Tod auf dem Atlantik
Was geschah auf der „Pan Tau”?

Skipper Hans Nagel wird von zwei Mitseglerinnen erstochen, offizielle Version: Notwehr. Aber die Bootseignerin kommt zu einem anderen Urteil

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 01.07.2011

M. Melford Die „Pan Tau” nach dem Ende des Horrortörns in St. Lucia

Die Akte ist längst geschlossen, die Tat liegt fast 29 Jahre zurück, 2006 wurden die Nachforschungen mit der Ablehnung des Auslieferungsbegehrens für die beiden englischen Mitseglerinnen endgültig eingestellt. „Lange Zeit hofften wir noch auf die Durchführung eines Hauptverfahrens“, sagt Ursula Ebber der YACHT. Ihr und ihrem Mann Clemens gehörte damals die „Pan Tau“. Da dies Verfahren jedoch nicht eingeleitet wurde, hat das Paar selbst recherchiert und ist in der offiziellen Darstellung auf zahlreiche Ungereimtheiten gestoßen – zusammengefasst: sie sei „von A bis Z falsch. Die Wahrheit wartet noch auf ihre Enthüllung.“

Bunte Aufmacher in der „Bunten“ mit den „Teuflischen” Brenchley (l.) und Thompson, aufgenommen von Hubert Müller nach der Tat

Der Tod des Skippers aus Wedel im November 1982 hatte international für Schlagzeilen gesorgt, eine mysteriöse und grausame Geschichte. Nagel sollte die Wibo 930 für das Ehepaar nach Australien überführen, wohin es ausgewandert war. Entgegen der Verabredung absolvierte der damals 42-Jährige den Törn aber nicht einhand. Er nahm für die Atlantik-Passage in Gran Canaria drei Mitsegler an Bord: den Deutschen Hubert Müller, 42, sowie die beiden Engländerinnen Kate Brenchley, 25, und Angela Thomson, 27. Die Absprache zwischen Männern und Frauen schien klar: Sex gegen Koje.

P. Aldick Das letzte Foto von „Pan Tau”-Skipper Hans Nagel vor der verhängnisvollen Reise

Bald nach dem Auslaufen aber muss sich die Stimmung an Bord dramatisch verschlechtert haben. Die Sache eskaliert, so schildern es die Frauen: Nagel versucht, Angela Thompson auf der Nachtwache zu vergewaltigen, sie wehrt sich mit einem Messer, ihre Freundin kommt mit einem zweiten zu Hilfe, Nagel wird erstochen, und die Frauen werfen seine Leiche über Bord. Am 15. Dezember 1982 läuft die „Pan Tau“ in St. Lucia ein.

Die Behörden in der Karibik und Scotland Yard glauben den Frauen ihre Version: Notwehr, keine weiteren Ermittlungen. Ebbers erhalten die Asservate zurück, studieren sie intensiv – und glauben nun, in Logbuch und Seekarten eine Vielzahl von Indizien gefunden zu haben, die der Darstellung widersprechen: „Es stimmt nicht, dass alles zusammenpasste.“

Privat Hubert Müller mit Kopfverband im Cockpit. Er sagt, er sei in der Tatnacht von den Frauen verletzt worden

In der YACHT äußert und begründet Ursula Ebber sowohl Zweifel am Tathergang als auch am Tatzeitpunkt: „Alles spricht nach sorgfältiger Analyse dafür, das Nagels Todesdatum vom 20. auf den 28. (November 1982, d. Red.) verlegt wurde.“

U. Ebber Die damaligen „Pan Tau“-Eigner Clemens und Ursula Ebber in ihrer Wahlheimat Australien

Ferner, so sagt sie weiter, „passten Zeitabläufe nicht zusammen, Kurse und Wetterangaben konnten nicht stimmen, vieles war offensichtlich manipuliert worden". Wie die damalige Eignerin zu diesen Schlüssen kommt, und warum sie schwere Vorwürfe gegenüber den deutschen Strafverfolgungsbehörden erhebt, erklärt Ursula Ebber in einem ausführlichen Interview.

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Themen: Angela ThompsonHans NagelHubert MüllerKate BrenchleyPan TauUrsula Ebber

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