Bootstest
Spaßboot Mantra Six: grüne Welle

Drei kleine Sportboote präsentieren wir in der aktuellen Yacht. Die Mantra Six bietet dabei von allen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis

  • Martin-Sebastian Kreplin
 • Publiziert am 05.07.2011

YACH/M.-S. Kreplin Grünes Gift: die Mantra Six

Ein Schlagen, ein Reißen – da ist die Testfahrt vorbei. So ein Mist. Still sammelt der Vorschiffsmann die trau­ri­gen Reste des Gennakers ein, der sich gerade über die Kieler Außenförde verteilt hat.

Mantra Six

11 Bilder

Das kleine Kielboot auf Testfahrt in der Strander Bucht

YACHT / M.-S. Kreplin Grünes Gift: die Mantra Six

Wirklich schade. Auch wenn man bekannt­lich aufhören soll, wenn es am schönsten ist, so muss es doch nicht auf diese Weise sein. Erst recht nicht, wenn noch längst nicht alle Messwerte erhoben sind …

Und dieses kleine, leuchtende Ding macht Spaß, so viel ist klar. Entwickler und Importeur Dariusz Konopczak ist mit der Mantra Six ein wahrer Glücksgriff gelungen, ein günstiges Boot auf der Höhe der Zeit. Chines, Hubkiel, Gennakerbaum, achter­stagloses Rigg, maximal breiter Hintern – die Six hat das, was bei Sportbooten en vogue ist. Wer genau hinsieht, entdeckt Melges 20 und die französische Open 5.70, auch wenn die konventionell in Polen laminierte Yacht leistungsmäßig nicht mit der Kohlefaser-Backware vergleichbar ist. Aber das muss sie auch gar nicht. Denn so viel sei vorweggenommen: Nicht nur die (optionale) Farbe des Testbootes ist heiß, sondern auch der Kaufpreis. Der Segelspaß beginnt schon bei 19.000 Euro, Gennaker inklusive. Einer.

Dass dieser bei der Testfahrt nicht lange durchhält, ist Pech, betrübt den mitsegelnden Konopczak aber keine Minute. Aufmerksam und mit leichter Hand dirigiert der ehemalige Starbootsegler das kleinste Boot der Mantra-Flotte durch die kabbelige Förde, im­mer eine Hand an der Großschot. Und ein Grinsen im Gesicht. Das hat seinen Grund, denn das Wort „Rumpfgeschwindigkeit“ ist für die 600 Kilogramm schwere Six bei fünf Windstärken nur ein relativer Begriff. Eine Orientierungsmarke. Permanent zeigt das GPS selbst auf Amwind-Kursen mehr an.

Sechs Meter sportlich-agiles Kielboot für nicht einmal 20.000 Euro – die Mantra Six ist ein wirklich überzeugendes Angebot. Denn zu den offensichtlichen Vorzügen unter Segeln kommen die Details, die erst auf den zweiten Blick zutage treten: So ist der kleine Hubkieler sehr sorgfältig und mit hochwertigen Materialien gebaut, in denselben Hallen, in denen auch bekannt gute dänische Yachten entstehen.

Durch das etwas höhere Gewicht im Vergleich zum Wettbewerb ist die Mantra Six sicher nicht der Geheimtipp für Regatta­silber, wohl aber eine ausgezeichnete Beglei­terin für spaßige Feierabendausflüge, den harten Segelschuleinsatz oder die Nutzung als Clubboot. Klar jedenfalls ist: Wer einmal auf der grünen Welle geritten ist, wird nicht so schnell wieder aufhören wollen. Und wird dann auch manchmal gut gemeinte Ratschläge nicht hören wollen.

Beim Testtermin nämlich hatte der gelautet: „Ich würde den Gennaker heute lieber nicht setzen.“ Wäre aber schade ge­wesen, es nicht gemacht zu haben …


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