Geschwindigkeits-Parameter

Wie schnell ist eine Yacht? Messbrief nutzen, Polare deuten

Das Geschwindigkeitspotenzial einer Yacht genau vorhersagen zu können vermeidet Enttäuschungen nach dem Kauf und erleichtert die Törnplanung

Lars Bolle am 17.03.2020
VPP
YACHT

Die Geschwindigkeits-Polare des Messbriefes liefern wertvolle Daten

Glaubt man Tresengesprächen, gibt es nur schnelle Yachten – jedenfalls ist so gut wie nie zu hören, dass irgendwer von jemand anderem versegelt wurde. Und offenbar ist auch allgemein bekannt, was eine schnelle Yacht ausmacht. Faustregeln hat dazu jeder parat: Länge läuft, Breite gleitet, je tiefer der Schwerpunkt, desto schneller das Schiff. Aber ist es tatsächlich so einfach?

Ein Segelboot ist ein komplexes Gebilde, jeder Teilaspekt wirkt mit jedem anderen zusammen, ob Segelfläche oder Verdrängung, Tiefgang, Ballast oder Rumpfform. Hinzu kommen die dynamischen Bedingungen wie Windstärke, Seegang und Kurs zum Wind. Eine am Wind schnelle Yacht kann raumschots stehen bleiben und umgekehrt, ein Leichtwindrenner bei Starkwind sterben und vice versa. Diese Eigenschaften des jeweiligen Bootes wird jeder Eigner mit der Zeit kennen-, aber vielleicht nicht lieben lernen.

Noch ausgeprägter können Überraschungen hinsichtlich der Geschwindigkeit bei Charterern ausfallen, welche meist nur wenige Tage auf ein und derselben Yacht verbringen und sich vielleicht im Vorfeld auch nicht ausgiebig mit den potenziellen Eigenschaften des Mietschiffs auseinandersetzen.

Dabei kann diese Vorab-Beschäftigung nicht nur interessant sein, sondern auch wertvolle Erkenntnisse bringen. Wer sich etwa als Eigner extra ein größeres Boot kauft, um bei der Vereinsregatta auch einmal schneller als die anderen zu sein, wird vielleicht enttäuscht, weil eben nicht nur Länge läuft, sondern Wasserlinienlänge. Da nützt eine vermeintlich größere Yacht wenig, wenn sich die Größe wie bei älteren Konstruktionen auf die Rumpflänge bezieht, das Boot aber einen sehr schrägen Steven sowie einen großen Überhang am Heck hat.

Auch bei der Routenplanung, ob für Charterer oder Eigner, sind möglichst genaue Kenntnisse über die erzielbaren Geschwindigkeiten bei unterschiedlichen Windstärken und Kursen sehr hilfreich. Nur ein Knoten weniger Speed als angenommen kann schon bei einem lediglich 20 Seemeilen langen Törn eine Stunde mehr Segelzeit bedeuten, wenn eben statt fünf nur vier Knoten geschafft werden. Dann ist der angepeilte Liegeplatz mit Pech womöglich schon voll, oder der Landgang findet im Dunkeln statt.

Gerade Routingprogramme, welche den schnellsten oder komfortabelsten Kurs mit zugrunde liegenden Winddaten errechnen können, sind auf möglichst korrekte Bootsgeschwindigkeiten angewiesen. Sonst erreicht die zu vermeidende Schauerfront eben doch noch die Crew, obwohl das Programm wegen zu hoher eingegebener Bootsgeschwindigkeiten vorhergesagt hatte, dass diese achtern passieren würde. Je länger dabei der Törn, desto gravierender können sich falsche Geschwindigkeitsannahmen auswirken.

Dabei ist es recht einfach, sich ein Bild von einer zum Kauf angepeilten oder gecharterten Yacht zu machen. Ein paar Parameter sowie frei zugängliche Datenquellen helfen.

In YACHT 7/2020 wird erklärt, wie sich Parameter wie die theoretische Rumpfgeschwindigkeit, die Segeltragezahl oder die Verdrängungszahl berechnen und interpretieren lassen. Außerdem wird gezeigt, wie sich die hunderttausende Messbriefe verschiedenster Yachten aus dem Internet laden lassen und welche wertvollen Daten darin enthalten sind.

YACHT 7/2020 ist ab 18. März am Kiosk oder kann hier digital bestellt werden.
 

Lars Bolle am 17.03.2020

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