Korsika

Törnführer für die Inselrundfahrt

Korsika ist ein faszinierendes Segelziel im Mittelmeer. Jedoch ist das Revier anspruchsvoll. Insider-Tipps von Charterskipper Ruedi Huber

Pascal Schürmann am 05.04.2011
Korsika

Cala Spiro

Die Insel

Korsika ist vielfältig. Unterschiedliche Küstentypen wechseln sich ab mit Landschaften, die absolut einmalig, teils atemberaubend schön sind. Mit einer Ausdehnung von 183 km in Nord-Süd-Richtung und 83 km von Ost nach West ist das zu Frankreich gehörende Korsika die viertgrösste Insel im Mittelmeer. Im Landesinneren erreichen die Berge eine Höhe von über 2700 Meter, die Küstenlänge beläuft sich auf über 1000 km.

Korsika ist eher dünn besiedelt, ein Massentourismus wie auf anderen Mittelmeerinseln ist unbekannt.Voll wird es lediglich etwa sechs Wochen lang während der französischen und italienischen Sommerferien. Von Mitte Juli bis Mitte August sollte man daher die Insel meiden. Angenehmer ist es eh in der Nebensaison, also im Früh- und Spätsommer.

Ganze Küstenstriche sind menschenleer. Das „Conservatoire du littoral“ hat bedrohte Regionen aufgekauft, teils wurden ansässige Bewohner sogar enteignet, alles zum Schutz der Natur. Die einzigartige Landschaft soll auf keinen Fall durch eine übermäßige Bebauung verschandelt werden.

Korsika ist ein Gebirge im Meer. Außer der Küstenebene im Osten und dem Ödland der Agriates im Norden steigen die Berge steil aus dem Meer auf. Das Landesinnere besteht aus einer schroffen Gebirgslandschaft, die den Vergleich mit den Alpen nicht zu scheuen braucht. Der Norden besteht aus schieferartigem Gestein, der Westen und Süden aus Granit und vulkanischen Magmas. Dazwischen sind einige Sediment-Zonen wie die Klippen bei Bonifacio.

Die Niederschlagsmenge ist bedingt durch die Lage und Höhe recht hoch. Wegen Schnee sind im Winter vielfach die Pässe gesperrt, und die Flüsse werden im Frühjahr zu reissenden Gewässern. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass die erodierten Flusstäler erst weit unter dem Meeresspiegel enden.

Vor allem in den unteren Höhenlagen ist die Insel so dicht bewachsen, dass es vielerorts kein Durchkommen gibt. Die Macchia besteht aus verschiedenen Pflanzen und kann bis sechs Meter hoch wachsen. Im Frühjahr findet man ein phantastisches Blütenmeer vor. Mit Einsetzen der sommerlichen Hitze wird dann bis auf die wenigen immergrünen Blättern allerdings alles trocken und braun.

Korsika

Feuerflieger

Der Duft vieler Pflanzen ist umwerfend. Durch verdunstende ätherische Öle jedoch breiten sich immer wieder auch Feuersbrünste explosionsartig aus. Die Brände werden nicht selten mithilfe von Flugzeugen gelöscht, die ihre Wassertanks vor der Küste auftanken. Im Zweifel ist man als Skipper aufgefordert, einen Ankerplatz umgehend zu verlassen oder seinen Kurs entlang der Küste zu ändern, sollte man den Feuerfliegern mit der Yacht im Wege sein.

Im Landesinnern dreht sich viel um die Jagd auf Wildschweine, dem am häufigsten vorkommenden Wildtier. Wer Glück hat, bekommt während einer Wanderung auch mal ein Moufflon zu Gesicht.

Korsika ist seit Urzeiten besiedelt, und seit der Antike fielen immer wieder neue Besatzer über die Insel her. Die prägendste Epoche vor der französischen Verwaltung waren sicher die gut 500 Jahre genuesische Herrschaft sowie die ab dem 16. Jahrhundert massive Zunahme von Überfällen nordafrikanischer Piraten. Trotz des Baus von unzähligen Wachtürmen entlang der Küste mussten die meisten Siedlungen am Meer verlassen werden.

Heute ist Korsika ein Teil von Frankreich mit den Departementen „Haute-Corse“ und „Corse-du-Sud“, also dem nördlichen und südlichen Teil. Die Amtssprache ist Französisch, das einheimische Korsisch ist jedoch immer noch lebendig und wird heute auch in den Schulen gelehrt. Das Nebeneinander der Sprachen sorgt für gelegentlichen Wirrwarr bei den Ortsnamen.

Korsika und die Korsen

Korsen sind anders als ihre Insulaner-Kollegen auf anderen Mittelmeerinseln: zwar meist nette, aber gegen Fremde eher verschlossene Menschen. Sie realisieren zwar, dass sie den Tourismus brauchen, nur bringen sie die vielen Fremden in der Saison um ihre Ruhe! Bakschisch hilft hier auch nicht weiter und ein rüder Ton schon gar nicht. Korsika hat immer noch viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt, und die Leute sind noch nicht Tourismus-Lakaien geworden. Wenn sie mal unfreundlich wirken, ist es meist nur deshalb, weil die Verständigung nicht klappt oder der Stress in der Hochsaison einfach zu groß ist. Das französische Schulsystem ist leider nicht auf Fremdsprachen ausgelegt.

Also: bitte nicht gleich auf Deutsch losreden! „Bonjour, je ne parle pas français“ sagen kann jeder! Und Sie werden sehen, Ihr Gegenüber behandelt Sie freundlich! Absolute Pflichtlektüre ist „Asterix auf Korsika“ - treffender kann man den Charakter der Korsen schwerlich beschreiben!

    

  

Segeltipps

Notfälle  Wie üblich auf VHF 16 melden oder direkt per Handy an CROSS 0033 4 95 20 13 63 (Kurznwahl 1616), in Sardinien: 0039 0789 21 243.

Häfen & Ankerplätze  Vor dem Einlaufen in einen Hafen meldet man sich üblicherweise auf VHF 09 beim Hafenamt „Capitainerie“ an – auf französisch oder englisch. Deutsch spricht kaum jemand. Sollte keine Antwort erfolgen, einfach einlaufgen und sich selbst einen Platz suchen. Vor allem in der Nebensaison hängt die Kommunikation mit den Zuständigen manchmal vom Zufall ab.

In den Häfen wird generell mit dem Heck zum Quai angelegt. Üblicherweise sind Muring-Leinen vorhanden.

