Versicherung
Schutz für die Gadgets an Bord

Kamera, Tablet-PC, Smartphone und Co. lassen sich neuerdings gegen die größte Gefahr für elektronische Geräte auf See versichern: Nässe

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 23.08.2013

YACHT/ H. Schmidt Smartphone. Robust, aber nicht wirklich wasserdicht

Nur mal eben schnell das teure Notebook ins Cockpit geholt, schon ist es passiert: Überkommendes Spritzwasser setzt das Gerät außer Gefecht. Auch Smartphones, Digitalkameras, Camcorder, Tablet-Computer, MP3-Player, Gameboys und andere technische Spielereien, die heutzutage auf vielen Yachten längst zum Törn-Equipment zählen, sind in der Regel extrem anfällig für eindringende Feuchtigkeit.

Natürlich gibt es wasserdichte Schutzhüllen. Allerdings zeigen nicht zuletzt die Tests in der YACHT, dass nicht alle Produkte die Geräte so trocken halten wie versprochen. Und Hand aufs Herz, wer packt das Smartphone immer eigens in die Schutzhülle, nur weil er mal eben ganz kurz ins Cockpit will, weil dort der Empfang besser ist?

YACHT / M.-S. Kreplin Volle Ladung. Einmal nicht aufgepasst, ist das Smartphone verloren. Schutz bieten gute, aber leider nicht alle Hüllen

Wie viele Handys, Kameras und Co. jedes Jahr beim Segeln der Nässe zum Opfer fallen – sei es, weil sie an Deck Wasser abbekommen oder gar über Bord fallen –, ist nicht bekannt. Es dürften aber einige sein. Der Ärger darüber ist dann meist groß.

Selbst wenn ein elektronisches Gerät "nur" von Regen oder Gischt in Mitleidenschaft gezogen wird, ist eine Reparatur häufig so teuer, dass eine Neuanschaffung vorteilhafter erscheint.

Ein Versicherungsanbieter will für diesen und weitere Fälle nun Abhilfe schaffen. Die Financial Management GmbH aus Offenbach bietet unter dem Namen Schutzpakete.de eine Art Schutzbrief für sämtliche elektronische Geräte an Bord an. Er kann bis 30 Tage nach Kauf eines neuen Gerätes online abgeschlossen werden und hat eine Gültigkeitsdauer von zwei Jahren. Danach läuft er automatisch aus, eine Kündigung ist also nicht erforderlich.

Abgesichert sind außer Feuchtigkeitsschäden auch Fall- und Stoßschäden. Wem die teure Digitalkamera also zum Beispiel in bewegter See aus der Hand gleitet, der ist ebenfalls abgesichert, wenn das Gerät den Aufprall auf dem Cockpitboden nicht unbeschadet übersteht.

Kein neues Gerät, sondern gleichwertiger Ersatz

Bevor man nun allerdings gleich zur Maus greift und den Schutzbrief abschließt, sollte man wissen: Im Schadensfall hat man keinen Anspruch auf einen neuwertigen, sondern lediglich einen gleichwertigen Ersatz. Zudem wird zunächst seitens der Schutzbriefanbieter versucht, das Gerät reparieren zu lassen. Dazu muss der Versicherte binnen einer bestimmten Frist nach Eintritt des Schadens online ein Schadensformular ausfüllen und erhält dann eine Werkstatt genannt. Dieser muss er das defekte Gerät dann zusenden.

Wie lange er auf eine Reparatur oder die Auskunft warten muss, dass das Gerät unwiederbringlich zerstört ist, wird in den Versicherungsbedingungen nicht genannt. Auch von einem Ersatzgerät während der Dauer der Reparatur ist seitens der Schutzbriefanbieter keine Rede.

Ist eine Reparatur tatsächlich nicht möglich oder nicht wirtschaftlich, wird ein "Gerät gleicher Art und Güte" als Ersatz gestellt, "wobei der Gerätetyp als auch das Alter einbezogen werden". Sollte kein entsprechendes Ersatzgerät geliefert werden können, wird alternativ eine "Neukaufbeteiligung abhängig vom Zeitwert des Gerätes" ausgezahlt. Diese "Neukaufbeteiligung" ist gedeckelt, sie beträgt im ersten Jahr ab Gerätekauf 70 Prozent des Kaufpreises und im zweiten Jahr ab Gerätekauf 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises.

Nachrechnen lohnt

Das Ganze ist also ein Rechenexempel: Wer zum Beispiel ein rund 900 Euro teures iPhone 5 (64 GB) absichern will, zahlt für den Schutzbrief 99,95 Euro. Macht rund 50 Euro pro Jahr. Bei einem irreparablen Schaden im ersten Jahr gäbe es eine "Neukaufbeteiligung" in Höhe von maximal 630 Euro beziehungsweise ein Ersatzgerät mit entsprechendem Wert, im zweiten Jahr läge die "Neukaufbeteiligung" bei höchstens noch 450 Euro. Abziehen muss man davon noch die Schutzbriefprämie. Bleiben für den Versicherten unterm Strich 530 beziehungsweise 350 Euro Entschädigung.

Ein preislich entgegengesetztes Beispiel verdeutlicht, dass sich der Schutzbrief wenn überhaupt nur für solch hochwertige Geräte lohnt: Die Digitalkamera Casio Exilim EX-N1 kostet rund 70 Euro, der Schutzbrief für dieses Gerät knapp 30 Euro. Schlägt nach einem Defekt eine Reparatur fehl, gibt es als Entschädigung im ersten Jahr maximal 49 Euro, im zweiten Jahr 35 Euro. Zieht man davon die Schutzbriefprämie ab, bleibt nicht mehr viel übrig.

Und für Segler vielleicht noch wichtiger zu beachten: Der Schutzbrief deckt nicht den Totalverlust. Fällt ein Gerät über Bord, gibt es weder Ersatz noch Geld.

Gegenüber der YACHT erklärte der Schutzbriefanbieter aber, dass sich auch solch ein Schadensereignis auf Wunsch absichern ließen. Die Prämien dafür müssen dann allerdings individuell verhandelt werden.

Gleiches gilt, wenn für die Navigationselektronik ein Schutzbrief abgeschlossen werden soll. Denn wichtiger als das Notebook oder Smartphone ist für Skipper vielleicht ja doch das GPS-Handy oder der Kartenplotter.


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