Seemannschaft

Besser ankern, Teil 3: Ankermanöver Schritt für Schritt

Die Marina ist überfüllt? Warum nicht in eine Bucht ausweichen? Wir erklären die richtige Handhabung des Ankers, Schritt für Schritt in Grafiken

Lars Bolle am 23.06.2020
Ankermanöver
YACHT/L. Bolle

Drei Varianten für das Ausbringen eines Zweitankers

Ankern kann ein tolles Erlebnis sein – wenn das Eisen denn hält. In den YACHT-Ausgaben 12 und 13 haben wir ausführlich die Wahl des richtigen Ankergeschirrs sowie des geeigneten Ankerplatzes beschrieben. In Heft 14 geht es nun um die Manöver selbst.

Wie bei den allermeisten seemännischen Fertigkeiten ist auch das Ankermanöver vor allem eine Sache von Übung. Das gilt insbesondere für unerfahrene Ankerlieger oder Charterer, welche die Eigenschaften des jeweiligen Geschirrs nicht kennen. Sie sollten das Ankern bei moderaten Bedingungen ausprobieren, bevor es wegen eines überfüllten Hafens oder wegen der Wetterbedingungen zwingend notwendig wird.

Richtige Vorbereitung ist auch beim Ankern Grundvoraussetzung.  Schon im Ausgangshafen und nicht erst am Ankerplatz sollte das gesamte Geschirr, also Leine, Kettenvorlauf und Anker, durchgesehen werden. Dabei vor allem auf die Verbindungen achten und auch, ob Ersatz für diese vorhanden ist, wie Schäkel oder Sicherungsbändsel. Ein Ankerball gehört auch dazu sowie die Prüfung, welche Tiefe das Echolot anzeigt, ob unter dem Kiel oder von der Wasseroberfläche aus. Zum Ankern sollte man dann wie zu einem entsprechend langen Törn starten: mit vollem Wassertank, geladenen Batterien, aktueller Wettervorhersage und, auch wenn eigentlich keine Übernachtung geplant ist, funktionierendem Ankerlicht.

In Ausgabe 14 wird gezeigt, wie das Standard-Ankermanöver zu fahren ist sowie spezielle Methoden, etwa mit zwei Ankern oder Landverbindungen. Ausgespart wurde das sogenannte Verkatten, bei dem zwei Anker an derselben Kette gefahren werden, um so die Haltekraft zu erhöhen. Denn zum einen ist es recht schwierig, beide Anker gleichmäßig einzufahren. Gelingt das nicht, ist es fraglich, ob beim Ausbrechen des ersten Ankers der zweite, nicht gut im Grund sitzende, sich weiter eingräbt. Viel gewichtiger aber ist das schlechte Handling beim Aufholen. Sollte dies in einer Notsituation erfolgen müssen, bedeutet es das Hantieren mit zwei Eisen auf dem Vorschiff. Der hintere Anker muss dann erst von der Kette gelöst werden, bevor der zweite Anker aufgeholt werden kann. Einfacher ist dagegen das Ausbringen eines Zweitankers.

Noch ein Tipp: Es ist keine Schande, in einer Notsituation zum schnellen Verlassen des Ankerplatzes das komplette Geschirr zurückzulassen; es kann sonst in seltenen Fällen schlicht zu lange dauern, den Anker, oder gar bei Varianten derer zwei, ordnungsgemäß zu lichten. Dazu an das Ende der Trosse oder Kette einen Fender knüpfen, bei einer Kette mit einer Leine, die länger ist als die Wassertiefe. Dann das Geschirr ausrauschen lassen, zusammen mit dem Fender. Wenn sich die Lage beruhigt hat, kann zum Ankerplatz zurückgekehrt werden, und das Geschirr lässt sich über den oben schwimmenden Fender einfangen und bergen.

YACHT 14/2020 ist ab 24. Juni am Kiosk erhältlich oder kann als Einzelheft, Abo oder Digitalausgabe hier bestellt werden.
 

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Lars Bolle am 23.06.2020

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