Beim Ankern darauf achten, dass man immer im Lee vom Land liegt und soweit möglich der Dünung nicht ausgesetzt ist. Die thermischen Tagesbrisen laufen in der Nacht umgekehrt ablandig, es kann also sein, dass man plötzlich quer zur Dünung liegen. Abhilfe schafft die Sicherung der Bugrichtung durch einen Heckanker oder das Belegen an einer Boje resp. mit einer Landleine.

Versuchen, wann immer möglich, den Anker auf Sand zu setzen. Felsgrund ist tückisch und das Seegras Posidonia hält nicht und ist ausserdem geschützt als Brutstätte der Fische. 

An einigen Orten gibt es Muringbojen zum Festmachen. Leider hängen einige nicht an Bojensteinen, sondern sind in den Sand geschraubt, so z.B. in Porto Pollo oder mal eine Zeitlang auf Lavezzi. Calvi ist OK. Aber andernorts besser überprüfen!

Vielfach wurden vor einigen Jahren gelbe Bojen zum Schutz der Badenden gesetzt. Eine Reihe von kleinen runden Bällen begrenzt die Badezone, die man nicht befahren sollte. Die Bojen sind an einer Kette befestigt, also aufpassen beim Ankern, dass man die nicht erwischt.

Wetter  Am häufigsten ist eine Mistral-Lage, die sich bedingt durch die Lage und Topographie von Korsika und Sardinien speziell auswirkt. Angetrieben durch das Genua-Tief bläst der Mistral aus der Düse des Rhonetals entlang der Isobaren von NW und später von W. Am Keil der Scandola, der W Ecke der Insel wird er meist gespalten. Nach S hin bleibt er auf W und wird sogar noch durch die hohen Berge gestaut, nach N hingegen wird er abgelenkt und strömt nun von SW mit Düsenwirkung als Libeccio der Küste entlang. Ums Kap herum beschleunigt sich der Wind nochmals um etwa 1 Bf und bläst dann von W.

Korsika

„Altocumulus lenticularis", in den Alpen Föhnfische genannt, verraten den Libeccio

Dasselbe Phänomen passiert im Süden der Insel. Ab Senetosa legt der Mistral zu, bläst dann voll in die Strasse von Bonifacio und legt dann am E Ausgang der Meerenge nochmals zu. Auf der E-Seite von Korsika oder hinter den Inseln in der Strasse von Bonifacio sollte man sich vor harten Fallböen in Acht nehmen!

Wenn das Genua-Tief der italienischen Küste entlang nach SE abzieht, kann eine N bis E Lage entstehen. Dies ist zwar selten, aber man sollte realisieren, dass dann viele Häfen nur schlechten Schutz bieten.

Bleibt noch der Sirocco zu erwähnen. Auch eher selten, kommt er gelegentlich mit bis 8 Bf mit Sahara-Staub beladen aus SE. Wenn also der Himmel so richtig dreckig wird, sei man gewarnt!

Ernst zu nehmen sind vor allem Frontgewitter. Warnung: die Winde kommen nicht immer aus der Richtung, die entsprechend der eintreffenden Kaltfront zu erwarten wäre! Auch wenn der Ankerplatz noch so perfekt geschützt ist, kann es sein, dass gefährliche Böen auflandig auftreffen. In so einem Fall haben Sie nur eine Wahl: so rasch wie möglich abhauen! Sollte keine vor dem neuen Wind geschützte Bucht in der Nähe sein, müssen Sie dringendst weg von der Küste motoren, sie könnten sonst auf Legerwall geraten.

Windhosen drehen zwar schnell, aber ihre Vorwärtsbewegung ist langsam. Es bleibt also Zeit genug, die Kamera zu holen (so ein Motiv gibt es nicht alle Tage!), die Crew zu beruhigen und die Zugrichtung zu beobachten, damit der Kurs entsprechend geändert werden kann.

Wetterberichte  Auf Kanal 16 hören 3 mal pro Tag „CROSSMED EN CORSE“ als Vorankündigung des offiziellen französischen Wetterbulletins. Anschliessend schalten Sie auf Kanal 79 und hören den Wetterbericht. Leider nur auf Französisch! Auch wenn sie nicht alles verstehen, lohnt es sich darauf zu achten, ob der Ausdruck „bulletin météorologique spécial“ oder BMS erwähnt wird. Dies bedeutet Spezialbericht, meist bei zu erwartenden Kaltfronten (= avis de grand frais).

Um Funküberlagerungen zu vermeiden, senden die Stationen entlang der Küste zu verschiedenen Zeiten:
− Ersa Cap Corse 0733 1233 1933
− Serra di Pigno zwischen Basia und St-Florent 0745 1245 1945
− Conca Porto Vecchio – Bonifacio 0803 1303 2003
− Serragia Bonifacio – Senetose 0815 1315 2015
− La Punta Ajaccio 0833 1333 2033
− Piana Golf von Porto 0845 1345 2045

Telefonische Auskünfte erhalten sie meist von Hafenämtern – mit etwas Glück sogar auf Englisch.
Sollten Sie den Wetterbericht nicht erwischt oder nicht verstanden haben, versuchen Sie es beim einem der „Semaphores“. Früher waren dies Signalstationen, heute sind einige zu modernen Kontrollstationen der französischen Marine umfunktioniert worden. Es gehört zwar nicht zum Job des Wachhabenden, aber ein Aufruf auf VHF16 mit „Semaphor X“ from Yacht Z“ wird meist freundlich beantwortet, sicher auch weil es etwas Abwechslung ins Einerlei des Funker-Daseins bringt! Die Semaphores sind:
− Cap Corse
− Ile Rousse
− La Parata bei Ajaccio
− Pertusato bei Bonifacio
− La Chiappa bei Porto Vecchio
− Alistro S Campoloro an der E-Küste
− Cap Sagro N Bastia

Wetter im Web

http://marine.meteofrance.com/marine/accueil?MARINE_PORTLET.path=marinecotebulletin/COTE_CORSE

Wetterkarten sowie Wetter-Entwicklung finden Sie auf dieser französischen, aber selbsterklärenden Seite:
http://www.cotweb.com/meteo.php

meines Erachtens ist die neue Site aus Italien absolutes Top:
http://www.lamma.rete.toscana.it/ww3/index.html
 

Einmal rund um die Insel

Auf Grund der vorherrschenden Wettersituation tut der Segler meist gut daran, die Insel im Uhrzeigersinn zu umrunden. Größere Strecken gegenan werden so in der Regel vermieden, und wenn es im Norden mit Libeccio mal stärker bläst, laufen Sie trocken und gemütlich unter Fock vor dem Wind in Richtung Cap Corse.

