Revierreport
Hurrikan-Folgen in der Karibik: Verwüstung im Paradies

In einem der weltbesten Winterreviere geht nun die Saison los. Eigentlich. Aber Rekordstürme haben die Inseln verheert, und die Wunden sind noch nicht verheilt

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 13.11.2017
Bootsleichen in der Nanny Cay Marina auf Tortola Bootsleichen in der Nanny Cay Marina auf Tortola Bootsleichen in der Nanny Cay Marina auf Tortola

M. Bielefeld Bootsleichen in der Nanny Cay Marina auf Tortola

Mehrere Wirbelstürme, darunter der stärkste der Geschichte, haben die nördliche Karibik in ein Trümmerfeld verwandelt. An Land blieb vielerorts kaum ein Stein auf dem anderen, und tonnenschwere Yachten wurden wie Spielzeuge durcheinandergeworfen. Weit über 160 Menschen kamen ums Leben. Die materiellen Schäden durch "Irma" und ihre Nachfolger sind bis heute nicht seriös zu schätzen – eine gigantische Katastrophe. Und nun beginnt in dem paradiesischen Revier die Segelsaison.

M. Bielefeld Australische Abenteurer heben Wracks, die als Totalverluste abgeschrieben sind

Ein YACHT-Reporter war auf den British Virgin Islands, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Schon die Recherche war eine Leistung, sie gelang nur auf Umwegen und mit einigen Tricks; Journalisten sollten die Bilder flächendeckender Zerstörung lieber nicht zu Gesicht bekommen. Noch immer gibt es Ausgangssperren und nur zeitweilig Strom. Nicht einmal eine gewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit fand unser Reporter – eine Frau bot ihm schließlich eine Schlafstätte auf dem blanken Fußboden an.

Umso beeindruckender das Ergebnis und die Eindrücke dieser Reise. Zwar sind die Aufräumarbeiten ein gutes Stück vorangekommen, aber die Spuren noch lange nicht beseitigt. Die Wunden, die die Faust Gottes schlug, sind noch nicht verheilt.

M. Bielefeld Sie reagieren mit Trotz: "Wir sind stärker"

Auf Tortola etwa liegen Yachten wild durcheinander an Land, bizarre Haufen Schrott. Ausrüstungsteile sind ewig weit über den Boden verstreut, abgerissen, zerstört. Wo sich besonders viel Yacht-Müll und Hunderte Bootsleichen angesammelt haben, sprechen die Einheimischen vom „Hurricane graveyard“, vom Friedhof des Wirbelsturms. Ein ähnliches Bild bietet sich auf den Nachbarinseln, zum Beispiel auf Virgin Gorda.

Für einen Außenstehenden sieht das alles noch Wochen später aus, als habe sich der GAU soeben ereignet. Aber die Einheimischen beteuern, es sei alles sehr viel schlimmer gewesen, jetzt herrsche fast schon wieder Ordnung. Davon ist man nach europäischen Maßstäben weit entfernt, aber die Menschen arbeiten mit Hochdruck an der Rückkehr zu einigermaßen geordneten Verhältnissen.

M. Bielefeld Die Paraquita Bay galt als besonders sicher, als "Hurricane hole" – bis sie von der Faust Gottes getroffen wurde

Einige nehmen die Katastrophe mit karibischer Langmut und bauen ihre Heimat mit einem gewissen Trotz wieder auf, nach der Devise, noch der stärkste Sturm kriegt uns nicht klein. Die ersten auswärtigen Eigner sind vor Ort, um vielleicht noch etwas zu retten. Ein paar Freaks suchen Schnäppchen wie gesunkene Luxuskats für einen Dollar – sie träumen schon wieder davon, die als Totalverlust abgeschriebenen Yachten eines Tages fit zu haben. Laminierer flicken eilig an den Schiffen herum, Hauptsache, es geht schnell. Und dann sind da noch die professionellen Berger, die mit einem gewissen Zynismus ihre Geschäftsphilosophie auf einem T-Shirt zur Schau stellen: "Your mayday is our payday!"

M. Bielefeld Mitarbeiter einer Bergungsfirma: "Your mayday is our payday"

Die große Reportage über das Leben und das Segeln nach der schwersten karibischen Hurrikansaison, die es je gab, lesen Sie in YACHT 24/2017, jetzt am Kiosk,  Element not implemented:    oder direkt  hier Element not implemented: !


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Themen: HurrikanIrmaKaribik

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