Szeneporträt

Die Insel der Seligen

Auf einem kleinen kanadischen Eiland hat sich eine einmalige Szene mit ganz starken Typen etabliert: Hier dreht sich alles ums Segeln, den Bootsbau und das Meer

Uwe Janßen am 19.03.2020
Gabriola
J. Girardot

Tony Grove vor seiner Holzbootwerft

Der französische Starfotograf Julien Girardot ist ein weitgereister Mann, er hat die Welt bereits im Kielwasser. Wenn ein Profi mit diesem Hintergrund an einem bestimmten Ort in grenzenlose Euphorie verfällt, dann muss es sich um einen ganz besonderen handeln. So erging es Girardot auf einer kleinen kanadischen Insel, auf der sich eine einzigartige Seglerszene etabliert hat. 

Gabriola Island liegt in der Straße von Georgia und ist mit gut 57 Quadratkilometern noch deutlich kleiner als Föhr, besiedelt von rund 4000 Seelen und dicht bestanden mit Zedern und Kiefern. Segler, Bootsbauer und andere Meerverbundene kamen einst her – und gingen nicht mehr. Gabriola wurde zum Zufluchtsort für kluge Träumer und sensi­ble Seelen.

Gabriola

Ein Schlag vor Waldkulisse – ein herrliches Revier!

Demütig und leise arbeiten die Menschen hier an ihren Projekten. Da sind die Bootsbauer, die im Schatten des Kiefernwaldes in der alten Holz­werkstatt mit Liebe und Hingabe werken und denen es nicht darum geht, einen Job zu erledigen – es geht ihnen darum, den Job zu genießen. Und da sind die Segler, die auf "Gabe", wie die Insel von ihren Bewohnern liebevoll genannt wird, nicht Regattasiegen, dem schönsten Boot oder der besten Ausrüstung hinterherjagen. Auch sie nehmen sich Zeit für das Wesentliche hier, das Träumen, das Reflektieren, das Nachdenken über Zusammenhänge und über ihr Leben mit dem Meer. Sie leben im Einklang mit sich und der Natur. Es ist nach wie vor eine einmalige Kommune besonderer Charaktere, die von eigenem Geist und Stil getragen wird, vielfältig, kreativ, leidenschaftlich und brüderlich. Das macht Gabriola Island so verdammt attraktiv. 

Girardot hat bei seinem Besuch die Geschichten der Einwohner in dieser speziellen Kommune für die YACHT zusammengetragen. Die Story von Tony Grove, 57, zum Beispiel, ein Virtuose im Umgang mit Holz, der dazu beitrug, der örtlichen Werftszene neues Leben einzuhauchen. Grove wandelte eine alte Lkw-Werkstatt in einen Bootsbaubetrieb um und liefert herausragende Qualität.

Gabriola

Altstar Mike Birch vor seiner selbstgebauten "Dolly"

Der Reporter begegnete dort auch einem Prominenten, der hier in der Abgeschiedenheit sein Leben genießt: Michael "Mike" Birch. Der mittlerweile 88-Jährige ist einer der großen Pioniere der Ozeanregatten, ein früher Protagonist der Mehrrumpfszene. Unter anderem gewann er 1978 die Premiere der Einhand-Transatlantikregatta Route du Rhum. Die tiefsten Spuren aber hinterließ er mit dem Bau der "Formule TAG", dem ersten Mehrrumpfer aus Kevlar-Carbonfaser, seinerzeit nicht nur der weltgrößte Katamaran, sondern auch die größte Prepreg-Struktur überhaupt – ein revolutionäres Schiff, auf dem er 1984 im Rennen Québec–St. Malo mit 516 Meilen in 24 Stunden einen Weltrekord aufstellte. Zu noch größerer Berühmtheit brachte es sein Baby unter dem späteren Namen "Enza", als Peter Blake und Robin Knox-Johnston 1994 damit die Jules Verne Trophy gewannen.

Mike Birch sagt, er liebe Gabriola. Und nach der Lektüre von Girardots großem Insel-Epos lässt sich der Grund dafür unschwer erahnen.

Den faszinierenden Bericht von dieser Insel der Seligen lesen Sie in YACHT 7/2020. Das Heft ist jetzt am Kiosk erhältlich, im DK-Shop oder digital direkt hier!

Uwe Janßen am 19.03.2020

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