Allerdings kann es sein, dass man W der Straße von Bonifacio vielleicht sogar gegen Mistral ein Stück aufkreuzen muss, aber dies ist das kleinere Übel. Mit einem kleinen Trick kann diese Strecke sogar entschärft werden. Statt ab Bonifacio machen wir einen kurzen Schlenker zur Nachbarinsel Sardinien und schlagen damit mehrere Fliegen mit einer Klappe: Wir haben bereits etwas Höhe gewonnen, besuchen auf Capo Testa eines der besten Fischrestaurants der Region und finden noch etwas Zeit, uns die fantastischen Felsformationen der Halbinsel anzuschauen.

Auf direkten Kursen segeln wir rund 285 sm, um einmal rund um die Insel zu gelangen. Dies hört sich nach nicht sehr viel an, aber wir raten auf jeden Fall, dafür zwei Wochen einzuplanen! Da ist einmal das Wetter, das nicht immer mitspielt, aber vor allem auch ist es wirklich schade, nur an der Küste vorbeizurauschen und sich die vielen Sehenswürdigkeiten entgehen zu lassen. Wir beschränken uns hier nur auf eine ausgewählte Anzahl von Orten, die Sie sich unbedingt ansehen sollten, aber daneben gibt es noch eine Unzahl von vielleicht ebenso schönen. Entdeckergeist ist gefragt!

Idealerweise beginnen wir unsere Umrundung an der zahmeren Ostseite der Insel, das gibt uns Zeit, uns an Schiff und Umgebung zu gewöhnen. Unsere Beschreibung startet deshalb in Bastia.

Die Ostseite

Die lebendige Geschäftsstadt Bastia ist mit dem grossen Fährenhafen das „Tor“ zur Korsika. Am schönsten liegt man im „Vieux Port“, direkt rechts vor der Einfahrt an der Aussenmole. Achtung: nicht zu weit von der Mole weg anfahren, am Steg gegenüber wird es knapp mit der Tiefe. Essen gehe ich meist ins Fischrestaurant Coté Marine direkt am Hafen. An der Meer-Promenade N sind noch weitere gute Restaurants. Gut einkaufen kann man auf dem Markt in der Altstadt hinter der Kathedrale. Unbedingt zu besuchende Sehenswürdigkeiten hat es keine. Am Sonntagmorgen findet auf der Place St-Nicolas ein grosser Antiquitätenmarkt statt – recht unterhaltend!

Südlich von Bastia ist die Küste flach und die Berge treten zurück. Bis Porto Vecchio gibt es an den langen Sandstränden keine vernünftigen Ankermöglichkeiten. Zum Übernachten bieten sich einzig der Hafen von Taverna, der endlos gegen die Versandung kämpft (aufpassen!) und weiter südlich Solenzara an. Allerdings kann die Hafeneinfahrt bei starkem Winden aus südlichen Richtungen etwas heikel sein.

Weiter südlich sind die Berge wieder näher am Ufer und die Küste wird abwechslungsreich mit einigen schönen Buchten.

Porto Vecchio ist nicht besonders attraktiv. Die Umgebung wird immer mehr mit noblen Urlaubs-Villen zugepflastert. Jedoch ist der Hafen bestens geschützt und die Stadt bietet gute Einkaufsmöglichkeiten.

Es folgen einige Buchten, die einen Besuch wert sind:

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Die Bucht Rondinario

Anse de Carataggio S der Insel Farina: gut geschützt, ein Vorbote der Traumbuchten auf der anderen Seite der Insel. Palombaggia, mit einem schönen Sandstrand. Die Bilderbuch-Bucht Rondinara ist wie es der Name sagt ein nahezu kreisrundes Hufeisen mit einer schmalen Einfahrt. Hier liegen Sie perfekt geschützt und am Strand gibt's ein nettes Restaurant, vor dem man perfekt ankert. Bei Nordwind nach der Einfahrt gleich rechts dem äusseren E-Ufer entlang zum Ankerplatz, so vermeiden Sie die Untiefe an der W-Seite.

Vor dem Cap Bianco im Golf von Sant'Amanza ankert man am besten vor dem schönen Strand von Balistro neben den weissen Klippen – ein Ausläufer der Felsen von Bonifacio. Das benachbarte Stentinu probieren Sie besser nicht aus – ausser sie fahren einen Katamaran. In diesem Fall können sie sich im Flachwasser zwischen den (sandigen) Untiefen hineinloten – fast Mississippi-Feeling!

Die Südseite

Die Passage de la Piantarella, die Durchfahrt zur Strasse von Bonifacio ist nur bei Tag befahrbar, ausser natürlich Sie vertrauen Ihrem GPS-System blindlings. Die westliche Durchfahrt zwischen den Inseln Ratino und Piana ziehe ich persönlich vor, da gibt es zumindest Seezeichen. Zu beachten ist, dass die Peilzeichen auf der Ile Piana und Pointe de Sperone nur äusserst schwer auszumachen sind, d.h. wenn sie bereits wieder im freien Wasser sind und sie nicht mehr gebraucht werden. Dafür ist die kleine Stange mit der N-Kardinale bei Ratino gut sichtbar. Manchmal drückt eine Stromversetzung plötzlich quer zum Fahrwasser. Der Peilkompass ist nicht immer überflüssig!

Die Durchfahrt zwischen Lavezzi und Cavallo ist mit Steinen übersät, wenn sie weiter südlich in die Strasse einfahren wollen, dann besser S um Lavezzi.

Cavallo können Sie vergessen: eine versnobbte Villeninsel, sogar mit Strandwächtern! Das unbewohnte Lavezzi wartet mit einem Chaos von ausgewitterten Granitfelsen mit den skurrilsten Formen auf.

Die Insel ist wirklich einen Besuch wert, nur wissen das die Ausflügler ab Bonifacio leider auch. An der SW-Ecke ist während des Krim-Krieges ein vollbeladener Truppentransporter, die SEMILLANTE, zerschellt und 750 Matrosen und Soldaten ertranken. Nachts sind die Segler unter sich und es lohnt sich hier vor Anker zu gehen.

