Langfahrt

Der Reiz der hohen Breiten

Das Revier ist kalt und hart – und doch zieht es immer mehr gewöhnliche Segler in normalen Yachten ans Eis. Auf den Spuren eines Phänomens

Uwe Janßen am 31.03.2015
Hohe Breiten

Eine Blauwasseryacht wird von den Bewohnern einer Eisscholle neugierig beäugt

Ein Törn in den ganz hohen Norden oder den ganz tiefen Süden war dereinst Abenteurern und Wissenschaftlern auf Spezialyachten vorbehalten. Was auch, bitte schön, sollte einen gewöhnlichen Skipper an einem Törn reizen, der nicht den geringsten Komfort bietet, sondern in schroffen Bedingungen eine Herausforderung nach der nächsten stellt? Doch diese Zeiten sind vorbei, das Argument zieht offenbar nicht mehr: Auffällig viele gewöhnliche Segler mit ihren Serienyachten tummeln sich in nord- und südpolaren Gefilden. Die YACHT hat sich unter Experten umgehört, um eine Kernfrage zu beantworten: Was ist nur dran an diesen Törnzielen?

Hohe Breiten

Die „Wappen von Bremen“ auf einem Vereinstörn 2008 vor Grönland

Es gibt kaum einen besseren Kenner der Szene als den arktischen Dauergast Arved Fuchs. Er besegelt diese Breiten seit Jahren mit seinem Haikutter „Dagmar Aaen“. „Außer uns,“ schreibt er über die Anfänge der Entwicklung, „gab es vielleicht noch eine Handvoll Segler, die es ins Eis zog.“ Heute hingegen „erscheint es keinesfalls abwegig, eine Reise in die hohen Breiten zu unternehmen“. 

Hohe Breiten

Eis-Experte Arved Fuchs am Bug seiner „Dagmar Aaen“

Damit geht eine Entwicklung einher, die sich nicht leugnen lässt. Dereinst war die Ankunft einer Yacht „eine Sensation“, wie Fuchs erklärt, und: „Heute kommentiert keiner mehr vor Anker liegende Yachten. Die Menschen haben sich an den Anblick gewöhnt.“ Die Folge: „Der Yachtsegler wird nicht mehr als netter Exot betrachtet, dem uneingeschränkte Sympathie entgegengebracht wird, sondern als Tourist.“

Die zunehmende Beliebtheit des Reviers hat nachvollziehbare Gründe, die Fuchs in einem Essay in der neuen YACHT sehr eindrücklich darlegt. Und er ist mit seinen Beobachtungen nicht allein.

Im Interview bestätigt Osvaldo Escobar Torres diesen Trend für den Süden. Der Chilene bietet Chartertörns ums Kap Hoorn an, 77-mal hat er die sturmumtoste magische Landmarke gerundet. Das dürfte Weltrekord sein. Und sein Geschäft boomt derart, dass er gar nicht alle Kundenwünsche erfüllen kann. Für die Reise um Kap Hoorn gibt es mittlerweile Wartelisten.

Hohe Breiten

Kap-Hoorn-Fachmann Osvaldo Escobar Torres, 77-mal umsegelte er den berüchtigten Felsen

Der Themenschwerpunkt im neuen Heft wird abgerundet durch eine Geschichte, die nachdrücklich zeigt, dass das Segeln in diesen Breiten auch heute noch, trotz aller technischen Errungenschaften, kein unbeschwertes Vergnügen ist. Jochen Winter hatte sich mit seiner „Morning Haze“ einen Jugendtraum erfüllt, dann havarierte die Yacht an Grönlands Küste. Und der mit großartigen Erlebnissen gespickte Törn nahm plötzlich dramatische Züge an. Wie die abenteuerliche Reise endete – auch das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der YACHT.

Uwe Janßen am 31.03.2015

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