Bootskaskopolicen

Pantaenius muss Preise erhöhen

Deutschlands größter Yachtversicherer hebt die Prämien im Schnitt um über zehn Prozent an. Andere wollen gegebenenfalls nachziehen

Pascal Schürmann am 15.08.2014
Segelboot leck

Leckage im Flachwasser. Glück im Unglück, Hauptsache gut versichert

Unangenehme Post erhalten derzeit die ersten Yachteigner, die für ihr Boot über den Hamburger Versicherungsvermittler Pantaenius eine Kaskopolice abgeschlossen haben. Rund 7000 der insgesamt etwa 70.000 Kunden wird in einem Schreiben mitgeteilt, dass mit dem nächsten Hauptfälligkeitstermin eine Anpassung der Prämie erfolge.

Wer von den Betroffenen Glück hat, kommt mit einer Preisanhebung von unter fünf Prozent davon. Die meisten der Angeschriebenen aber müssen sich auf eine Steigerung von im Schnitt 10 bis 15 Prozent gefasst machen. Zahlreiche Versicherte trifft es allerdings auch deutlich härter. In der Spitze fällt die Prämienerhöhung um bis zu 24 Prozent aus.

Bootshalle an der Scharfen Lanke in Flammen

Gefürchteter Großschaden: Brand im Winterlager

Das heißt, wer bislang beispielsweise für seine Bootskasko 300 Euro im Jahr bezahlt hat, wird im Maximalfall künftig über 70 Euro mehr an die Versicherung überweisen müssen.

Pantaenius-Marketing-Managerin Margit Bursinski begründet die Verteuerung mit in den zurückliegenden Jahren gestiegenen Schadensquoten. Vor allem Großschäden wie Hurrikans oder auch schwere Stürme hierzulande sowie mehrere verheerende Brände in Winterlagern hätten das Geschäft zuletzt stark belastet. "Die Versicherungsgesellschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, haben uns schließlich vorgegeben, eine Anpassung der Prämien vorzunehmen", so Bursinski.

Erste Prämienerhöhung seit elf Jahren

Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass dies die erste Prämienerhöhung für Bestandskunden seit elf Jahren sei. In dieser Zeit, das bestätigen auch andere Bootsversicherungsmakler, habe sich nicht nur die Zahl der Schäden erhöht. Vielmehr seien die Kosten für Reparaturen und Ersatzteile immens gestiegen, sodass die Regulierung jedes einzelnen Schadens die Versicherungen heute deutlich teurer komme als noch vor fünf oder zehn Jahren.

Die Pämienanpassung bei den betroffenen zehn Prozent der Bestandskunden nimmt Pantaenius Zug um Zug vor. Bursinski: "Wir schreiben jeden Kunden vier Monate im Voraus an, bevor die nächste Jahresprämie fällig wird." Die ersten Schreiben habe das Unternehmen Ende Mai versendet. Die meisten der über Pantaenius Versicherten werden allerdings erst ab Ende diesen, Anfang nächsten Jahres von der konkreten Erhöhung ihrer individuellen Prämien erfahren, da die Hauptfälligkeiten für das Gros der Versicherungsverträge naturgemäß im Frühjahr liegt.

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Yachten, die einem Hurrikan zum Opfer gefallen sind. Für die Versicherer ein hohes Risiko

"Wir sind absolut gesprächsbereit und bieten denjenigen Kunden an, die von besonders hohen Prämienanhebungen betroffen sind, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen", sagt Margit Bursinski. Beispielsweise ließe sich durch eine Anhebung der Selbstbeteiliung die Prämie senken. Bislang habe man bei Pantaenius solche Gespräche aber kaum führen müssen. Lediglich vier Prozent der schon informierten Kunden hätten sich über die Erhöhung beklagt. 

Bursinski: "Das sind meist Bootseigner, die von einer überdurchschnittlichen Preissteigerung betroffen sind." Darunter können zum einen langjährige Kunden fallen, die vor zehn, 15 oder noch mehr Jahren Policen zu seinerzeit äußerst günstigen Konditionen abgeschlossen haben und deren Prämien seither nahezu unverändert niedrig geblieben sind. Dies sei insbesondere bei vielen Gruppenverträgen der Fall.

Die anderen, die es nun besonders hart trifft, sind die Bootsbesitzer, die etwa in der Karibik segeln. Oder die einen bei Dieben besonders beliebten Yachttyp ihr Eigen nennen. Oder die ein Schiff segeln, das besonders häufig zu Schaden kommt, wie dies zum Beispiel in bestimmten Jollen- und Sportkatamaran-Klassen der Fall ist.

Des einen Leid, des anderen Freud?

Die Reaktion der Konkurrenz auf die Prämienanpassung von Pantaenius ist gespalten. Zu den Befürwortern gehört unter anderem Thomas Gibson von Firmenich Yachtversicherungen. Er gibt für seine Kunden zwar Entwarnung: "Unsere Versicherer haben uns bislang nicht aufgefordert, die Prämien anzuheben. Und so etwas wird bei uns auch nicht von heute auf morgen passieren." Dennoch sei für ihn die Maßnahme von Pantaenius durchaus nachvollziehbar. Gibson: "Die Prämien müssen auskömmlich sein. Wenn die Versicherungsgesellschaften nichts mehr an den Verträgen verdienen, kann das über Jahre hinweg nicht funktionieren."

