Versicherung
Böses Erwachen für manches Sturmopfer

Orkan Christian hat viele Bootseigner getroffen. Die Schäden gehen in die Hunderttausende, wenn nicht gar Million Euro. Wer kommt dafür auf?

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 31.10.2013

Pantaenius Unter Bäumen begrabene Yacht

Der Wind über dem Norden der Republik, der zu Wochenbeginn nahezu das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen brachte, hat sich längst gelegt. Vergessen wird ihn mancher aber noch lange nicht. Denn nun geht es vielerorts ans Aufräumen.

Nicht wenige müssen zudem eine Bestandsaufnahme der erlittenen Schäden vornehmen, darunter viele Bootsbesitzer. Im Orkan Christian wehten schließlich nicht nur zahlreiche Hausdächer davon, wurden Bäume entwurzelt oder Gärten verwüstet. Auch in manchen Yachthäfen und Winterlagern hat der Wind beträchtliches Unheil angerichtet ( die YACHT berichtete ).

Immenses Schadensausmaß

Auf welchen Betrag sich die Schäden am Ende summieren, ist derzeit noch nicht abzusehen. Glimpflich wird die Bilanz aber nicht ausfallen, so viel zeichnet sich laut Aussagen der großen Yachtversicherer schon ab. "Schiffe, die im Sturm vom Lagerbock gefallen sind, müssen zwar nicht gleich einen Totalschaden davongetragen haben. Der Reparaturaufwand wird dennoch immens sein", sagt etwa Andreas Medicus von der Hamburger Yachtversicherung Schomacker . Wie hoch im Einzelfall genau, dies festzustellen ist in den kommenden Tagen und Wochen Aufgabe von Gutachtern und Sachverständigen.

Die haben bereits ihre Arbeit aufgenommen, während sich bei den Versicherern immer noch weitere betroffene Eigner melden. Bis Mittwochnachmittag gingen allein beim größten deutschen Bootsversicherungsvermittler Pantaenius über 100 Schadensmeldungen ein, mehr als die Hälfte davon beim dänischen Büro. Kein Wunder, wurden im Nachbarland doch Windgeschwindigkeiten über 190 km/h gemessen. Entlang der deutschen Küste waren es "nur" 160 km/h.

Die gemeldeten Schäden verteilen sich gleichermaßen auf Nord- und Ostsee. Hauptsächlich seien Schiffe betroffen gewesen, die bereits an Land waren, also im Freilager oder in der Halle standen. Insbesondere seien Persenninge und Sprayhoods weggeflogen und zerrissen. Bäume sind auf Yachten gestürzt. Und in einem Fall ist eine Segelyacht aus bislang ungeklärter Ursache im Hafen gesunken, so eine erste Zwischenbilanz von Pantaenius.

Ohne Kasko kein Geld

Glück im Unglück haben all die vom Sturm betroffenen Yachteigner, die eine Bootskaskopolice abgeschlossen haben. Sie können in der Regel davon ausgehen, dass ihre Versicherung für die Schäden aufkommt. Wer hingegen nicht versichert ist oder lediglich einen Bootshaftpflichtvertrag unterschrieben hat, bleibt in den meisten Fällen auf seinem Schaden sitzen. Etwa dann, wenn die Yacht vom Lagerbock geweht oder vom Sturm im Hafen gegen Kaimauern oder Steganlagen gedrückt worden ist.

Und selbst, wenn gar nicht der Sturm direkt, sondern etwa eine andere umgestürzte Yacht Schäden am eigenen Schiff verusacht hat, gibt es im Normalfall nur mit einer Haftpflichtpolice kein Geld. Weder von der eigenen und eben auch nicht von der gegenerischen Haftpflicht, wie viele irrtümlich glauben.

"Nach dem im deutschen Recht geltenden Grundsatz der Verschuldenshaftung haftet ein Bootseigner nur für Schäden, die durch sein eigenes schuldhaftes Verhalten herbeigeführt wurden. Die Bootshaftpflicht-Versicherung reguliert demzufolge auch nur Schäden, bei denen die Ansprüche des Geschädigten gegen den Schadenverursacher wegen fahrlässigen Verhaltens berechtigt sind", erklärt Thomas Gibson von Firmenich Yachtversicherungen .

Gegnerische Haftpflicht muss selten zahlen

Gibson weist in diesem Zusammenhang ferner darauf hin: "Fahrlässigkeit liegt dann vor, wenn gemäß Paragraf 276 BGB die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird – was vom Geschädigten zu beweisen ist." Kann also nicht dargelegt werden, dass das Nachbarboot, das aufs eigene Schiff gekippt ist, nicht ordnungsgemäß aufgepallt war, geht man als Geschädigter leer aus.

Sogar wer sein Schiff in der Halle untergebracht hat, ist ohne Kaskopolice nicht auf der sicheren Seite. Stürzt zum Beispiel das Hallendach infolge des Sturms ein und begräbt die darunter gelagerten Boote, ist in vielen Fällen weder vom Hallenbetreiber noch von dessen Versicherung auch nur ein Cent zu holen. Der Grund: Im Kleingedruckten der meisten Lagerverträge schließen die Lagerbetreiber jegliche Haftung aus.

Ob entsprechende Klauseln tatsächlich juristisch wasserdicht formuliert sind, muss im Zweifel vor Gericht geklärt werden. Nur wenn die Richter dies verneinen, hat man ohne eigene Kaskopolice Chance auf eine Entschädigung seitens der Haftpflicht des Lagerbetriebs. Ein aufwändiges Unterfangen.

Und nicht nur das. Selbst wenn eine gegnerische Haftpflichtversicherung erfolgreich zur Kasse gebeten werden kann, begleicht die immer nur den Zeitwert beschädigter Ausrüstung oder, im Falle eines Totalschadens, des Schiffs. In einer guten Kaskopolice sind hingegen entsprechende Abzüge "neu für alt" ausgeschlossen. Und mit einer als festen Taxe vereinbarten Versicherungssumme kann man sicher sein, im schlimmsten Fall tatsächlich die im Vertrag festgeschriebene Summe zu erhalten. Davon kann man sich dann zwar, abhängig vom Schiffsalter, auch kein neues, aber zumindest doch ein in etwa gleichwertiges gebrauchtes Boot kaufen.

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