Klassiker
Zuwachs für die heimischen Zwölfer

Am vergangenen Wochenende wurde mit "Cintra" der älteste Gaffelzwölfer an einen deutschen Eigner verkauft. Neuer Heimathafen wird Kiel

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 26.11.2012

Rolex/Carlo Borlenghi Der gaffelgetakelte Zwölfer "Cintra" im Mai 2009 vor Portofino

"Wir freuen uns sehr, dass der Kauf nun endlich geklappt hat", sagte Wilfried Beeck gegenüber YACHT online heute Morgen. Der Kaufmann aus Norddeutschland ist bereits Eigner der 12-mR-Yacht "Trivia", mit der er seit vielen Jahren erfolgreich an den Start geht. Doch der Kauf des gaffelgetakelten First-Rule-Zwölfers zeigt, dass es in dieser Klasse um mehr als nur Regattaerfolge geht. "Wir wollten das Schiff sichern und nach Kiel holen", so Beeck.

Herausragend schön

Glück für die heimischen Klassikerfreunde. Denn Zwölfer sind aufgrund ihrer eleganten Linien für viele Liebhaber die Vollendung der klassischen Rennyachten. Und "Cintra" gilt unter Kennern noch als ein herausragend schönes Exemplar dieser Gattung. Sie stammt aus der Feder des Großmeisters William Fife III und lief 1909 auf dessen Werft am River Clyde in Schottland vom Stapel. Die Yacht ist 18,90 Meter lang, 3,36 Meter breit und trägt 221 Quadratmeter Segel.

Rolex/Carlo Borlenghi Vorschiffsarbeit auf dem Klüverbaum

Spannende Geschichte

Vor dem Ersten Weltkrieg dominierte sie die britische Zwölferszene, galt später als verschwunden, bis sie in einem ostenglischen Schuppen gefunden wurde. Ihre Restaurierung zu Beginn der neunziger Jahre und deren mediale Begleitung lösten eine Welle der Begeisterung für die alten Zwölfer aus. "Cintra" wurde zu einer prominenten Vertreterin ihrer Klasse auf dem Mittelmeer, wo sie unter italienischer Flagge gesegelt wurde. Andreas Krause , Geschäftsführer der Trivia GmbH , hat das Schiff dann vor rund einem Jahr in Holland entdeckt und in der heimischen Szene nach einem Käufer gesucht. Er fand ihn jetzt in Wilfried Beeck.

Rolex/Carlo Borlenghi Unter Deck – ursprünglich war die Yacht nicht ausgebaut

Spannendes Projekt

Der Verkauf erfolgte über einen holländischen Makler, nach dessen Angaben das Schiff in segelklarem Zustand ist. Dass das bei einer mehr als hundert Jahre alten Rennmaschine nicht viel heißen muss, ist auch dem neuen Eigner klar. Gegenüber YACHT online äußerte er die Absicht, das Schiff trotzdem im kommenden Frühjahr an die Förde zu überführen und nach den unaufschiebbaren Instandsetzungsarbeiten wieder zu Wasser zu bringen und aufzutakeln. "Nach zwei Jahren an Land muss sie sicher erst einmal eine Weile im Kran hängen, aber nach unserer Begutachtung ist alles grundlegend in Ordnung", so Beeck. Auch für Crew sei gesorgt. "Wir haben einen Stamm von 25 Mann für ‘Trivia‘, der wird nur etwas erweitert." Genau wie " Trivia " und " Evaine " werde "Cintra" künftig ab Kiel für Tagescharter zur Verfügung stehen. Mit "Flica II" und " Heti " sind hier nun also fünf Zwölfer beheimatet.

Ob sich in dem Kauf auch ein sportlicher Wettbewerb um die größte Zwölferflotte ausdrückt, lässt Beeck offen. Immerhin haben sich nach der Restaurierung der " Sphinx " (Ex-"Ostwind") in Flensburg weitere Zwölfer dort angesiedelt, wie die " Anita " vom Segelclub Rheingau oder die " Anitra " des bekannten Bootsbauers Josef Martin. Und aus der vom Meterklasse-Fan Oliver Berking gegründeten Werft " Robbe und Berking Classics " sei schließlich auch in Sachen Zwölfer noch einiges zu erwarten.


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