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Cala Lazzarina

Verschiedene Buchten stehen zur Auswahl: am meisten Schiffe sind in der Cala Lazzarina. Zur Ansteuerung hält man auf die den Opfern der Schiffstragödie gewidmete Pyramide im SW zu und fährt dann entlang der SE vorgelagerten Felsen mit Kurs 35° in die Bucht. Nach dem Felsen mit einem Seezeichen auf der W-Seite dreht man nach NW und ankert auf dem gut haltenden Sand auf 3-4m.

Die E liegende Cala Giunco lässt man besser aus – sie hat ein paar giftige Untiefen vorzuweisen.
Auf der E-Seite liegt die einfach anzusteuernde Cala Grecu und gleich N davon sind ein paar weitere und noch schönere Plätze zum Ankern. Achtung auf die Untiefe bei der Einfahrt, die jedoch dank des klaren Wassers gut auszumachen ist.

Im W der Insel liegt die abenteuerliche Cala Chiesa, die man nur bei sicherem Wetter aufsuchen sollte. Wenn sie einen hoch auf den Felsen aufgesetzten Hinkelstein sehen sind sie vor der Bucht. Die Einfahrt erfolgt mit S-Kurs und wenn es nicht mehr weitergeht nach SW in das Felsenlabyrinth. Man ankert hinter dem grossen Fels auf der rechten Seite und sichert mit einer Landleine.

Ein Rundgang auf der Insel gehört dazu und der Sundowner an der Westseite ist unvergesslich!

Bonifacio, dieser Hafen, der sich wie einem Fjord hinter der Zitadelle und der Altstadt hoch oben auf den weissen Klippen versteckt, ist vermutlich am ehesten bekannt. Trotzdem noch ein paar Anmerkungen: vor der Hafeneinfahrt sollte man sich auf Kanal 09 bei der Capitainerie anmelden. Die ankommenden Schiffe werden dann von einem Gummibootmenschen empfangen und zum Liegeplatz geführt. Das funktioniert recht gut, ausser in der flauen Nebensaison. Wenn sie also keine Antwort bekommen, einfach reinfahren und parken! Am besten suchen sie sich einen Platz auf der rechten Seite, sonst ist der Marsch in die Altstadt wesentlich weiter. Die Plätze sind eher kurz, evtl. muss die Mooringleine mitschiffs belegt werden. Perfekt liegen sie direkt am Quai, nur ist die Einfahrt bei Wind etwas tricky. Aussen am Steg L ist ein langer Platz. Der Handelshafen bietet ebenfalls Plätze an, offiziell aber nur wenn der Yachthafen voll ist oder sich Probleme mit der Schifflänge ergeben. Allerdings müssen sie den Buganker setzen, da es keine Mooringleinen gibt. In der gegenüberliegenden Cala Catena kostet es nichts, aber unbedingt eine Ankerboje setzen, sonst geraten Sie in die Fänge des „Tauchgeiers“, einem hier ansässigen Segelkameraden, der für genügend Bakschisch die Ketten entwirrt. In die Stadt müssen sie dann mit dem Beiboot.

Am rückwärtigen Ende des Hafens liegt das Hafenamt und auf dem Weg dorthin entlang dem Quai sind eine Bäckerei und ein Supermarkt. Vor dem Handelshafen führt eine steile Strasse in die Oberstadt, gleich darnach gehts rechts hinein, dann links durch ein kleines Tor und innen an der Festungsmauer eine steile Treppe hoch. Dies ist der beste Einstieg für eine Stadtbesichtigung und zugleich der direkte Weg zu einigen der wenigen Restaurants, in denen man nicht als Touristen-Gans übermässig gerupft wird, dem Café de la Poste oder etwas versteckt dem „L'an K“. Ewas edler gehts zu im „U Castille“, einfacher aber korrekt in der „Cantina Doria“. Enttäuscht wurden wir im Archivolto sowie im Clipper.

Die Stadtbesichtung gehört zum Pflichtprogramm und wer noch nicht genug hat, sollte sich den Friedhof ganz im Westen des Plateaus anschauen. Ein phantastischer Spaziergang, am besten am frühen Morgen, führt von der grossen Treppe auf der E-Seite der Altstadt hoch über den Klippen zum Leuchtfeuer von Pertusato.

Capo Testa liegt zwar auf Sardinien, ist jedoch trotzdem einen kurzen Hupfer über die Meerenge wert.
Ein weiterer wirrer Steinhaufen, überragt von einem Zahn den man erklimmen sollte. Den Eingang zum Pfad findet man so: vom linken Ende des Strandes S. Reparata zweigt hinter einem Parkplatz eine Schotterstrasse ab, an deren Ende etwas nach rechts, weiter über die Absperrblöcke und dann bei der nächsten Möglichkeit links ins Dickicht. Der Pfad braucht Orientierungssinn und Nerven, aber oben belohnt eine einmalige Rundsicht über die Sardische Küste und hinüber zum nahen Korsika.

Für kleinere Abenteurer reicht eine Rundwanderung auf der Halbinsel zwischen bizarren Felsen, einem antken Römischen Steinbruch und Neo-Hippies, die sich im Sommer als moderne Höhlenbewohner versuchen. Nicht zu vergessen eines des besten Fischrestaurants in der Region, dem Bocche di Bonifaccio. Beim Strand hoch wo die kleinen Hütten sind und dann auf der Strasse nach rechts weiter. Das Ristorante liegt etwas zurückversetzt nach ca. 100 m auf der rechten Seite. Seit Jahren sitzt die Nonna in der Küche und schaut zu – ich hoffe im kommenden Sommer ist sie immer noch da!

Wenn sie oben an der Strasse hingegen links gehen, kommen sie zum einzigen Laden am Ort, den man nicht auslassen sollte. Der sardische Wein schmeckt sooo gut! Canonau, Monica di Sardegna und der trockene weisse Vermentino sind nur einige excellente Qualitäten unter vielen.

Ankern ist einfach: je nach Windrichtung in der Baia S. Reparata möglichst innen rechts oder vor dem Strand von La Colba, diesmal auf der linken Seite.

Bei Westwind oder gar Mistral ist ein Start vom Capo Testa aus nur von Vorteil, da man sich einen guten Teil des mühsamen Aufkreuzens entlang der Korsischen Küste erspart. Mit etwas Windglück gelangt man so in einem einzigen Anlieger nach Roccapina.

