Alternative Energie

Um den Globus mit Sonne, Wind und Wasserstoff

Der Rumpf war einst der schnellste Katamaran der Welt, bereits viermal jagte er um die Erde. Jetzt geht er als Versuchsträger neuer Technologien wieder rundum

Hauke Schmidt am 11.06.2019
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Energy Observer/Antoine Drancey

Verkehrte Welt. 60 Quadratmeter Segelfläche, 160 Quadratmeter Solarzellen – auf den meisten Yachten ist das Verhältnis anders herum

Charleston an der Ostküste Nordamerikas: Am 22. Mai 1819 sticht die 30,5 Meter lange "Savannah" Richtung Liverpool in See. Es soll die erste Atlantiküberquerung eines Dampfschiffes werden. Doch kein Passagier geht an Bord, und niemand vertraut dem neumodischen Qualmer Ladung an, zu groß ist die Skepsis. Die Überfahrt klappt, die aufholbaren Schaufelräder kommen aber nur 80 Stunden während Flauten zum Einsatz. 8 Knoten Fahrt sind mit Maschinenkraft möglich, die restliche Zeit wird gesegelt, die "Savannah" ist tradi­tionell geriggt. Vor Liverpool wird noch einmal kokett eingeheizt, an Land glaubt man, ein brennendes Schiff würde einlaufen.

Genau 200 Jahre später liegt die 30,5 Meter lange "Energy Observer" in Hamburg. Deren Macher hoffen, dass die beiden messerscharfen Buge in ein neues Zeitalter ohne qualmende Schornsteine weisen. Eine Brennstoffzelle speist die beiden Elektro­antriebe. Um deren Sprit – Wasserstoff – zu speichern, ruhen acht dalbendicke, mehr als zwei Meter lange Tanks auf den Vordecks. Sie fassen je 322 Liter oder knapp 8 Kilogramm Wasserstoff bei einem Druck von 350 bar. Der Wasserstoff wartet dort auf die sogenannte kalte Verbrennung, eine elektrochemische Reaktion, bei der Strom und Wärme entstehen – sowie Wasser als einziges Abfallprodukt. Mit diesem Setting ähnelt der Katamaran einem Brennstoffzellen- oder Wasserstoff-Auto. Doch wird hier der Wasserstoff auch an Bord erzeugt, das ist der Clou dieses Katamarans.

Außerdem ist die "Energy Observer" das Boot mit Segelvergangenheit. Deren Rümpfe wurden 1983 als "Formule Tag" in Kanada gebaut, dem damals größten Kat der Welt. Skipper Mike Birch ersegelte mit dem Kohlefaser-Monstrum als Erster ein 500-Meilen-Etmal. Robin Knox-Johnston und Peter Blake verpassten ihm ein neues Rigg, die Segelfläche wurde von 440 auf 526 Quadratmeter erweitert. Außerdem erhielt das Unterwasserschiff eine zweite Haut – zur Sicherheit. Im zweiten Anlauf, 1994, gelang mit ihr als "Enza" die Weltumrundung im Rahmen der Jules Verne Trophy in 74 Tagen und 22 Stunden.

Nun soll das Schiff auf seine vierte Weltumrundung gehen – mit Wind- und Sonnenkraft. Was das Team um Initiator Victorien Erussard alles verändert hat und warum die "Energy Observer" nach wie vor ein Segelboot ist, lesen Sie in der aktuellen YACHT. Das Heft ist ab sofort im Handel erhältlich, außerdem im Delius Klasing Shop oder als digitale Ausgabe

Hauke Schmidt am 11.06.2019

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