Make 25
Die Italo-Alternative für Binnenseen

Die Make 25 ist etwas für Menschen, die Gefallen an konservativen Yachten mit großer Breite, hohem Rigg und großem Cockpit finden

  • Martin-Sebastian Kreplin
 • Publiziert am 11.10.2011

YACHT/M.-S. KREPLIN Make 25

Dass Konstrukteur Vitali seinen jüngsten Entwurf vor allem auf den leichtwindigen Alpenseen sieht, beweist deutlich das hohe Rigg mit einer amtlich bemessenen Segelfläche. 27,6 Quadratmeter stehen standardmäßig zur Verfügung, bei 1,5 Tonnen Bootsgewicht ergibt das eine Segeltragezahl von 4,58. Wem das nicht genug ist, dem bleibt die Option auf eine Kombination von tieferem Kiel und höherem Rigg, dann stehen bis zu 36,5  Quadratmeter Tuch zur Verfügung. Dass diese auch anständig getrimmt werden können, garantiert ein 9/10-Rigg von Seldén, das sonst selten in diesem Größensegment verbaut wird.

Die GFK-Arbeiten am ganzen Schiff sind über jeden Zweifel erhaben. Hier steckt unter dem weißen Gelcoat sogar mehr Qualität als allgemein üblich: Mit Vinylester und Airex-Sandwichkern wird das gesamte Schiff im Vakuum-Infusionsverfahren hergestellt, anschließend werden Deck und Rumpf unsichtbar in einem sechs Zentimeter überlappenden Rezess miteinander verklebt und verbolzt. Da der Zweimann-Betrieb Makesails das nicht allein leisten kann, vertraut man auf einen Zulieferer aus der Region Venedig. Die Werft unweit des Comer Sees kümmert sich nur noch um den Zusammenbau und die Ausrüstung.

Gut und bewährt gelöst ist die gesamte Innenaufteilung. Ohne störende Schotten erscheint der 25-Fußer großzügig und hell, mit zwei komfortablen Doppelkojen ist auch für eine vierköpfige Familie auf Urlaubstörn ausreichend Platz. Allerdings geht schnell der täglich benutzbare Stauraum aus. Bietet die Nasszelle noch einen großen, offenen Ablagebereich hinter dem See-WC, muss man sich andernfalls mit nur einer Handvoll Schapps und Schwalbennestern begnügen. Das Vorschiff ist sogar gänzlich nackt. Ausgemessen bieten sich weniger als 600 Liter Staufläche, da weist mancher 20-Fußer mehr auf.

Nur wenige Wochen ist es her, da präsentierte die österreichische Schöchl-Werft auf der Interboot die überarbeitete Sunbeam 24.2. Auch sie ist schlank und gut betucht, an Deck wertig ausgestattet und beim Preis selbstbewusst platziert. Doch eines können die Österreicher besser: Sie bieten eine durchweg gute Bauqualität. Da muss Daniele Vitali noch nachlegen, um die geforderte Summe rechtfertigen und sich in diesem Marktsegment behaupten zu können. Zwar beginnt die Preisliste offiziell bei 35.900 Euro für die Cruiser/Racer-Variante, doch fehlen hier unter anderem Segel (2.200 Euro), Polster (1.080 Euro), Rollreffanlage (1.070 Euro) Windex, Kompass und einiges mehr.

Das eigentliche Plus der Make 25, ihre aufwändige Bauweise, gerät in Anbetracht der Aufpreispolitik und der kleinen Ungeschicktheiten im Innenraum schnell ins Hintertreffen. Wenn das Schiff aber stärkeren Wind so effektiv umsetzt, wie man am Testtag erahnen konnte, wäre das vielversprechend. Denn eines ist klar: Günstige Wohnboote gibt es in dieser Größe genug. Es sind die wertigen Segelmaschinen, die der Markt verlangt. Eben Schiffe für echte Typen.


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