Trockenfallen
Zwölf Stunden stabile Seitenlage

Es sollte eine schnelle Überführung werden. Doch erst fällt der Motor aus und dann das Schiff trocken. Aus einem Kurztripp wird eine Odyssee

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 26.02.2013

Johannes Erdmann Abwarten und Tee trinken – "Maverick too" fällt langsam trocken

Seit Stunden bereits sitze ich hier in der Kajüte der um 47 Grad geneigten "Maverick too" – und warte. Jetzt erst fällt mir auf, dass ich kurioserweise die ganze Zeit in "Luv" und "Lee" denke. Mein Lee beschreibt die Seite, zu der sich das Schiff neigt. Luv ist dort, wo alle fünf bis zehn Minuten ein Schapp auffliegt, dessen Inhalt sich in einem Geschossregen nach Lee ergießt. Dabei ist es gar nicht der Wind, der das Schiff derart auf die Seite legt: Wir sind trockengefallen.

Johannes Erdmann Wie ein gestrandeter Wal – die Yacht am Ufer der Oste

Wohl die wenigsten Segler haben ihr Schiff einmal in dieser Lage erlebt. 47 Grad Krängung sind viel. So viel, dass das Leben an Bord sehr beschwerlich ist. Die meisten Schritte in der Kajüte werden auf den Seitenwänden zurückgelegt, die einer Waagerechten näherkommen als der Fußboden. Und noch immer sind es sechs Stunden, bis "Maverick too" wieder aufsteht.

"Fünf Meilen sind ja wohl ein Klacks!", habe ich mir am Morgen gedacht. Immerhin lagen seit Saisonbeginn knapp tausend im Kielwasser – ohne jegliche Ausfälle. Und nun sollte es ja nur kurz zum Winterlager in Neuhaus an der Oste gehen. Von meinem Liegeplatz am Ostedeich immer nur den kleinen Fluss hinunter, durch zwei Klappbrücken und dann ab in die Halle. Ganz einfach. Eine Routinefahrt.

Mein fast schon hypochondrischer Wahn, während längerer Motorfahrten immer wieder einen Blick auf die Temperatur- und Öldruckanzeige werfen zu müssen, setzt ein. Alle fünf Minuten – ich kann nicht anders. Gerade noch vor der Brücke war alles in Ordnung, doch jetzt ist die Temperatur im roten Bereich! Instinktiv schaue ich zum Spiegel: Der kraftvolle Strahl ist einem beschaulichen Plätschern gewichen.

Das Unheil nimmt seinen Lauf, bei dem sich eine Misere an die nächste reiht. Erst fällt die Maschine aus, dann sogar das Schiff trocken. Zwölf Stunden lang muss der Skipper bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf die erlösende Flut warten. Lesen Sie den ganzen Bericht in YACHT 6/2013 – jetzt am Kiosk!


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