A.W. Niemeyer

Traditionsmarke steckt Kurs neu ab

Ausrüster, Versicherer, Vercharterer, Berater, Finanzierer – A.W. Niemeyer verkündet ehrgeizige Expansionspläne in andere Wassersportmärkte

Pascal Schürmann am 02.06.2015
AWN Logo

 Hamburger Traditionsmarke: A.W. Niemeyer

Das Hamburger Traditionsunternehmen A.W. Niemeyer (AWN) erfindet sich neu. Bloß ein Yachtausrüster sein, wenn auch ein großer, damit möchte man sich nicht länger begnügen. Vor Kurzem bereits ist AWN ins Yachtversicherungsgeschäft eingestiegen (siehe YACHT 10/2015). Bald schon soll ein neuartiges Schutzbrief-Angebot mit umfangreichen Notfall-Assistance-Leistungen und Reise-Service für Bootseigner, technischer Beratung sowie praktischen Bootstrainings folgen – ganz ähnlich den ADAC-Offerten für Autofahrer. Und sogar der Yachtfinanzierungsmarkt ist in den Fokus von AWN gerückt. Ein spezieller Fondssparplan für alle, die Geld für ihr Traumboot auf die hohe Kante legen wollen, werde baldmöglichst aufgelegt.

Nicht zu vergessen der erst im vergangenen Herbst erfolgte Einstieg von Sun-Charter-Chef Marc Rosendahl als Mitgeschäftsführer bei AWN, der dem Yachtausrüster ebenfalls einen ganz neuen Kundenkreis erschließen soll, die Chartersegler. "Expansion in neue Geschäftsfelder und Märkte", so hatte AWN-Geschäftsführer Christian Hofmann seinerzeit schon begründet, warum man Rosendahl zusätzlich in die Unternehmensspitze geholt habe.

Chartersegler als neue AWN-Kunden

Anfang des Jahres dann die insbesondere für die Bootsversicherungsbranche überraschende Ankündigung einer eigenen AWN-Versicherungssparte. Beworben wird sie unter der Marke Niemeyer Insurance. Statt sich dafür einen der bestehenden Policen-Anbieter als Vertriebspartner zu suchen, entschieden Rosendahl und Hofmann, das Thema völlig neu anzugehen. Besser und günstiger als alles, was es bisher am Markt gebe, wolle man sein, hatte Rosendahl schon im Februar gegenüber der YACHT selbstbewusst betont. Nun hat AWN die Bedingungswerke für eine Bootshaftpflicht und eine Bootskasko vorgelegt. Versicherungen für Chartersegler als auch für Charterflottenbetreiber sollen bis Herbst folgen.

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AWN-Zentrale in Hamburg

Der Blick in die Bedingungswerke offenbart, dass auch die Hamburger das Rad nicht neu erfinden können. Gleichwohl lässt das Kleingedruckte kaum Lücken in puncto Versicherungsschutz erkennen. Allgefahrendeckung, feste Taxe, keine Abzüge neu für alt, volle Versicherungssumme auch bei Personen- und Sachschäden, üppig bemessene Absicherung der persönlichen Effekten, Verzicht auf die Selbstbeteiligung bei bestimmten Schadensereignissen, Deckung jeglicher Bergungs- und Wrackbeseitigungskosten bis zu 2,5 Millionen Euro, Gewährung von Schadenfreiheitsrabatten inklusive Rabattretter – alles da, was eine Bootsversicherung heutzutage beinhalten sollte.

Bei der Ausarbeitung der Paragrafen hat man sich offensichtlich an den Angeboten der Marktführer orientiert, hier und da ein wenig mehr dazugegeben, dafür an anderer Stelle auf das eine oder andere Goodie verzichtet. Ein solides Werk – und zweifellos konkurrenzfähig. Denn da ist ja auch noch die zweite Vertragskomponente: der Preis. "Bei den Prämien zählen wir zu den preiswertesten Anbietern am Markt", sagt Thomas Zedler. Da rangieren wir etwa im oberen Viertel der günstigsten Bootsversicherer. Selbst die Offerten von reinen Online-Versicherungsvermittlern seien bei gleicher Leistung teurer als die von Niemeyer Insurance.