Reparatur. Die Schadensregulierung ist für die Versicherer immer teurer geworden

Deutlich zurückhaltender reagieren dagegen Makler wie die Hamburger Yachtversicherung Schomacker oder auch die Bavaria Yachtversicherung. Prokurist Markus Wolf von Bavaria stimmt zwar zu, dass die Kosten zur Regulierung von Schäden enorm gestiegen sind. Er sagt aber auch: "Auch wir hatten einige Großschäden zu verzeichnen. Die wirken sich aber nicht derart drastisch auf unseren gesamten Kundenbestand aus."

Wenn das wie von Pantaenius als Begründung der Prämienerhöhung angeführt der Fall sei, dann sei vermutlich lange schon insgesamt nicht mehr mit adäquaten Prämien gearbeitet worden. "Bei so vielen Bestandskunden, wie sie Pantaenius hat, dürfen sich selbst mehrere Großschäden nicht derart negativ bemerkbar machen", so Wolf.

Zu aggressiv um Marktanteile gekämpft?

Hinter dieser und ähnlicher Äußerungen anderer Wettbewerber steckt implizit der Vorwurf, der Hamburger Branchenriese habe in der Vergangenheit mittels Kampfpreisen, die eben keine auskömmlichen Prämien mehr zuließen, zu aggressiv um Marktanteile gekämpft. Dafür bekomme Pantaenius nun die Quittung. Wolf etwa sagt, ohne Namen zu nennen: "Im Gegensatz zu manch anderem Anbieter gehen wir nicht jedes Risiko ein. Wir lehnen Kunden auch schon mal ab."

Und Volker Reichelt, geschäftsführender Gesellschafter von der Hamburger Yacht-Versicherung, berichtet: "Insbesondere im Charterflotten-Versicherungsgeschäft sind vernünftige Prämien kaum noch durchsetzbar." Dort würden viel zu günstige Verträge geschlossen, nur um das Massengeschäft zu machen. Wer hingegen mit für beide Seiten fair kalkulierten Prämien arbeite, müsse nun auch nicht erhöhen.

Er gibt zu, dass man selbst im Charterflottengeschäft auch das ein oder andere Problem habe. Aber, so Reichelt: "Für Fahrtensegler, insbesondere für die an Nord- und Ostsee, die bei uns eine Kaskopolice abgeschlossen haben, sehen wir aktuell keinerlei Handlungsbedarf, die Preise anzuheben."

Das verkündet auch Stephan Neubacher, Juniorchef vom in Schwerin ansässigen Yachtversicherungsmakler Neubacher. Auf eine erste Anfrage hin erklärt er zwar, man sei tatsächlich derzeit in der Planung einer rund zehnprozentigen Prämienerhöhung. Die war anderntags dann aber plötzlich doch wieder vom Tisch. "Unsere Prämien bleiben, wie sie sind", sagt Neubacher heute. Das hätten kurzfristig anberaumte Gespräche mit den Versicherungspartnern ergeben.

Ein anderer großer Policen-Anbieter, die Esa, der Yachtversicherer der Allianz Deutschland, mochte sich auf Nachfrage zu dem Thema nicht konkret äußern. Nach Aussage von Martina Hellhoff, Chief-Underwriter bei der Esa, beobachte man jedoch ebenfalls ein Ansteigen der Schadenaufwendungen in den letzten Jahren. Ob und wie die Esa darauf reagiert, ließ Hellhoff offen.

Die Luft in der Bootsversicherungsbranche ist dünn

Nicht zuletzt die Reaktionen der beiden letztgenannten Anbieter zeigt, wie dünn die Luft in der Bootsversicherungsbranche geworden ist. Die Anbieter kämpfen mit mitunter harten Bandagen um Marktanteile. Weil aber Neugeschäft kaum noch zu machen ist, findet Wachstum fast ausschließlich über einen Verdrängungswettbewerb statt. Allein deshalb hat es von keinem der großen Anbieter seit Jahren Prämienerhöhungen gegeben, getreu dem Motto: Wer zuerst zuckt, verliert.

Das war zum Vorteil für die Kunden – so jedenfalls könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch in der Praxis sind die niedrigen Prämien nicht selten von den Versicherern an anderer Stelle wieder reingeholt worden. Und zwar dort, wo es den Kunden dann richtig weh tut: im Schadensfall. Die Klagen von Versicherten über schleppende oder unzureichende Regulierungen von Schäden, auch bei Anbietern, die jetzt sagen, sie müssten die Prämien nicht erhöhen, haben zugenommen.

Insofern ist das Signal, das von der Prämienerhöhung bei Pantaenius ausgeht, wohl das richtige. Und es dürfte trotz aller anderslautenden Aussagen letzten Endes wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die nächsten großen Policen-Anbieter nachziehen.

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Pascal Schürmann am 15.08.2014

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