Die Westseite

Dies ist die abenteuerliche Küste von Korsika mit unzähligen Stränden, Buchten und Häfen zum Erforschen. Leider müssen wir uns auf einige Highlights beschränken. Zuallererst muss man allerdings recht häufig gegenan. Aber so ein Mistral ist herrlich frisch mit glasklarer Sicht. Sauber steuern ist angesagt, sonst knallt man in die recht steile Welle und stampft sich fest. Also laufen lassen statt stur Höhe bolzen und die Welle immer schön ausfahren!

Das Plateau des Moines bildet auf dem Weg nach Norden ein ernst zu nehmendes Hindernis. Bei gutem Wetter kann man locker zwischen den Riffen durch, jedoch ist es bei viel Wind und vor allem nachts ratsam, den gelben Leuchtturm der Moines W zu runden. Bei der Fahrt der Küste entlang zur Cala Roccapina sollte man gut Ausschau halten auf den Rest des alten Turms Le Prêtre.

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Anse de Roccapina

Anse de Roccapina  Auf der W-Seite über der gut abgeschirmten Bucht wacht ein alter Turm und daneben ein Felsen in Form eine Löwen, dem Wahrzeichen von Roccapina. Die Einfahrt führt gerade in Richtung Strand nach N und dann vor dem grossen Fels links hinein zum Ankerplatz über Sandgrund. Dieser ist recht hart, also besser den Anker gut in den Grund fahren. Zum Strand hin nimmt die Tiefe plötzlich schnell ab. Oberhalb der Bucht wendet sich die Küstenstrasse ins Inland, ausser über die Zufahrt zum Dorf von Tizzano ist die Küste von der Landseite nur schwer zugänglich. Links am Strand ist eine kleine Hütte und dahinter geht der Weg hoch zum Turm mit Sicht bis Sardinien und manchmal sogar Asinara und hoch die Korsische Küste. Zur Bucht hinaus nach N kann man auch hinten hinaus auf der Turm-Seite schön in der Mitte zwischen Festland und den Felsklippen.

Der Golf von Murtoli ist ein weiter und meist menschenleerer Sandstrand. Statt Touristen liegen hier meist Rindviecher am Strand. Verständlich, der Sand ist wesentlich angenehmer als die dornige Macchia. Achtung: die Kuh-Mamis lieben es nicht unbedingt wenn ihre niedlichen Kälber getätschelt werden und die Toros sind auch nicht ganz ohne! Also je nach Mut mehr oder weniger weiträumig umgehen! Ein Ausflug von einer knappen Stunde landeinwärts führt zu einem grossen Dolmen. Falls Ihre Crew Lust auf mehr hat, schicken Sie sie auf die Wanderung um die Pointe Lattonicia nach Tizzano und sie holen sie dort ab: absolut traumhaft!

Tizzano ist zwar nicht ein landschaftlich überwältigender Ankerplatz, rechts des kleinen und für Yachten zu seichten Fischerhafen liegt jedoch ein vorzügliches Fischrestaurant. Perfekt für ein Schlemmermenu auf der Terrasse mit romantischen Sonnenuntergang über dem Meer! Weiter hinten im Tal befindet sich unweit der Strasse eine südlichsten Menhir-Reihen.

Cala Lunga ist eine schmale Bucht mitten in der Einsamkeit, offen gegen SW. Bei anderen Windrichtungen liegt man hier vor allem zuhinterst schön ruhig vor Bug- und Heckanker oder mit Heckleine an einen der Felsen. Der enge Schlauch ist von aussen kaum zu sehen, die Einfahrt ist problemlos, wenn man schön in der Mittelachse bleibt.

Die Pointe Sénétose sollte man besser mit respektvollem Abstand passieren, um die weit hinausreichenden Untiefen zu umfahren. Bei einigermassen ruhigem Wetter jedoch ist Sénétose ein Erlebnis: meist ankert man allein in der Wildnis in absolut klarem Wasser vor einen unverdorbenen Küste mit perfekten Bade- und Wandermöglichkeiten.

N von Sénétose ist der Ankerplatz hinter Scogliu Longu wunderschön. Leider besteht der Grund hauptsächlich aus Felsen – eine Ankerboje ist kein Luxus! Direkt nach dem Runden der kleinen Felsinsel öffnet sich eine kleine Bucht. Wenn sie an die linke, südliche Ecke eine Heckleine ausbringen, liegen sie auch bei Schwell aus S bis W perfekt ruhig wie in einem Teich. Wäre es nicht verboten, ist dies der Platz für ein abendliches Grillfeuer hinter den Felsen mit blutrotem Sonnenuntergang über dem Meer!

Die gleich um die Ecke gelegene Cala Conca bietet guten Schutz gegen Mistral und Libecciu, ist jedoch gegen Westen offen. Der Ankergrund gleich S der engen Bucht hält perfekt. Bei ruhigem Wetter kann man sich direkt vor den Strand mit einer Landleine hinhängen.

Gleich W der Cala Conca führt ein Pfad zum alten Wachtturm von Senetose, dann auf der W-Seite am Leuchtturm vorbei am Meer entlang zum „Teich“ von Scogliu Longu und wieder zurück. Ist also von beiden Ankerplätzen gut machbar. Diese etwa 2,5 Std. dauernde Wanderung mit Erklimmen der steilen Leiter auf den Aussichtsturm sollten sie sich nicht entgehen lassen. Um das Gefühl der einsamen Weite zu beschreiben bin ich leider nicht Poet genug!

Bei Windrichtungen W – N sind die nächsten Buchten Arrana und Ferro sicher, aber Achtung bei der Einfahrt. Achtung: etwa 400 m vom Ufer liegt zwischen den beiden ein Felsen knapp unter Wasser, der jedoch bei dem klaren Wasser gut sichtbar ist.

Bei Winden von S – W liegt man hinter der Halbinsel von Campomoro sicher. Hier hatten früher die Maurischen Piraten einen Stützpunkt – daher der Name. Vor dem Einlaufen sollte man die Überwassserfelsen umrunden und dann nicht zu weit vom rechten Ufer ankern. Der Grund fällt recht steil ab. Ein gutes Restaurant befindet sich zuhinterst in der Bucht beim kleinen Dörfchen.

Gegenüber dem Golf von Valinco liegt man bei Winden von W – N gut vor dem kleinen Ferienort Porto Pollo. Bei der Einfahrt nicht zu nahe den Felsen von Tavaru und der Punta di l'Oga. Vor kurzem wurden Bojen gesetzt, aber teilweise nur mit Sandschrauben befestigt. Also vielleicht mal kurz schauen, woran die Bojenkette hängt, falls sie ein grösseres Schiff haben oder viel Wind ist. 7 km landeinwärts von Porto Pollo liegt die prähistorische Stätte von Filitosa, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Im Ort findet sich bestimmt ein Taxi.