Wuppertaler Maklerbüro als Partner

Zedler ist Leiter des Industrieversicherungsgeschäfts des Wuppertaler Versicherungsmaklers Schnur & Partner. Den haben sich die AWN-Geschäftsführer Hofmann und Rosendahl für die neue Bootsversicherungssparte ins Haus geholt. Schnur ist zwar bis dato kein versierter Wassersportversicherer. Aber: "Unser Schwerpunkt liegt seit jeher darauf, Versicherungslösungen für sehr spezielle Branchen zu entwickeln, wozu auch die Bootsbranche zählt", so Oliver Schnur. "Insofern sind wir in der Lage, auch für einen für uns weitgehend neuen Markt erstklassige Bedingungswerke zu entwickeln."

Niemeyer Insurance Logo

Das Logo der neuen AWN-Versicherung

Zumindest diesen Beweis hat er erbracht. Wie aber steht es um den Vertrieb und mehr noch, weil für die Versicherten ungleich wichtiger, um die Schadensabwicklung und -regulierung? Hinsichtlich beider Punkte hat Schnur bereits Fakten geschaffen. Zunächst beruhigt er jedoch, indem er betont, dass künftig keinesfalls jeder Niemeyer-Verkäufer dazu angehalten sei, den Kunden, selbst, wenn die nur einen Schäkel kaufen wollten, gleich auch eine Versicherung anzubieten.

"Wir werden das AWN-Personal schulen, damit es kompetent Auskunft über das neue Policen-Angebot geben kann. Einen konkreten Vertrag arbeiten dann aber spezialisierte Vertriebsleute gemeinsam mit dem Kunden aus." Zu diesem Zweck nutze man die Außendienstler der Bayerischen Versicherung. Die seien in ganz Deutschland vertreten und würden bereits fit gemacht, künftig auch die Niemeyer-Policen zu verkaufen. "Unser Ziel ist es, bald in jeder großen Marina an der Küste und in jeder Niemeyer-Filiale vertreten zu sein", sagt Schnur. Und auch hinsichtlich der Schadensregulierung hat er klare Vorstellungen: "Die bleibt bei uns im Haus!" Auch wenn man bei der Schadensbearbeitung bei Bedarf unter anderem auf das Wassersport-Know-how der Mannheimer zurückgreifen werde, müsse kein Versicherter fürchten, sich im Schadensfall direkt mit einer Versicherung auseinandersetzen zu müssen."

Kulanz gegenüber AWN- und Sun-Charter-Kunden

Vor allem aber, so Schnur: "Wir werden uns natürlich sehr genau überlegen, ob wir einem guten AWN- oder Sun-Charter-Kunden die Regulierung eines Schadens kürzen oder gar verweigern. Im Zweifel werden wir da sicherlich eher kulant sein."

Um speziell junge Leute zum Sparen auf ein eigenes Boot zu animieren, werde man einen Fondssparplan anbieten, der von der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank aufgelegt werde. Interessenten könnten dabei aus vielen unterschiedlichen Fonds wählen, die ohne oder mit minimalen Ausgabeaufschlägen vermittelt würden. Um das Ganze noch attraktiver zu machen, soll es zu diesem sogenannten Bootssparplan ein zusätzliches Kreditkartenangebot geben. Als Partner hierfür hat man die Sparkassen gewonnen.

Die Karte werde mit einer Cashback-Funktion versehen, sodass die Nutzer beispielsweise in vielen Online-Shops mit Rabatt einkaufen könnten, so Schnur. Außerdem sei es denkbar, fügt Rosendahl hinzu, dass beispielsweise gute AWN- oder Sun-Charter-Kunden Guthaben auf ihren Bootssparplan gutgeschrieben bekämen. Dies, so glaubt Rosendahl, seien "allesamt überzeugende Vorteile, welche die Kunden aus dem neuen Verbund von Ausrüster, Versicherer, Vercharterer und künftig auch Bootsfinanzierer ziehen können".

Pascal Schürmann am 02.06.2015

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