein Profi


Lars Bolle/Karolina Meyer-Schilf am 07.04.2020

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