Unfall

Mit Kran in den Kanal gekippt

Ende eines Sommertörns: Eine Yacht wird demoliert, als der Kran von oben kommt. Alle Hintergründe dieses Eigner-Alptraums in der neuen YACHT

Uwe Janßen am 25.09.2012
Walimai

Eignerpaar an den Führungsleinen, Kran-Ausleger an Deck

Das Eignerpaar kam Ende August von einem Schwedentörn zurück, als es den Altraum schlechthin erlebte. Die Yacht sollte im Hafen Rusbend bei Bückeburg ausgekrant werden – und plötzlich kippte der 32 Tonnen wiegende Schwerlastkran auf den Aufbau der Alu-Yacht und drückte sie unter Wasser, ehe er im Mittellandkanal versank. Der Fahrer konnte sich im letzten Moment mit einem Sprung aus seiner Kanzel retten. Er blieb unverletzt.

 

Walimai

Da ist die Welt noch in Ordnung: Die „Walimai“ wird zum Auskranen vorbereitet

Verschiedene Feuerwehren arbeiteten bis weit in die Nacht an der überaus kniffligen Bergung des Krans (die schwer beschädigte Yacht schwamm wieder auf und wurde in eine Werft verholt). Der Kanal wurde während der Arbeiten für die Schifffahrt gesperrt. 

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Der Kran fällt auf die Yacht und demoliert das Deckshaus – die Einger sind machtlos

Aus dem Einsatzbericht der Feuerwehr Bückeburg:

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Der Kran ist über die Kante gegangen und im Mittellandkanal verschwunden

„Der Unfallhergang stellt sich nach derzeitigen Erkenntnissen wie folgt dar: Ein 32-t Kran versuchte ein Boot aus dem Kanal zu heben. Dabei kippte der Kran und stürzte mit dem Ausleger voraus auf das zu hebende Boot. Der Kranfahrer stürzte zunächst mit dem Kran ins Wasser, konnte sich jedoch glücklicherweise nach Zurufen der Bootseigentümer selbstständig in Sicherheit bringen. Dem Kranführer gelang es daraufhin noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr einen Öltank aus dem Wasser zu bergen. Der Kran war noch durch die Hebegurte mit dem Boot verbunden und versank langsam vollständig in den Kanal.

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Der geborgene Havarist hängt in zwei mächtigen Bergekränen der Feuerwehr

Da glücklicherweise keine Verletzten zu beklagen waren, konzentrierte sich die Arbeit der Feuerwehr auf das Sichern der betroffenen Objekte und dem Schutz der Umwelt vor auslaufenden Betriebsstoffen. Die Einsatzkräfte aus der Kernstadt, Evesen, MWA und Rusbend gelang es eine Ölsperre aufzubauen und die geringen Mengen an austretenden Betriebsstoffen auf einer Fläche von 500 Quadratmetern einzufangen. Hierzu wurde unter anderem ein Schlauch- und Feuerwehrboot eingesetzt. Die Umwelt wurde dadurch vor Schäden bewahrt.

Parallel dazu wurden die zuständigen Behörden des Landkreises, der Wasserschutzpolizei und des Schifffahrtamtes über die Lage informiert. Diese rückten mit zwei weiteren Booten an und sperrten den Mittellandkanal für den Schiffverkehr. Des Weiteren wurden zur Sicherheit weitere Ölsperren des Landkreises zur Einsatzstelle gebracht. Das zu hebende Boot konnte nach Entfernen der Hebegurte aus eigener Kraft den Gefahrenbereich verlassen.

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Der gewaltige Keulenschlag hat unter Deck erhebliche Zerstörungen verursacht

Nachdem die Einsatzlage soweit stabilisiert werden konnte, wurde in Absprache aller beteiligten Organisationen und Besitzer die Bergung des Fahrzeuges geplant. Hierfür wurden zwei gewerbliche 130-t Kräne mit Begleitfahrzeugen und die Tauchergruppe Petershagen Frille nachalarmiert. Bevor mit der Bergung des Krans begonnen wurde, musste zunächst ein Sonar des Wasserschifffahrtamtes eingesetzt werden um die Lage des Krans unter Wasser zu ermitteln. Es zeigte sich, dass der Kran seitlich und parallel zur Wasserkante im Kanal lag. Der Ausleger war aufgerichtet, sodass dieser in die Mitte des Kanals zeigte.

Im nächsten Schritt wurden die Bergungskräne aufgerüstet und in dem räumlich begrenzten Bereich in Stellung gebracht. Die Tauchergruppe stimmte sich anschließend mit dem Bergungsunternehmen ab, wie man Befestigungspunkte am verunfallten Kran schaffen könnte, sodass dieser aus der schwierigen Lage gehoben und im Hafen abgestellt werden kann.

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Der komplett zerstörte Autokran nach der Bergung

Die Befestigungsmaßnahmen stellten sich als sehr schwierig heraus. Mittlerweile musste die Einsatzstelle auf Grund der Dunkelheit ausgeleuchtet werden. Die Taucher kämpften jedoch gegen die Nullsicht unter Wasser, körperliche Belastung und mussten nach langen Tauchgängen regelmäßig gewechselt werden. Zudem musste zu jeder Zeit ein Sicherheitstaucher in Booten auf der Wasser- und Landseite in Bereitstellung stehen.

Die nächste Schwierigkeit bestand darin, dass es nur sehr langsam und mit technischem Gerät gelang, die schweren Hebeketten unter dem im Schlick steckenden Unfallkran durchzuführen. Auch hier musste stetig auf die Sicherheit der Taucher geachtet werden, da das Verhalten des Unfallkrans unter Wasser nicht vorhersehbar war. Nach intensiver Arbeit gelang es, einen ersten Festpunkt zu schaffen.

Im Anschluss konnte der Unfallkran durch den ersten Kran angehoben werden. Stück für Stück und in vielen Etappen konnten beide Kräne den Unfallkran anheben. Da keine idealen Festpunkte vorhanden waren, mussten die Ketten und Befestigungsschlingen regelmäßig umgesetzt werden. Hier war viel Handarbeit und Erfahrung des Bergungsunternehmens gefragt. Gegen 01:30 Uhr befand sich der Unfallkran schließlich wieder auf seinen eigenen drei Achsen an Land. Hier zeigten sich erhebliche Beschädigungen und die enorme Mengen an Schlamm, die sich am gesamten Fahrzeug festgesetzt hatte.

Bis gegen 3 Uhr wurde die Einsatzstelle auch mit den wichtigen, im Hintergrund agierenden Einheiten schrittweise zurückgebaut. Hierzu gehörte unter anderem die Versorgung der Einsatzkräfte während des 9-stündigen Einsatzes oder die Einsatzstellenkoordination durch den Einsatzleitwagen. Am gesamten Einsatzverlauf waren ca. 100 Einsatzkräfte der Behörden und Organisationen aus Bückeburg und dem Umland beteiligt. Zum Unfallhergang hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Der Einsatz erzeugte so viel aufsehen, dass viele Bürger das Einsatzgeschehen von der anderen Seite des Mittellandkanals verfolgten und verschiedene Pressemedien vor Ort waren.“

Walimai

So sah die Yacht vor dem Unfall aus – die Reinke auf Sommertörn in Schweden

Alle Einzelheiten zu dem aufsehenerregenden Fall und die Erlebnisse des Eignerpaares lesen Sie exklusiv in der neuen Ausgabe der YACHT.

Uwe Janßen am 25.09.2012

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