Der Fährenhafen von Propriano zuhinterst im Golf bietet einen sicheren Hafen bei Starkwind – sonst ist da nicht viel los.

Der folgende Küstenabschnitt bis Cap Rossu ist weniger spannend und vor allem im Golf von Ajaccio recht bebaut. Ajaccio ist die administrative Hauptstadt von Korsika. Von den 2 Häfen ist Tino Rossi für Gäste angenehmer, am besten liegt man am kleinen Quai, der den Fischerhafen abtrennt. Ausser etwas städtischem Flair hat die Stadt nicht so viel zu bieten, ausser dem Kunstmuseum des Kardinals Fesch, der sich während der Napoleonischen Feldzüge in den eroberten Ländern reichlich bediente. Restaurant-Tipp: Les Halles oder eine der kleinen Kneipen in der Altstadt hinter Tino Rossi.

Die Inselkette der Sanguinaires lassen Sie aussen liegen und nehmen die Passe des Sanguinaires direkt S des Wachtturms von Parata. Dies ist die einzige praktikable Passage, die andern Lücken zwischen den Inseln sind unpassierbar.

N des Cap de Feno bietet das Ilot de la Figuera etwas Schutz gegen SW. Bei Winden aus N – W liegt man zuhinterst im Golf vor dem Strand von Sagone ruhig vor Anker.

Cargèse ist ein netter kleiner Ort, der im 18. Jhdt. von Flüchtlingen aus Griechenland besiedelt wurde. Der kleine Hafen bietet zwar nicht viel Platz und das Wasser kann im Sommer rar werden.

Ab dem Capu Rossu, dem roten Kap beginnt eine Wunderwelt. Die roten Klippen bilden mit der (zumindest im Frühjahr) üppig-grünen Vegetation und dem blauen Wasser einen fast unwirklichen Farbkontrast und dies umso mehr, wenn die Sonne am frühen Morgen oder beim Untergang die Felsen zusätzlich einfärbt. Die ganze Region ist denn auch unter Naturschutz gestellt und das Zentrum, die Scandola gehört zum UNESCO Naturerbe.

Das Capu Rossu ragt wie ein karger Monolith empor. Der Gipfel mit dem Wachtturm von Turghio ist leicht auf einem Wanderweg zu besteigen, jedoch nur von der Südseite aus und möglichst nicht während der Mittagshitze, denn der rote Fels wärmt sich so auf, dass man sich wie in einer Mikrowelle fühlt. Die Bucht von Palu ist der geeignete Ausgangsplatz. Links der Einfahrt ragt ein steinerner Felsfinger empor und ziemlich genau NE davon liegen wir über dem gut haltenden hellen Sandfleck. Mit dem Beiboot so ca. nach NW gelangt man an Land über einen Felsvorsprung, hinter dem ein Pfad durchs Gebüsch hinauf zum Weg führt, dem sie weiter nach links folgen. Die Aussicht von oben ist phänomenal!

Cala Spiro direkt N unter dem Wachtturm von Turghio liegt die verrückteste Ankerbucht die Sie je gesehen haben – ein absolutes MUST! Sie liegen hier wie in einer Schublade im Fels und verdrehen sich den Kopf beim Hochschauen an den senkrechten Wänden. Am besten ankert man etwa in der Mitte an der W Seite und hängt eine Heckleine an den runden Felsen rechts der spitzen Pyramide. Auch an der E-Seite können Sie sich anhängen. Allerdings gibts dort auch mal Steinschlag, wenn die wilden Ziegen zu Besuch kommen. Das etwa 10 m lange Tunnel zuhinterst lässt sich durchschwimmen. Leider haben die Ausflugsboote diesen spektakulären Ort auch auf ihrem Programm und fahren durch das grössere Tunnel in die Cala: immer schön lächeln, wenn Sie von den Touristen fotografiert werden!

Die Ansteuerung ist etwas kritisch, aber wenn man weiss wo die Felsen sind ist es überhaupt kein Problem. Von S her kommend schön nah dem Fels entlang (NICHT hinter dem Zuckerhut-Felsen durch!) und dann in die Cala eindrehen. Beim Rausfahren entweder den selben Weg nehmen oder nach E entweder innen nahe der Felswand nach oder auf der Aussenbahn um den fiesen Unterwasserfels, den man nur schwer sieht, herum. Direkt nach N ist ungesund! Da die Seekarte die Details nicht wiedergibt habe ich mal von hoch oben auf dem Fels eine „Flugaufnahme“ gemacht. Wenn sie diese genau anschauen ist alles ganz einfach! Achtung: im Französischen Führer ist diese Bucht nicht korrekt beschrieben, im Deutschen Pendant fehlt sie dafür ganz.

Da leider Spiro bei Libeccio zu unruhig ist, ist der nächste sichere Ankerplatz in der folgenden Bucht, der Anse San Pelegrinu, E unter dem Wachtturm. Hier gibts nur einen kleinen Sandfleck auf 5 m und zwar dort wo auf dem Bild die grosse Motoryacht liegt. Machen Sie es ebenso mit einer Leine zum runden Felsblock vor dem Geröll-Strand.

Im Golf von Porto ist noch die Anse de Ficcajola zu empfehlen. Porto selbst hat nur einen flachen Hafen in der Flussmündung (nomen ist in diesem Fall nicht omen!) Vor dem offenen Kiesstrand ist das Ankern nur bei ruhigem Wetter zu empfehlen.

Auf der N Seite des Golfes habe ich einen Geheimtipp anzubieten: die Bucht von Gradelle. Sie liegt W der Anse de Caspio und ist recht gut geschützt. Vor der Einfahrt ist der Sockel einer alten Seilbahn zum Verlad von Kohle aus einer längst stillgelegten Mine zu runden. Dahinter lässt sich im W Teil möglichst nah an den kleinen Booten gut ankern; auf der E-Seite ist ein Riff. Das Strandrestaurant von Dominique und Toussainte ist urig und gemütlich und vermietet auch einige Zimmer für erholsamen Urlaub fern vom Rummel.

Um den Monte Senino herum erreichen Sie den den Golf von Girolata. Versteckt hinter der kleinen Festung ist der Naturhafen mit Bug- und Heckboje.

