Seemannschaft

Besser ankern, Teil 1: die Grundausrüstung

Im Auftakt der Serie geht es ums Geschirr: Warum Lehrbuch-Empfehlungen zur Kettenlänge gefährlich und welche Anker und Ausrüstung empfehlenswert sind

Hauke Schmidt am 26.05.2020
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YACHT/B. Scheurer

Törnausklang am eigenen Anker: stimmungsvoll und ohne Hektik

Selten war Ankern in unseren Gewässern so attraktiv wie in Zeiten der Pandemie, erfüllt man doch am eigenen Grundeisen automatisch alle Vorgaben für Abstand und Hygiene. Außerdem kehrt in einer geschützten, im besten Fall einsamen Bucht schlagartig Ruhe ein. Damit die Übernachtung am eigenen Anker zum entspannten Erlebnis wird, ist die richtige Ausrüstung nötig. Schon bei der Wahl des Grundeisens scheiden sich die Geister. Tatsächlich gibt es auf die Frage nach dem optimale Haken keine allein gültige Antwort. Denn je nach Beschaffenheit des Meeresbodens sind zum Teil konträre Konstruktionsmerkmale von Vorteil, und der immer funktionierende Allround-Anker existiert nicht. Unsere umfangreichen Tests, bei denen wir in den letzten 16 Jahren 27 verschiedene Typen geprüft ­haben, zeigen aber deutlich, welche Eigenschaften eine gute Konstruktion auszeichnen und wovon man besser die Finger lässt.

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Nicht jeder Anker hält in jedem Grund. Die Erfolgsaussichten hängen aber stark von dessen Konstruktion ab

Auch das beste Grundeisen nützt wenig, wenn die Verbindung zum Boot nicht stimmt. Vor allem die Länge der gesteckten Kette oder Leine ist für die sichere Funktion des Ankers entscheidend. Nur wenn der Ankerschaft auch unter Last am Boden bleibt, kann der Haken seine volle Haltekraft entfalten. Traditionell wird die Kettenlänge als Vielfaches der Wassertiefe angegeben. In der Regel lauten die Empfehlungen, zwischen drei- und fünfmal so viel Kette zu stecken, wie das Echolot anzeigt. Bei Tauwerk sollte die achtfache Wassertiefe abgefiert werden.

Wirkung des Reitgewichts

Simulation eines 13 Kilogramm schweren Reitgewichts bei 20 Knoten Wind. Bei optimaler Platzierung ersetzt es acht zusätzliche Kettenmeter 

Schon die Bandbreite der Empfehlung lässt Zweifel an der Richtigkeit aufkommen, außerdem wird die Windstärke entgegen jeder Praxiserfahrung nicht berücksichtigt. Das dachte sich auch YACHT-Leser René Lattmann. Der erfahrene Skipper des Schweizer Cruising Club nutzte die Corona-­bedingt segelfreie Zeit  er befasste sich mit der zugrunde liegenden Mathematik und simulierte verschiedene Ketten- und Tauwerkskombination sowie den Effekt des Reitgewichts. Seine Ergebnisse sind so einleuchtend wie überraschend: Wer nach Lehrbuch ankert, ist keineswegs auf der sicheren Seite.

YACHT 12/2020 ist ab sofort im Handel und kann über den DK-Shop bestellt oder als digitale Ausgabe heruntergeladen werden.

Hauke Schmidt am 26.05.2020

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