Ratgeber

Die richtigen Policen für Mitsegler

Für alle, die auf Schiffen von Freunden oder Verwandten mitsegeln und die zwar mal die Pinne, nicht aber die Verantwortung übernehmen

Pascal Schürmann am 06.03.2013

Die Freiheit unter Segeln genießen, ohne Verantwortung tragen zu müssen: Mitsegler

Nach Paragraf 823 des Bürgerlichen Gesetz­buchs haftet jedermann in unbegrenzter Höhe für Schäden, die er anderen schuldhaft zufügt. Und zwar mit seinem gesamten gegenwärtigen und zukünftigen Vermögen.
Um dem vorzubeugen, gibt es die private Haftpflichtversicherung. Ohne eine solche Police sollte niemand durchs Leben gehen. Sie deckt die alltäglichen Risiken von Privatpersonen, das schließt die Haftung aus Sportausübung ein.

Wer bei Freunden mitsegelt, ob sporadisch oder regelmäßig, ist also mit der Privat­haftpflicht auf der sicheren Seite. Ausgenom­men sind je nach Versicherungsgesellschaft allenfalls gefährliche Freizeitbeschäftigun­gen wie Schießen, Segelfliegen oder bestimm­te Kampfsportarten. Und auch vorsätzlich her­beigeführte Schäden sind von der Leis­tungs­pflicht ausgeschlossen.

Schöne Bescherung. Entgegen den Anweisungen des Skippers gehandelt und das Boot gegen den Steg gesetzt: Das wird teuer!

Geht beispielsweise beim Törn aufgrund der Fahrlässigkeit eines Crewmitglieds teure Ausrüstung zu Bruch, wird das Boot beschädigt oder erleidet gar eine andere Person eine folgenschwere Verletzung, wird sich zwar zu­nächst der Skipper fragen lassen müssen, ob er seine Mannschaft korrekt angeleitet hat. Stellt sich jedoch heraus, dass er als Boots­führer alles richtig gemacht hat, wird der Verursacher zur Rechenschaft gezogen – beziehungsweise dessen Versicherung.

Experten empfehlen eine Deckungssumme von mindestens drei Millionen Euro für Personen- und Sachschäden sowie mindestens 500.000 Euro für Vermögensschäden.

Auch der Gebrauch von eigenen Booten fällt häufig generell oder ab einer bestimmten Größe nicht mehr unter den Versicherungsschutz. Wer nur auf anderen Schiffen mitsegelt, ist von solch einer Klausel aber nicht betroffen.

Darüber hinaus läuft auch ein Mitsegler Gefahr, sich an Bord zu verletzen. Unter Umständen so sehr, dass dauerhafte körperliche Beeinträchtigungen die Folge sind, die zum teilweisen oder völligen Verlust der Berufs- oder Erwerbsfähigkeit führen. Auch wenn sich ein Unfall nicht immer verhindern lässt, so kann man doch die finanziellen Folgen abmildern. Stichwort private Vorsorge. Wenigstens eine Unfallversicherung sollte ein Gelegenheitsmitsegler abgeschlossen haben, besser noch eine Berufsunfähigkeitspolice, um bei einem dauerhaften Verdienst­ausfall nicht allein auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein – die ohnehin dürftig ausfallen würde.

Eine Unfallversicherung springt bei Vorliegen einer vollen oder teilweisen Invalidität ein. Wird etwa ein Daumen beim Dichtnehmen der Schot in der Winsch derart eingeklemmt, dass er amputiert werden muss, resultiert daraus laut offizieller Gliedertaxe eine 20-prozentige Invalidität. Der Betroffene erhält ein Fünftel der vereinbarten Versicherungssumme.

So nicht! Niemals mit den Füßen versuchen, das Schiff abzuhalten. Böse Knochenbrüche drohen. Wehe, wenn dann bei dauerhaften Schäden keine Unfallversicherung einspringt

Die Leistung der Unfallversicherung soll den aus dem Unglücksfall resultierenden Lohnverlust ausgleichen, darüber hinaus erforderliche behindertengerechte Umbau­ten an Wohnung oder Haus decken und von der Krankenkasse oder dem Rentenversiche­rungsträger nicht übernommene zusätzliche Hilfsmittel oder Therapien ermöglichen.

Für die Höhe der Deckung stellt der Bund der Versicherten folgende Faustformel auf: 30-Jährige sollten das sechsfache, 40-Jährige das fünffache und 50-Jährige das vierfache Bruttojahreseinkommen absichern.
Unter www.bundderversicherten.de finden sich darüber hinaus weitere wichtige Aspekte, worauf jeder beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung achten sollte, wie die Vereinbarung einer sogenannten Progression oder der Verzicht auf eine Unfallrentenvereinbarung.

Soll auch die Familie eines Mitseglers nicht unversehens in Geldnot geraten, vor allem nicht im schlimmsten Fall, einem Unfall mit Todesfolge, hilft eine Risikolebensversicherung weiter. Die Versicherungssumme sollte wenigstens einem, besser noch zwei Jahresbruttoeinkommen entsprechen, damit die Hinterbliebenen Zeit genug haben, ihr Leben ohne finanziellen Druck neu zu ordnen.

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Pascal Schürmann am 06.03.2013

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