Rufen Sie bei der Einfahrt auf VHF 09 die Capitainerie an und sie werden an den Liegeplatz geführt. Essen geht man in die Cabane du Berger direkt am Wasser oder etwas feiner ins Bel Ombra mit der Terrasse die Treppe links am Strand hoch. Girolata ist nur zu Wasser oder auf zu Fuss erreichbar und Strom gibts erst seit 30 Jahren. Das Kastell wurde 1550 gebaut, um den Ort als Treffpunkt der Piraten unbrauchbar zu machen. Bereits nach 4 Jahren erfolgte schon die Bewährung: die gesamte Maurische Flotte von 18 Schiffen unter dem Türken Dragut wurde hier von vom Genuesischen Admiral Giovanni Doria versenkt. Nach diesem aufregenden Ereignis versank Girolata wieder während der nächsten Jahrhunderte in Dornröschenschlaf. Ein richtiges Fischerdorf war es nie, nur eine kleine Niederlassung von Köhlern. Heute fallen während des Tages die Touristenboote mit ihren Ladungen ein, aber am Abend herrscht Ruhe in diesem idyllischen Fleck!

Absolut ruhig – ausser bei Libeccio - liegt man in der Cala Muretta an der südlichen Steilküste der Scandola zwischen den Felsen. Position 42°20,45´N / 8°34,50´E. Man ankert etwa in der Mitte der Bucht und zieht dann rückwärts rein, um sich an eine Landleine zu legen. Diese befestigt man auf etwa 3m am Felsen rechts vom Strand oder noch besser etwas weiter rechts in einem Loch unter dem gut sichtbaren Überhang. Dies ist einer der schönsten Ankerplätze die ich kenne! Eine nähere Beschreibung erübrigt sich – den Ort muss man einfach erlebt haben!

Im UNESCO-Naturpark der Halbinsel der Scandola, einer vulkanischen Urlandschaft mit den skurrilsten Formen und Farben herrschen strenge Regeln: kein Ankern über Nacht, kein Angeln, keine Landgänge mit Ausnahme des Strandes von Elbo. Es braucht etwas Nerven, sich den Steilwänden zu nähern, doch die Tiefen fallen meist ebenso steil ab und die Unterwasserfelsen kann ein Ausguck auf dem Bug bestens erkennen. Bei unruhiger See sollte man jedoch respektvoll auf Distanz bleiben!

Weiter nach W kann man sich problemlos der Küste nähern, um die auf Felsspitzen sitzenden Nester der Seeadler zu beobachten, nur die Pointe Muchilina sollte man wegen des vorgelagerten Riffs mit gebührendem Abstand umfahren. Eine interessante Durchfahrt befindet sich zwischen der Insel Gargalo, dem W Punkt von Korsika und der Scandola-Halbinsel, aber besser nicht mit Rückenwind oder Wellen! Und auch nicht bei Gegenlicht in S-Richtung, sonst sieht der Ausguck am Bug zu wenig. Gut zielen, nicht zu viel Fahrt, schön in der Mitte bleiben und es reicht! Besonders aufpassen auf den flachen Felsen E.

Den darauf folgenden Steilklippen mit ihren faszinierenden vulkanischen Strukturen kann man sich fast überall bis auf ein paar Meter nähern, der Grund fällt steil ab. Die Rhyolithsäulen auf der N-Seite sind eindrücklich! Auch die Durchfahrt hinter dem Palazzu-Felsen ist tief genug.

Die Marina von Elbo ist sicher eine der schönsten Buchten von Korsika. Beiderseits des Kiesstrandes ragen knallrote Felsen auf, der linke ist gekrönt von einem Wachtturm. Die Riffe 0.2 nm NW des Strandes umfährt man N und schwenkt dann vor den vorgelagerten Felsen in der Achse der Bucht ein. Je nach Wetter und Anzahl Booten macht ein Landleine zu den Felsen unterhalb des Turms Sinn. Es ist nicht gestattet, den Strand zu verlassen, etwas weiter hinten über das Mäuerchen zu klettern und zum Turm hochzusteigen. Elbo ist noch innerhalb des Parks, deshalb muss der paradiesische Ort bei Sonnenuntergang verlassen werden.

Galeria ist bei Libeccio gut geschützt, bei W kommt die Dünung bereits abgeschwächt herein. Der kleine Hafen ist zu flach für Yachten. Sie ankern am besten nach der Bb Einsteuerungstonne der Einfahrt und suchen einen brauchbaren Sandfleck. Das hübsche kleine Dorf hat 2 Läden, und mehrere gute Restaurants. Der riesige Strand E der Turms mit dem eigenartigen Anbau besteht aus kleinen Kieseln in den unterschiedlichsten Farben.

Bei Winden aus N ist die N Ecke der Bucht von Crovani mit Kieselgrund eine gute Alternative. Ebenfalls bei N ist Portu Vecchiu, eine versteckte Felsenbucht an der SW-Seite der Halbinsel Revellata zu empfehlen. Direkt nebenan liegt eine Grotte, in die man mit dem Beiboot hineinfahren kann. Sie ist bekannt als eines der letzten Refugien der im Mittelmeer ausgestorbenen Mönchsrobbe.

Die N-Seite von Revellata bietet perfekten Schutz gegen den Libecciu, der hier ganz anständig blasen kann. Die 1. Bucht ist die ruhige Anse de Oscellucia, zuhinterst ist die Cala d'Alga mit dem beliebten Publikumsstrand. Im Strandlokal spielen während der Saison am Samstag-Abend zwei geniale Gibsy-Gitarristen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. An beiden Orten in Strandnähe ankern, der Sand hält! Dies ist die Alternative, wenn Calvi überfüllt ist!

Im Schutz einer gewaltigen Zitadelle liegt Calvi. Der Hafen ist zwar vor allem am Wochenende sehr laut und die Liegegebühren übersteigen ein vernünftiges Mass. Melden Sie sich bei der Einfahrt auf VHF 09 beim Hafenamt an, sollten sie keine Antwort bekommen, suchen sie sich selbst einen Liegeplatz im Yachthafen. Bei den häufigen Starkwinden aus SW muss ein Grossteil der Schiffe in ein Bojenfeld vor dem Hafen ausweichen. Bei NE wird der Hafen unruhig und die Bojen sogar gefährlich. Den Ort sollte man sich unbedingt ansehen und die Festung erklimmen – hier wurde Kolumbus geboren. Von den Lokalen an der Hafenpromenade kann ich nur das „Comme chez soi“ mit der Terasse vor dem Fischerhafen empfehlen. Wenn man zu einem vernünftigen Preis wirklich gut essen will geht man ins „Via Marine“ mit der besten Pizza auf der Insel oder zu Fuss ein ganzes Stück auf der Strasse von der Zitadelle in Richtung Revellata, bis man zum „U Fanale“ kommt. Der Weg lohnt sich!

