Sturmtaktik
Wie man Starkwind am besten übersteht

Sturm ist  immer eine Bewährungsprobe. Er kann mobilisieren oder lähmen. Wie er auf die Crew wirkt und wie man ihm am besten begegnet

  • Lars Bolle
 • Publiziert vor 4 Tagen
Wucht. Wind und Wellen setzen enorme Kräfte frei. Sie fordern die Crew physisch wie psychisch Wucht. Wind und Wellen setzen enorme Kräfte frei. Sie fordern die Crew physisch wie psychisch Wucht. Wind und Wellen setzen enorme Kräfte frei. Sie fordern die Crew physisch wie psychisch

Crew der Freydis Wucht. Wind und Wellen setzen enorme Kräfte frei. Sie fordern die Crew physisch wie psychisch

Crew der FREYDIS III Heide und Erich Wilts

Heide und Erich Wilts sind seit 1972 auf den Weltmeeren unterwegs. Viele anspruchsvolle Reisen führten sie in extreme Breiten – ihre zweite „Freydis“ war die erste deutsche Yacht in der Antarktis und 13-mal am Kap Hoorn. Die Wilts, beide 79 Jahre alt, sind Träger von Schlimbach- und Trans-Ocean-Preis und wurden mit dem Goldenen Kompass der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen ausgezeichnet. Sie haben acht Mal die Erde unter Segeln umrundet und mehr als 350.000 Seemeilen im Kielwasser. Damit gelten sie als das befahrenste deutsche Seglerpaar.

Ihr aktueller Beitrag über die Wirkung von Starkwind auf die Crew ist die Quintessenz aus fünf Jahrzehnten Schwerwettererfahrung.

So schreibt Heide Wilts in der aktuellen YACHT:

An Stürmen hat es uns wahrlich nicht gemangelt in den 50 Jahren, in denen wir überwiegend mit Crew auf der „Freydis“ segelten. Und es waren nicht nur „normale“ Stürme, sondern auch Orkane und Taifune – in den allermeisten Fällen eine Tortur für Schiff und Mannschaft. Manche konnten einen das Fürchten lehren.

Wir werden immer wieder gefragt, ob uns Stürme überhaupt noch etwas anhaben könnten, ob wir nicht langsam dagegen immun seien, nach dem Motto: „Was dich nicht umbringt, macht dich hart.“ Leider stimmt das nicht – weder kann man sich dagegen abhärten, noch an sie gewöhnen. Im Gegenteil: Mit jedem Sturmtief wurden wir dünnhäutiger, sensibler.

Die unkontrollierten, oft harten Bewegungen im Seegang, das infernalische Wind- und Wellengetöse, die Verantwortung für Schiff und Crew und die Sorge, dass etwas Unvorhersehbares geschehen könnte – das alles zerrt zunehmend an den Nerven.

Und warum dann das Ganze? Wieso sich überhaupt solchen Risiken aussetzen? Weil die Erfahrung lehrt: Der Sturm geht vorüber. Was im Gedächtnis bleibt, sind die Bilder von einsamen Buchten, leeren Stränden, tiefblauem Meer, gigantischen Vulkanen, bizarren Eisbergen, Gletschern und Tieren, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat – und nicht zuletzt das gemeinsame Erlebnis, die gemeinsam bestandenen Abenteuer. All das steht den Gefahren bei schwerem Wetter entgegen.

Die Höhepunkte meiner Erinnerung sind diejenigen Segelreisen, auf denen wir unter größten Anstrengungen, oft auch großer Sorge die für uns hochgesteckten Ziele erreichten. Sie sind es, die in uns die größten Glücksgefühle ausgelöst haben. Klar ist dabei: Wir sind keine Rennyacht, und wir streben mit unseren Törns keine Rekorde an.

Unsere Crews setzen sich zum einen aus „alten Füchsen“ zusammen, also aus Menschen, die schon häufiger mit uns auf der „Freydis“ gesegelt und deshalb mit Schiff und mit uns vertraut sind. Zum anderen aus neuen Mitseglern, die wir sorgfältig aussuchen, damit sie sich möglichst harmonisch in die Mannschaft einfügen.

Ich bin keine Psychologin, aber ich will dennoch versuchen, die Auswirkungen von Schwerwetterlagen auf unsere Crewmitglieder und auf uns beide zu beschreiben. Denn häufig zeigen sich Muster, wenn auch sehr unterschiedliche. Sie zu kennen und zu verstehen, sich darauf einzustellen, kann im Ernstfall jedem Segler helfen, der in einen Sturm gerät.

Ihre Tipps geben Heide und Erich Wilts in YACHT 10/2021 wieder.


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