Von Calvi verkehrt ein Zug mehrmals täglich dem Ufer entlang nach L'Ile Rousse mit Halt an unzähligen Stationen inkl. Campingplätzen. Trotz der vor kurzem erfolgten Modernisierung bleibt das abenteuerliche Bähnchen eine beliebte Attraktion.

Am anderen Ende der Bucht von Calvi bei der Punta Spano und etwas SW davon liegen wunderschöne Ankerplätze bei Winden aus N Richtungen.

L'Ile Rousse (am rechten Ende des Regenbogens) bietet keine Anlegeplätze, weder im kleinen Yachthafen noch an der davor liegenden Mole. Ausser für ein paar Jahreslieger ist auch die Mole nicht mehr benutzbar. Man ankert im Hafenbecken am W Ende des grossen Publikumsstrandes ziemlich genau S des Kopfs des grossen Wellenbrechers, an der die Fähren anlegen. Bei stärkeren Winden aus Sektor N ist l'Ile Rousse nicht zu empfehlen und es ist schon passiert, dass der Hafen geräumt werden musste und wir uns S der Insel in der Crique de Branca verstecken mussten. Die Stadt ist gemütlich mit einem schönen überdeckten Markt, einem grossen Platz wo abends unter den Platanen Boule gespielt wird und etlichen netten Lokalen. Essen gehen wir meist ins „Le Grand Bleu“.

Der Norden

Weiter NE liegt der „Désert des Agriates“. Désert bedeutet „Wüste“ oder „verlassen“ und der Name passt zu diesem Ödland. Die gesamte Küste der Agriates wurde vom „Conservatoire du Litoral“ aufgekauft und ist im Urzustand geblieben. Die hohen Berge sind in den Hintergrund getreten und davor reiht sich Strand an Strand – bis auf wenige Yachten einsam und leer. Auf einem Wanderweg lässt sich die Strecke in 3 Tagen bewältigen. Die Küste ist zwar bei Winden von S bis N ausgesetzt, jedoch bei ruhigem Wetter ein Erlebnis.

In der N Ecke der Anse de Peraiola, einem vom Land her zugänglichen Strand, ist man gut vor N-Winden geschützt, die einsame Baie de l'Acciolu schützt etwas gegen SW, wird jedoch bei Libecciu sehr unruhig. Die weiter folgenden Buchten und Strände sind alle mehr oder weniger offen, mit Ausnahme von Malfacu, wo man weit drinnen in der engen Bucht recht gut geschützt ist. Aber Achtung: innen wird es eng.

Der lange Strand von Saleccia wird bereits wieder von Touristen besiedelt. Da er so schön ist, lohnt sich der lange Anmarsch. Hier wurden die Landungsszenen für den Film „Der längste Tag“ gedreht. Am grossen Strand von Loto legen die Ausflugsschiffe von St-Florent an. Absolut gediegen ankert man in der kleinen Bucht W der Pointe de Cavallata.

Wenn man die Pointe de la Mortella gerundet hat, ist man endlich vor dem Libecciu komplett geschützt.

Korsika

Fiume Santo

Die schönsten Übernachtungsplätze befinden sich direkt S dem durch Nelson gesprengten Turm (übrigens ein perfekter Grillplatz!) und vor Fiume Santo, meinem persönlichen Lieblingsort in dieser Ecke. Hier ankert man so nah wie möglich vor dem Sandstrand. Vielfach gewährt dieser eine Zufahrt zum dahinter liegenden Flüsschen, auf dem man mit dem Beiboot weit landeinwärts paddeln kann (für den Motor ist es zu seicht) idealerweise am frühen Morgen oder am Abend. Idyllisch!

Der Hafen vont St-Florent am Ende des Golfs ist gut geschützt. Die Stadt ist nett, aber sehr touristisch.

Ausser bei Wind aus N lohnt sich ein Besuch von Centuri. Der kleine Fischerhafen ist leider für Yachten nicht brauchbar, dafür ankert man ruhig man im Schutz der vorgelagerten Insel, nachdem man sich vorher genau seinen Sandfleck ausgesucht hat. Das exzellente Fischrestaurant „U Marinaru“ ist etwas ausserhalb des Ortes direkt hinter dem Hafen die Strasse hoch auf der rechten Seite.

Wie es sich für ein Kap gehört, können die Winde zwischen dem Cap Corse und Giraglia recht launisch sein.

Schöne Ankerplätze befinden sich an der E Seite des Strandes von Barcaggio, in der Bucht direkt N unter dem Turm von Agnello und in der Bucht von Santa Maria.

Nachdem man die unter Naturschutz stehenden Inseln von Finocchiarola mit gebührendem Abstand gerundet hat gelangt man nach Maciaggio, einem hübschen kleinen Ort mit gutem Hafen. Uns gefällt's in der Osteria del Porto am besten. Gleich nebenan ist ein skurriler Shipchandler, der seit Jahrzehnten seinen Laden mit allem Nötigen und Unnötigen vollstopft. Er hat mir vor kurzem geklagt, er möchte eigentlich gerne altershalber verkaufen, aber niemand wolle all seinen Krempel übernehmen.

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung zurück nach Bastia.

Ruedi Huber

Korsika

Ruedi Huber, www.sailandtrail.ch

Der Autor dieses Berichts führt die beschriebene Umrundung als Programm für Segler und Nichtsegler durch: Allerdings mit beschränkten Zwischenstopps an den schönsten Orten. Falls mehr Zeit zur Verfügung steht, sollte man sie für die schönsten Abschnitte einsetzen: der Strasse von Bonifacio (z.B. auch ein Abstecher nach La Maddalena und dem gleichnamigen Archipel), der Pointe Sénétose, der Region der Scandola, den Agriates und dem Cap Corse – ausser man zieht einen Hafen-Aufenthalt mit Ausflugsmöglichkeiten vor.

Darüber hinaus bietet Ruedi Huber auch spezielle Skippertrainings entlang der Südküste Korsikas an.

Buchung und Infos unter http://www.sailandtrail.ch

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Pascal Schürmann am 05.04.2011